Erdbeben: Schweizer Experte kritisiert Behörden

  • Publiziert: 06.04.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Michael Scharenberg

ZÜRICH – Nach dem jüngsten Erdbeben kritisiert Experte Domenico Giradini im Interview mit Blick.ch die italienischen Behörden und fordert einen besseren Erdbebenschutz in der Schweiz.

Blick.ch: Herr Giardini, wie charakterisieren Sie das neuste Beben in der Region LAquila?
Domenico Giardini: Das Beben hatte eine Stärke von 5,8 bis 6 auf der Richterskala. Das ist ein starkes Beben!

Welche Schäden bringt ein derartiges Beben mit sich?
Das kommt immer auf die Region und auf den technischen Stand der Gebäude an. Das Beben bei LAquila ereignete sich in der Nähe einer grösseren Stadt (60000 Einwohner) mit vielen alten Gebäuden. Hier musste mit 15- bis 20000 beschädigten und einigen ganz zerstörten Gebäuden gerechnet werden.

Sind wir diesen Katastrophen hilflos ausgeliefert?
Überhaupt nicht! In der Region LAquila hatte es seit Oktober zahlreiche Beben gegeben und vor wenigen Tagen eins mit der Stärke 4.

Hätte man da nicht Massnahmen ergreifen müssen?
Klar ist so viel: Das Ausmass der Schäden, wie sie jetzt eingetreten sind, entspricht genau den Szenarien des dortigen Zivilschutzes. Immerhin kamen die Zivilschutzbehörden dort letzte Woche zu einer Lagebeurteilung zusammen, weil die Bevölkerung sich immer mehr Sorgen machte. Dass es jetzt Tote gab, gerade auch in öffentlichen Gebäuden wie Schulen und Kirchen, hätte nicht passieren dürfen!

Wie steht es mit der Wahrscheinlichkeit eines solchen Bebens in der Schweiz?
Ein Beben der Stärke 6 kann in der Schweiz alle 50 Jahre auftreten.

Welche Bedeutung hat der Erdbebenschutz in der Schweiz?
Das ist eine sehr wichtige Aufgabe der Behörden. Zuständig sind die Kantone. Der Bundesrat hat ihnen aber Unterstützung in der Höhe von 10 Millionen Franken zugesichert. Es geht vor allem darum, die grossen öffentlichen Gebäude erdbebensicher zu erstellen bzw. entsprechend zu sanieren. Diese Arbeiten müssen mit grösserer Dringlichkeit als bisher an die Hand genommen werden.

Richterskala: Welche Schäden bei welcher Stärke?

Die Richter-Skala ist ein internationales Messinstrument für die Stärke von Erdbeben. Im folgenden eine Aufstellung, welche Schäden bei welcher Stäre zu erwarten ist. Zu beachten ist: Ein Erdbeben der Stärke 6,0 ist zehnmal stärker als eins der Stärke 5,0.

Stärke 1-2
Diese Erdbeben finden häufig statt, sind aber für den Menschen nicht wahrnehmbar. Nur die Messinstrumente können diese Erdbeben erkennen.

Stärke 3
Erdbeben der Stärke 3 können direkt beim Epizentrum leicht gespürt werden, aber auch das ist nicht ganz sicher. Weiter weg vom Epizentrum bekommt man vom Erdbeben nichts mit.

Stärke 4-5
Ab der Stärke 4 spürt man das Erdbeben und leichte Schäden können eintreten. Erdbeben der Stärke 4-5 sind bis zu 30 Kilometer vom Epizentrum entfernt zu spüren und es gibt leichte Schäden.

Stärke 6
Mit dem Erdbeben der Stärke 6 gibt es oft Todesopfer zu beklagen und besonders in Regionen, die dicht besiedelt sind, kann es schwere Schäden geben. Offiziell gilt das Erdbeben als mäßiges Erdbeben.

Stärke 7
Erdbeben der Stärke 7 gelten als starke Erdbeben und richten großen Schaden an. Viele Menschen können den Erdstößen zum Opfer fallen und Erdrutsche können entstehen.

Stärke 8
Erdbeben dieser Stärke gelten als Großbeben und bringen je nach betroffener Region sehr viele Opfer. Eine Katastrophe ist vorprogrammiert und die Hauptaufgabe der Menschen ist die Bergung der verschütteten Personen. (snx)

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