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Blick.ch: Herr Giardini, wie charakterisieren Sie das neuste Beben in der Region LAquila?
Domenico Giardini: Das Beben hatte eine Stärke von 5,8 bis 6 auf der Richterskala. Das ist ein starkes Beben!
Welche Schäden bringt ein derartiges Beben mit sich?
Das kommt immer auf die Region und auf den technischen Stand der Gebäude an. Das Beben bei LAquila ereignete sich in der Nähe einer grösseren Stadt (60000 Einwohner) mit vielen alten Gebäuden. Hier musste mit 15- bis 20000 beschädigten und einigen ganz zerstörten Gebäuden gerechnet werden.
Sind wir diesen Katastrophen hilflos ausgeliefert?
Überhaupt nicht! In der Region LAquila hatte es seit Oktober zahlreiche Beben gegeben und vor wenigen Tagen eins mit der Stärke 4.
Hätte man da nicht Massnahmen ergreifen müssen?
Klar ist so viel: Das Ausmass der Schäden, wie sie jetzt eingetreten sind, entspricht genau den Szenarien des dortigen Zivilschutzes. Immerhin kamen die Zivilschutzbehörden dort letzte Woche zu einer Lagebeurteilung zusammen, weil die Bevölkerung sich immer mehr Sorgen machte. Dass es jetzt Tote gab, gerade auch in öffentlichen Gebäuden wie Schulen und Kirchen, hätte nicht passieren dürfen!
Wie steht es mit der Wahrscheinlichkeit eines solchen Bebens in der Schweiz?
Ein Beben der Stärke 6 kann in der Schweiz alle 50 Jahre auftreten.
Welche Bedeutung hat der Erdbebenschutz in der Schweiz?
Das ist eine sehr wichtige Aufgabe der Behörden. Zuständig sind die Kantone. Der Bundesrat hat ihnen aber Unterstützung in der Höhe von 10 Millionen Franken zugesichert. Es geht vor allem darum, die grossen öffentlichen Gebäude erdbebensicher zu erstellen bzw. entsprechend zu sanieren. Diese Arbeiten müssen mit grösserer Dringlichkeit als bisher an die Hand genommen werden.