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Depressiv: Schwarze Haare und Lidschatten betonen die labile Gefühlslage der Emo-Kids.
Basels Jugendbehörden sind beunruhigt. Sie fürchten, dass es in der Schweiz zu einer neuen Art von Jugendgewalt kommt. Die Opfer: So genannte Emos – Anhänger einer neuen, besonders sensiblen Jugendszene.
Anlass für die Sorge ist der Angriff von drei Burschen auf 15-jährige Zwillinge im Bäumlihof-Schulareal. Die Buben wurden krankenhausreif geprügelt. Laut Staatsanwaltschaft Basel-Stadt griff das Schläger-Trio die Zwillinge nur aufgrund derer Kleidung an. In Internetforen berichten Mitschüler nun, dass die beiden Emos waren.
Emo steht für «Emotional Hardcore» und bezeichnet eine Jugendmode. Ihre meist noch jungen Anhänger betonen die eigene, wallende Gefühlswelt stark nach Aussen. Ihr stetes Schwanken zwischen Verzweiflung, Trauer und Liebe wird modisch umgesetzt: So kombinieren Emos schwarze Kleidung gerne mit grellen Farben.
Burschen wie Mädchen tragen dunkle Lidschatten, schmücken sich gleichzeitig mit düsteren Totenköpfen und niedlichen Comic-Figuren. Die dunklen Haare werden gescheitelt oder über die Augen fallend getragen.
Bei ihren Altersgenossen sind die Emos unbeliebt. Jugendliche fast aller anderen Szenen – ob Skater, Punks, Metals oder Gothics − verspotten sie, pöbeln sie an und schubsen sie herum.
In Dutzenden von Internet-Seiten wird gegen die Emos gehetzt. Zur Jagd auf sie aufgerufen. Emos gelten als weinerliche Weicheier. Als schwul und peinlich. Als ideenlose Heulsusen, die sich sogar ihren Style nur von anderen abgeschaut haben.
Ein deutscher HipHopper rappt im Internet: «Es ist hart, kleiner Emo, ich weiss. Ertrink doch einfach in den Tränen, die du weinst.» Und: «Du wünschst Dir den Tod, den wünsch ich Dir auch». Der Song erfreut sich im Netz grösster Beliebtheit.
Andernorts ist die Lage bereits eskaliert. So gab es in mexikanischen und chilenischen Städten regelrechte Hetzjagden auf Emos: Hunderte Jugendliche fangen verängstigte Teenager in der Schule ab, treiben sie durch die Stadt. Schlagen und treten sie krankenhausreif.
Nun befürchten Jugendexperten, dass «Emo-Bashing» – das «Emo-Fertigmachen» – auch in die Schweiz kommt. «Wir haben hier in Basel seit einigen Jahren eine Emo-Szene. Und sie hat starken Zulauf», sagt etwa Marc Flückiger, Leiter der kantonalen Abteilung Jugend, Familie und Prävention.
Seine Jugendarbeiter berichteten, dass Emos immer wieder von andern Jugendlichen angemacht würden. Bis jetzt beschränkte sich dies jedoch eher auf verbale Attacken und kleinere Schubsereien.
Bis vorgestern war auch dem Basler Jugendanwalt Beat Burkhardt noch «kein Fall bekannt», in dem in der Schweiz Emos härter angegriffen wurden. Den Angriff auf die Zwilingsbrüder wollen die Strafbehörden noch nicht genauer kommentieren. Wegen laufender Ermittlungen.
Doch Schulverwaltung, Sozialarbeit und Justiz sind sich in einem Punkt einig: «Wir müssen uns künftig stärker mit dem Phänomen der Emos beschäftigen», sagt Hans Georg Signer vom Ressort Schulen.
Das trifft wohl auch auf die Eltern zu. «Ich wusste bis vor kurzem gar nicht, was Emos sind», sagt eine Mutter aus dem Solothurnischen. Doch plötzlich sei ihre Tochter als «Sch...-Emo!» beschimpft worden. «Einmal sogar als ich mit ihr in der Stadt war. Da riefen uns ein paar Mädchen ‹Blöde Emo!› und ‹Ihr Emos nervt voll!› hinterher.»
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Modisch: Röhrenjeans und «Chucks» sind obligatorisch,wenn man als Emo ernst genommen werden will.