«Emanzipation hat auch negative Aspekte» Frauen saufen jetzt gleich viel wie Männer

Frauen stehen kurz vor der Gleichstellung zum Mann – beim Alkoholkonsum. Das Blaue Kreuz sieht grossen Nachholbedarf bei der Prävention.

Gleichberechtigung beim Alkohol: Frauen trinken so viel wie Männer play

Diese zwei sind im Trend: Trinkende weibliche Zaungäste beim Pferderennen im britischen Aintree.

Getty Images

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Frau (19) von hinten angegriffen In der Bahnhofs-Unterführung zu Boden...
2 Zürcher Versicherungs-Chef macht «Plauschfahrt» Mit 174,7 km/h auf der...
3 Grosse Suche auf Facebook Wo ist meine Mutter?

Schweiz

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
1 shares
6 Kommentare
Fehler
Melden

Früher konnten Mädchen kochen wie Mutti, heute saufen wie Vati. Dieses altbekannte Spässchen auf Kosten der Millennials ist leider wahrer als befürchtet.

Gemäss einer kürzlich veröffentlichten Studie, die die Trinkgewohnheiten von rund vier Millionen Menschen analysiert, haben Frauen die Männer beim Alkoholkonsum in den letzten Jahren so gut wie eingeholt.

Die Studie, die von der University of New Wales in Australien durchgeführt wurde, fasst die Ergebnisse von 68 internationalen Untersuchungen zwischen 1891 und 2014 zusammen.

Dabei lässt sich ein eindeutiger Trend erkennen. Während Männer Anfang des 20. Jahrhunderts noch doppelt so häufig zur Flasche griffen, sind die beiden Geschlechter heute diesbezüglich fast gleichauf.

Junge Frauen trinken teilweise gar mehr als Männer gleichen Alters. Und galt Alkoholismus vor hundert Jahren noch als Männer-Phänomen, so ist er heute unter Frauen fast genauso verbreitet.

Die bedenkliche Entwicklung führen die Autoren vor allem auf das aggressive, zum Teil explizit an junge Frauen gerichtete Marketing der Alkohol-Riesen zurück. Verschärft wird das Problem zusätzlich durch sinkende Preise und das immer breitere Angebot süsser Alkoholika.

«Die Erkenntnisse legen nahe, dass mehr Anstrengungen unternommen werden sollten, um Frauen – vor allem Jugendliche – besser über Alkoholmissbrauch und dessen Folgen aufzuklären», schliessen die Autoren.

«Frauen trinken häufig im Verborgenen»

Auch in der Schweiz bereitet der wachsende Alkoholkonsum von Frauen Sorgen. Die Ergebnisse der Studie decken sich weitgehend mit den Zahlen des Bundesamts für Gesundheit (BAG).

So ging die Abstinenzrate bei Frauen in der Schweiz zwischen 1997 und 2012 leicht zurück, von 25,7 auf 21,9 Prozent. Gleichzeitig stieg das «Rauschtrinken» bei den Frauen von 2011 bis 2015 an, von 12,7 auf 14,4 Prozent.

«Die Daten aus der Schweiz umfassen zwar einen viel kürzeren Zeitraum, doch lässt sich auch hierzulande eine derartige Tendenz feststellen», sagt BAG-Sprecher Adrien Kay zu BLICK.

Beim Blauen Kreuz Schweiz ist man sich der Problematik ebenfalls bewusst. «Die Emanzipation hat neben den zahlreichen positiven eben auch einige negative Aspekte», sagt Sprecher Philipp Frei zu BLICK.

Das Problem sei, dass Frauen anders trinken als Männer. «Sie tun es viel häufiger allein zu Hause, also im Verborgenen», sagt Frei. In der Öffentlichkeit entstehe so ein falsches Bild.

Frage man beispielsweise Leute nach dem Erscheinungsbild eines typischen Alkoholikers, komme immer wieder dieselbe Beschreibung: «Mann, Mitte 50, ungepflegt.» Diese entspreche aber nur bedingt der Wirklichkeit.

