Islam-Demo-Organisator: «Es geht jetzt drunter und drüber»

BERN – Nach dem Einreise-Verbot des Islampredigers Pierre Vogel gerät die morgige Kundgebung von Muslimen noch mehr in die Schlagzeilen. Der Bieler Organisator Nicolas Blancho spricht über seine Motive.

  • Publiziert: 11.12.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Lilian Spörri
play Nicolas Blancho bei der Demonstration im Jahr 2006. (RDB)

Knapp zwei Wochen nach dem umstrittenen Ja zum Minarett-Verbot ruft der Islamische Zentralrat Schweiz zur Demo auf. Eine «Kundgebung gegen die Islamhetze». Einen Rückschlag haben sie schon erlitten: Der deutsche Islamprediger Pierre Vogel darf nicht in die Schweiz einreisen (Blick.ch berichtete). Der Ex-Boxer will es dennoch illegal versuchen (siehe Box rechts).

Die Organisatoren sind ebenfalls irritiert: «Es geht jetzt drunter und drüber», sagt Initiant Nicolas Blancho (26). Eigentlich habe man ein Programm für morgen gehabt. Eröffnung mit Reden. Eben auch von Pierre Vogel. Dazu der gedankliche Austausch. Und Informationsstände. «Aber jetzt ist die Lage anders.» Wies nun genau abläuft, will Blancho nicht erläutern.

«Wir werden falsch dargestellt»

Auf jeden Fall finde die Kundgebung statt. «Wir werden falsch dargestellt und wollen Stellung nehmen dazu», erklärt Nicolas Blancho. «Wir wollen Ängste abbauen.» Ganz sicher sei es nicht Absicht, nochmals etwas aufzuschüren.

Stellt sich nur die Frage, ob da der radikale Prediger Pierre Vogel, der die Ganzkörperverhüllung aller Musliminnen und eine strikte Trennung der Geschlechter verlangt, der richtige Gast gewesen wäre.

Der Anlass ist nicht bei allen Muslimen in der Schweiz erwünscht. Die offizielle Muslim-Dachorganisation Koordination islamischer Organisationen Schweiz (KIOS) unterstützt die Kundgebung nicht. «Wir haben eingeladen, nicht daran teilzunehmen», sagte KIOS-Präsident Farhad Afshar. «Wir befinden uns in einer sehr angespannten Situation und glauben, dass es vernünftiger ist, mit den Behörden und den Schwester-Religionen Christentum und Judentum Gespräche zu führen, um die Probleme zu lösen», erläutert Afshar gegenüber SF.

Bereits Demo gegen Mohamed-Karikaturen organisiert

Zweifelhaft ist auch die Rolle des Organisators Nicolas Blancho. Mit 16 Jahren konvertierte der gebürtige Bieler zum Islam. Aus eigenem Antrieb. Weil der Islam die Antworten auf die Fragen des Lebens bereit halte, wie Blancho gegenüber «OnlineReports» erläuterte.

Der 26-Jährige ist bereits im Jahr 2006 bekannt geworden. Er organisierte damals – auch auf dem Bundesplatz – eine Demonstration gegen die Mohamed-Karikaturen. Rund 1000 Muslime folgten dem Aufruf.

Blancho gilt als einer, der eine rigide und buchstabengetreue Form des Islams lebt. Ist er extrem? «Nein», sagt Blancho. So richtig definieren will er das aber nicht. Auf die Frage, ob sich seine Frau verhülle, sagt er: «Ja.» Ob das stimmt, oder ob er damit nur provozieren will, bleibt unklar.

Vogel will trotzdem einreisen

Der vom Bundesamt für Migration ausgeladene Redner Pierre Vogel, der sich Abu Hamza nennt, will morgen trotzdem kommen. Er sei von den Behörden nicht kontaktiert worden, sagt Vogel auf seiner Homepage. Aber falls wirklich eine Einreisesperre gegen ihn verhängt worden sei, werde man Wege finden. Gegenüber «Radio Argovia» teilte ein Vertreter Vogels in einem Schreiben mit, Pierre Vogel «und seine Leute» würden am Freitagabend gegen 22 Uhr versuchen, bei Basel in die Schweiz einzureisen. Das Grenzwachtskorps sei darüber informiert, sagte BFM-Sprecher Michael Glauser. Wenn Vogel einreisen wolle und dabei kontrolliert werde, werde er an der Einreise gehindert und weggewiesen. Vogel meinte dazu nur: Vielleicht würden sie auch kurz eingesperrt, das sei aber Berufsrisiko.

Berner Polizei macht sich keine Sorgen

Die Berner Kantonspolizei geht nicht davon aus, dass es an der morgigen Demonstration auf dem Bundesplatz (14 bis 16 Uhr) zu Zwischenfällen kommt. «Wir gehen von einer friedlichen Veranstaltung aus», sagt Kapo-Sprecher Jürg Mosimann gegenüber Blick.ch. Natürlich sei die Polizei mit einem Dispositiv präsent. «Schliesslich ist ja auch noch Weihnachtsmarkt und die Stadt sowieso voller Leute auf Weihnachtseinkauf.» Grundsätzlich rechne man nicht mit Ausschreitungen. «Aber blauäugig sind wir natürlich auch nicht.»

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