«Es gibt ein Eskalationspotenzial» Parmelin will F/A-18-Erdkampf mit NATO trainieren

Die F/A-18 Kampfjets der Schweiz sollen mit der NATO für den Erdkampf trainiert werden: Dieser Idee einer Expertengruppe gab Bundesrat Guy Parmelin in einem Interview nun Rückendeckung – eine definitive Entscheidung sei aber noch nicht gefällt worden.

Will sich «voller Elan» für eine sichere Schweiz einsetzen: Der neue SVP-Bundesrat Guy Parmelin an der Delegiertenversammlung in Wil SG. play
Will sich «voller Elan» für eine sichere Schweiz einsetzen: Der neue SVP-Bundesrat Guy Parmelin an der Delegiertenversammlung in Wil SG. /KEYSTONE/ENNIO LEANZA

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Bundesrat Guy Parmelin hat gegenüber Radio SRF die Pläne, die F/A-18 für den Erdkampf zu trainieren, verteidigt: «Aktuell haben wir Krieg in Osteuropa (...), mit Kampfflugzeugen, mit Artillerie«, sagte er. «Das ist die Realität. Darauf müssen wir uns vorbereiten.»

Zugleich machte Parmelin in der «Samstagsrundschau» klar, dass noch kein definitiver Entscheid gefallen sei. Es brauche weitere Analysen: «Ist es möglich im Rahmenkredit, oder ist es zu teuer, und ist es nützlich?»

Gefragt, ob denn ein solcher Erdkampf auch auf dem Gebiet einer Schweizer Grossstadt wie Zürich oder Genf stattfinden könnte, oder die F/A-18 Terroristen am Boden beschiessen müssten, erklärte Parmelin, dass die Expertengruppe neues Kampfflugzeug (NKF) nur verschiedene Hypothesen prüfe. Es sei auch möglich, dass die NKF zum Schluss komme, eine Aufrüstung der F/A-18 für den Erdkampf sei nicht angezeigt.

Ein FA 18 der Schweizer Luftwaffe beim Start vom Flugplatz Emmen.  play
Ein FA 18 der Schweizer Luftwaffe beim Start vom Flugplatz Emmen.  SIGI TISCHLER

Seit Abgang des Hunters nicht mehr für Erdkampf gerüstet

Vor knapp zwei Wochen hatte diese empfohlen, mit den F/A-18 rasch mit dem Erdkampf-Training zu beginnen. Die Luftwaffe ist dafür seit Ausserdienststellung der Hunter-Flotte 1994 nicht mehr gerüstet. Der vom Volk abgelehnte Gripen hätte aber Bodenziele bekämpfen sollen. Zuwarten, bis ein neues Kampfflugzeug allenfalls diese Möglichkeit böte, will man nicht.

Für Kritik sorgt, dass die F/A-18 an NATO-Übungen für den Erdkampf teilnehmen müssten. Dies sei «nicht die Politik von Parmelin, sondern die Sicherheitspolitik des Bundesrates», hielt der Verteidigungsminister im Radio den Kritikern entgegen.

Die Schweiz sei Teil der NATO-Partnerschaft für den Frieden, was aus neutralitätspolitischer Sicht unbedenklich sei. Aus der Partnerschaft könnten wir «einige Sachen mitnehmen. Das hilft uns.» Die Schweiz sei im Rahmen dieser Partnerschaft jedoch «total frei».

Warnung vor Terror- und Cyberangriffen

Zugleich sei es schwierig für die Schweiz, sich ganz alleine zu schützen. Es sei klar: «Neutral zu sein, kostet viel mehr, als an einer Allianz teilzunehmen.» Doch wenn Partnerschaften die Neutralität in Frage stellten, «muss man sagen: stopp». Die NATO habe ihre Politik, die Schweiz ihre eigene.

Auch gegenüber der «BaslerZeitung» hatte Parmelin auf die Sicherheitslage hingewiesen: «Es gibt ein Eskalationspotenzial auch an den Rändern Westeuropas, auch im konventionellen militärischen Bereich. Es gibt divergierende Werte und Vorstellungen.» Weiter warnte er vor Terror- und Cyberangriffen.

Angesichts solch möglicher «schwierigeren Zeiten», die «auf uns zukommen könnten», wie er im BaZ-Interview sagte, stellt man im Verteidigungsdepartement die verschiedensten Überlegungen an, wie Parmelin gegenüber der «Samstagsrundschau» sagte.

Die Frage, ob längerfristig eine Umstellung der Schweizer Armee von einer Verteidigungs- in eine Angriffsarmee geplant sei, verneinte er.

Zugleich sagte er aber, dass «wenn man sieht, was nicht weit von uns passiert, dann muss man alle Hypothesen studieren, analysieren und dann eine Güterabwägung machen.» Die Fragen lauteten: Ist es notwendig? Was kostet es? Ist es neutralitätskonform?

Publiziert am 03.12.2016 | Aktualisiert am 11.01.2017
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  • Marco  Köhl aus Chur
    04.12.2016
    Was geht den beim neuen VBS Chef ab? Als Neutrales Land braucht die Schweiz sicher keine Flugzeuge wo Bodenangriffe machen können, zudem ist das VBS immer noch nicht im Stande eine 24 Sdt Flugbereitschaft zu Organisieren. Da dies sicher mehr Sinn macht als Bodenangriffe Der neue VBS Chef sollte nochmal über die Bücher gehen.
  • Erich  Winter , via Facebook 04.12.2016
    Globale beteiligung sind die Verpflichtung unserer Rechte.Doch nicht die aufrechterhaltung von Kriegen.Konflickte entstehen dort wo man sie nicht löst.Gleichberechtigung sind einhaltung unserer Gesellschaftsnormen.Doch nicht die Mittel zum Zwecke.Der gröste Preis dafür, wenn man überall dabei sein will, aber nicht richtig.Die günstigste Lösung ist wenn man seine Unabhängikeit im eigenen Land aufrecht hällt und sich an die Normen hält.Dafür auch den nötigen Schutz dazu gewährt.
  • Dracomir  Pires aus Bern
    04.12.2016
    Wir brauchen eine starke Luftwaffe, die auch Erdziele bekämpfen und unseren paar Soldaten aus der Luft unterstützen kann. Der Gripen E wäre dazu in der Lage gewesen - noch mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis.
  • Olivier  Baumberger 04.12.2016
    Ich Wundere mich jeden Tag, wie viele Schweizer sich noch immer hinter dieser Falschen Neutralität zu verstecken versuchen. Was bedeutet Neutralität heutzutage noch? Gar nichts! Man sollte sich nie hinter einer fadenscheinigen Sicherheit verstecken - Dies beweist ja die Geschichte nur all zu gut. Wer sich nicht auf alle Eventualitäten vorbereitet, wird am ende das nachsehen haben. Von daher finde ich eine Übung für unsere Luftwaffe für den Erdkampf als Sinnvoll.
  • Michael  P. aus Dübendorf
    03.12.2016
    Jetzt macht man auch noch komplett gmeinsame Sache mit der Agressiv-Angriffs-Militär-Vereinigung NATO, die alles macht, nur nicht zum Frieden und Gemeinsamen auf dieser Welt beizutragen. Nicht mit der Neutralität verreinbar, wie es schon das Partnership-Programm mit der NATO war. Raus da, je schneller desto besser, mit Vertreter von Länder wie in der Nato, die das Völkerrecht wiederholt massiv missachten, kann und darf man keine gemeinsame Sache machen !!