Das Ziel des Blauen Kreuzes sei es daher, die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren: «Bei der Alkoholprävention besteht mit Blick auf Frauen grosser Nachholbedarf.»

Das BAG fordert ebenfalls mehr Prävention, sieht aber davon ab, diese speziell auf Frauen zuzuscheneiden. «Es ist zwar so, dass Frauen beim Alkoholkonsum insgesamt aufholen, die Männer konsumieren aber nach wie vor deutlich risikoreicher», sagt Sprecher Kay.

Es sei insgesamt etwa ein Fünftel aller Schweizer, der zu viel, zu oft oder zur falschen Zeit trinkt und damit seine Gesundheit gefährdet. Kay: «Deshalb werden sich unsere Informationen auch in Zukunft an die gesamte Bevölkerung richten.»

Publiziert am 25.10.2016 | Aktualisiert am 26.10.2016
teilen
teilen
1 shares
6 Kommentare
Fehler
Melden

TOP-VIDEOS

6 Kommentare
  • Jack  Jones 26.10.2016
    Wieso wird immer nur auf den Jungen rumgehackt? Die wahren Säufer sind die Alten. Heimlich, aber unheimlich. Nur mal im Denner reinschauen, wer alles Alkohol kauft. Sind zum grösseren Teil ältere Frauen. Als ich noch in einem Block wohnte, hatte wir auch einige Nachbarinnen (70+), welche heimlich, aber dann unheimlich tranken. Liegt wahrscheinlich an der Einsamkeit, vielleicht auch daran, dass das Leben zu Ende geht. Wer weiss es...
  • Thomas  Maeder 26.10.2016
    Ich habe den Eindruck, dass Männer hauptsächlich Bier trinken, Frauen dagegen Cocktails, süssen Schaumwein oder anderes, wo Zucker und Alkohol sich treffen. Erstens ist der Alkoholgehalt unter dem Strich höher und zweitens ist es "süffiger", also wenn man in Partylaune ist sehr viel schwerer zu dosieren. Barbetreiber sehen es gerne, weil die Gewinnmarge viel höher ist als bei Bier.
  • Wüthrich  Robert , via Facebook 25.10.2016
    Ich glaube nicht, dass dies so viel mit Emanzipation zu tun hat. Es entspricht viel mehr dem Zeitgeist. Junge greifen früher zu Alkohol - daran können auch Abgabe-Verbote nichts ändern. Auch Zigaretten werden von Schülern wie selbstverständlich in der Öffentlichkeit geraucht. Die Männer- und die Frauenwelt sind mehr zusammengerückt - bereits in der Schule sind die Gruppen homogener.
    • Thomas  Maeder 26.10.2016
      Ich weiss nicht, ob das stimmt. Es ist ja nicht so, dass wir in meiner Jugend abstinent gelebt hätten. Und Hand aufs Herz, bei Ihnen wars doch auch so...
  • Kocher  Rodolfo aus BE Seeland
    25.10.2016
    Objektiv gesehen sind die Frauen mit Ausnahmen halt immer noch das schwächere Geschlecht, aber brandgefährlich wenn sie gesoffen haben. Kommt man ihnen zu nahe oder braucht ein falsches Wort, ist in der jetzigen Zeit der Richter wegen sexueller Belästigung usw.
    meistens nicht mehr weit entfernt und viele Männer werden später nur noch als angenehme Zahler benutzt!
  • Michael  Tomov aus Koror
    25.10.2016
    Und damit ist fertig von der guten Mär, die Frauen seien die besseren Menschen. Je mehr sie sich den Männern gleichstellen, desto mehr zeigt sich, dass sie keinen Deut besser sind, in keiner Beziehung. Also könnten sie auch aufhören, sich dauernd als neue moralische Instanz aufzuspielen (und sich auch die Hände im Strassenbau, bei der Müllabfuhr und in der Armee schmutzig machen. Gleiche Rechte, gleiche Pflichten!).