Nach Streit im Zug Er trat auf ihn ein, als Rentner Heinz P. schon lange am Boden lag

  • Publiziert: 30.01.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Jan Fischer
play Sie mussten mit ansehen, wie Rentner Heinz P. zusammengeschlagen wurde. Für BLICK kamen sie zurück an den Tatort im Bahnhof Basel. (Andreas Frossard)

BASEL – Heinz P.* (76) will nur, dass der Mann seine Zigarette ausmacht – dann wird der Rentner vom Raucher halb tot geprügelt.

Es ist kurz vor 23 Uhr. Die Radsportfreunde Hans-Peter O.* (55) und Heinz P. sitzen mit ihren Gattinnen und Vereinskamerad Heinz W.* (48) im Zug. Sie kommen von einem geselligen Vereinsabend in Kaiseraugst AG und sind auf dem Heimweg nach Basel.

Im benachbarten Abteil sitzen drei junge Frauen und ein Türke (30). Er raucht.

Heinz P. geht zu ihm hin und weist ihn auf das Rauchverbot hin. Der Türke reagiert wütend. Er beschimpft den Rentner: «Scheiss-Schweizer!»

Es gibt ein Gerangel. Nur mit Mühe und dank der Hilfe der drei jungen Frauen kann der herbeigeeilte Heinz W. seinen betagten Kollegen vor dem tobenden Türken schützen.

Die Vereinsfreunde wechseln sicherheitshalber das Abteil und verständigen die Polizei.

Doch kaum ist die Gruppe in Basel aus dem Zug gestiegen, stürzt sich der Türke erneut auf den 76-jährigen Rentner.

Heinz W. versucht nochmals, ihn aufzuhalten. Der Türke rammt ihn weg. Dann attackiert der Schläger den 76-Jährigen. Er schlägt ihn nieder und tritt auf sein Opfer ein, als es schon am Boden liegt.

Heinz W. kann den Brutalo schliesslich packen und von seinem wehrlosen Freund wegreissen. Die beiden Männer stürzen kämpfend zu Boden. «Ich wollte ihn unbedingt halten, bis die Polizei kommt», sagt Heinz W.

Der Türke drischt nun auch auf ihn ein. Doch der sportliche Heinz W. lässt ihn nicht los.

Endlich ist die Polizei da. Mit 7 Mann. Sie verhaften den Türken.

Heinz W. blutet. Seine Kleider sind zerrissen. Aber er ist nur leicht verletzt.

Doch seinen Freund Heinz P. hat es richtig schlimm erwischt: Er liegt bewusstlos auf dem Boden. Die Sanität bringt ihn mit Blaulicht ins Spital. Diagnose: Schädelbruch!

«Es geht ihm immer noch schlecht», sagt seine Frau Rosmarie. Sie musste den brutalen Übergriff mit ansehen. «Es war schrecklich. Ich hoffe, dass mein Mann wieder gesund wird.»

Rosmarie P. besucht ihn täglich auf der Überwachungsstation. Laut einem Spitalsprecher ist HeinzP. «nicht mehr in Lebensgefahr».

Der Brutalo-Türke ist in U-Haft. «Wir ermitteln gegen ihn wegen schwerer Körperverletzung», sagt Markus Melzl von der Basler Staatsanwaltschaft.

Auch der Kriminalkommissär ist entsetzt über die Brutalität des Täters. «Der muss wie ein Berserker auf sein Opfer losgegangen sein.» Mehr will Melzl nicht sagen. «Das verbietet die Strafprozessordnung.»

Gemäss Polizeisprecher Klaus Mannhart war der Türke bisher nicht aktenkundig. Aber er habe zur Tatzeit 1,5 Promille im Blut gehabt.

*Namen der Redaktion bekannt

Polizei aufgeboten – aber sie kam nicht

Die Opfer des Brutalo-Schlägers fühlen sich von der Polizei im Stich gelassen.

Hans-Peter O. muss zweimal die Notfallnummer 117 wählen, ehe die Beamten aufkreuzen.

Als Hans-Peter O. im Zug erstmals die 117 wählt, landet er bei der Baselbieter Polizei. «Ich meldete, was passiert ist, und sagte, die Polizei solle zum Perron 1 im SBB-Hauptbahnhof kommen», sagt Hans-Peter O.

Man sagt ihm, er werde zur Basler Polizei weitergeleitet. Es ist laut im Zug und Hans-Peter O. ist nervös. Aber als er am Telefon nichts mehr hört, hält er die Sache für erledigt. Er glaubt, die Beamten hätten die Informationen ihren Kollegen weitergegeben. «Ich hatte ja alles gesagt.»

«Der Anruf war nach wenigen Sekunden unterbrochen, wir wussten nicht, was los ist», sagt Basels Polizeisprecher Klaus Mannhart. Alle Rückrufversuche seien erfolglos geblieben. Am SBB-Bahnhof ist schliesslich keine Polizei. Stattdessen wird der Rentner angegriffen und schwer verletzt. Auch sein Freund, der ihm zu Hilfe eilt, wird verletzt. «Wären die Beamten gekommen, wäre das Ganze nicht passiert», sagt Hans-Peter O.

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