Vitus Huonder (73) forciert die Teilung seines Bistums Chur Bekommt Zürich bald einen Secondo-Bischof?

Die Chancen, dass der Kanton Zürich ein eigenes Bistum erhält, steigen markant. Schub in dem Dossier gibt Vituos Huonder, der Bischof von Chur, jenem Bistum, dem Zürich heute angehört.

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Manche Dinge dauern in der katholischen Kirche länger als anderswo – deutlich länger. Seit Jahrzehnten möchten die Zürcher Gläubigen ein eigenes Bistum. Dass sie zu Chur gehören, wurde 1819 entschieden – provisorisch. 1990 schickten sie ein offizielles Gesuch um Unabhängigkeit ins Bündnerland, doch dieses blieb unbeantwortet. 2012 wurde das Anliegen neu lanciert.

Doch dann kam es zum Eklat: Zürichs Justizdirektor Martin Graf (61, Grüne) beschimpfte im Mai 2013 den Vatikan als «geschützte Werkstatt», «rück­ständige» Kirchenoberhäupter wie Papst Franziskus (79) würden «an verfassungsrechtlich geschützten Grundrechten vorbeipredigen». Weder Graf noch die Regierung nahmen je etwas davon zurück, aber seit Grafs Abwahl scheint die Sache beerdigt.

Jetzt gibt Oberhirte Vitus Huonder (73) selbst Gas im Dossier. Er lässt bei rund 900 Mitarbeitern im ganzen Bistum eine Umfrage dazu durchführen, wie diese zu einer Abspaltung Zürichs stehen. Befragt werden Seelsorger, Kadermit­arbeiter und Kirchgemeindepräsidenten.

Experten vom Zentrum für Human Capital Management an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften begleiten das Projekt wissenschaftlich und werten die Antworten aus. Parallel dazu will Huonder bei allen Kantonsregierungen und Landeskirchen im Bistum Stellungnahmen zu einem möglichen Bistum Zürich einholen. Das Vorgehen sei mit Thomas Gullickson (65) abgesprochen, dem neuen Apostolischen Nuntius in Bern, bestätigt Bistumssprecher Giu­seppe Gracia BLICK-Recherchen. «Er ist an Bord», so Gracia.

Klar scheint, was bei der Umfrage herauskommen wird: Die Gründung eines Bistums Zürich wird bei der grossen Mehrheit der Befragten auf Zustimmung stossen. Damit bringt Huonder die Diskussion an einen Punkt, an dem es für ihn kein Zurück mehr gibt. Eine Empfehlung an den Papst, das Ansinnen der Zürcher abzuschmettern, ist unter diesen Vorzeichen unwahrscheinlich.

Bringt sich damit die Nummer zwei im Bistum Chur, Generalvikar Martin Grichting (48), für einen Job in Zürich in Stellung? Gracia winkt ab. «Ge­neralvikar Grichting hat schon mehrmals deutlich gemacht, dass für diese Aufgabe ein Oberhirte aus Migrantenkreisen am besten geeignet wäre», sagt er. Ein Secondo-Bischof also? «Genau», sagt Gracia.

Tatsächlich wächst die katholische Kirche im Kanton Zürich nur dank Zuwanderern. Exakt 394'270 Mitglieder zählte sie Ende 2015, fast 17'000 mehr als vor zehn Jahren. Rund 130'000 Katholiken im Kanton haben einen ausländischen Pass.

Laut Gracia sollen die Ergebnisse der Umfrage Ende April vorliegen. Dann wird entschieden, wie es weitergeht; auf Details will er nicht eingehen.  Ein wahrscheinliches Szenario ist die Einsetzung einer gemischten Kommission noch in diesem Jahr. Deren Mitglieder würden die konkrete Planung an die Hand nehmen. Allerdings dürfte es auch im besten Fall noch einige Jahre dauern, bis ein neuer Zürcher Bischof den Gründungsgottesdienst feiern kann. Geeignet wäre ein Sonntag im Jahr 2019 – 200 Jahre nach der provisorischen Einverleibung ins Bistum Chur.

Publiziert am 07.03.2016 | Aktualisiert am 12.03.2016
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