Die Pensionskasse von Georg Fischer ist in Schieflage. Bei 770 Pensionierten kürzt die Firma deshalb die Renten.
Jetzt ist es passiert: Die erste Pensionskasse kürzt die Renten. 770 ehemalige Mitarbeiter der Industriefirma Georg Fischer aus
Schaffhausen sind davon betroffen. Ein Drittel der Pensionierten. Und zwar ab sofort: Ab 1. Juni gibt es 6,1 Prozent weniger. Nur Renten unter 1000 Franken pro Monat bleiben unangetastet. So will die Firma ihre Pensionskasse sanieren. Durch die Finanzkrise hat sie massiv Geld verloren. Sie weist eine Unterdeckung von 88 Prozent auf. Damit ist sie nicht allein: Bei rund einem Viertel der Pensionskassen liegt der Deckungsgrad unter 90 Prozent (siehe Grafik). Das heisst: Müsste die Kasse heute die Renten aller Mitglieder auszahlen, würde das Geld nicht reichen.«Kein Mensch nimmt einem Rentner gerne etwas weg», sagt Richard Keller, der Präsident der PK von Georg Fischer. Er verspricht: «Wenn wir die Unterdeckung überwunden haben, werden wir die Renten wieder anheben.»Grosses Tabu gebrochenRenten kürzen – das war bisher ein grosses Tabu. «Bis jetzt ist mir kein anderer solcher Fall bekannt», sagt Michael Brandenberger, der mit seiner Firma Complementa laufend den Gesundheitszustand der Schweizer Pensionskassen verfolgt.Auch neue Rentner bei Georg Fischer werden weniger erhalten. Die PK senkt den Umwandlungssatz ab nächstem Jahr von 6,9 auf 6,4 Prozent. Und aktiven Beitragszahlern kürzt sie den Sparzins. «Ziel war Fairness zwischen Rentnern und Beitragszahlern», sagt Keller.Darf man Renten kürzen?Renten kürzen – darf man das überhaupt? Das Gesetz lässt den Pensionskassen ein Türchen offen. Sie dürfen Renten unter vier Voraussetzungen kürzen: Wenn eine Rentenkürzung im Reglement vorgesehen ist. Wenn es sich um Renten handelt, die das gesetzliche Minimum überschreiten. Das obligatorische Minimum darf nicht angetastet werden. Wenn die Pensionskasse die Renten vorher ohne Verpflichtung erhöht hat – zum Beispiel in Form eines Teuerungsausgleichs. Und wenn dies in den letzten zehn Jahren geschehen ist.Georg Fischer hat die Renten in der Vergangenheit mehrmals erhöht. In den Jahren 1999 und 2000 um 6,1 Prozent – die werden jetzt gestrichen.Weit über 2000 Pensionskassen gibt es in der Schweiz. Viele erfüllen die obigen Bedingungen. Zwar sind die meisten Pensionskassen in den letzten Jahren mit freiwilligen Rentenerhöhungen sehr knausrig gewesen. Aber in den Jahren 1999 und 2000 war der Teuerungsausgleich noch weit verbreitet. Womit die Zehnjahresfrist noch knapp gewahrt ist. Zehntausende von Pensionierten haben ihre Renten noch nicht auf sicher.