Editorial Eintritt verboten

  • Publiziert: 26.09.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Karsten Witzmann

Warum Coco Chanel am Ende doch recht behält. Ein Kommentar von Chefredaktor Karsten Witzmann zu Frauen in Politik und Wirtschaft.

Wie arm, wie traurig wäre unsere Welt ohne Frauen: Katharina die Grosse, Mutter Teresa, Kleopatra, Astrid Lindgren, Marlene Dietrich, Madonna, Beate Uhse und, und, und …

Wer, wenn nicht die Frauen, würde uns zum Träumen verführen? Uns streicheln? Unsere Tränen trocknen, wenn wir starken Männer wieder mal ganz schwach sind? Wir lieben sie. Wir brauchen sie! Aber wollen wir sie auch in der Politik, in der Wirtschaft, in den Führungs-etagen der Macht?

Simonetta Sommaruga hat diese Woche den Bundesrat erobert. Dort steht es jetzt vier zu drei für die Frauen. Gut so. Es war ein langer Weg zum Sieg, der vor 26 Jahren begann.

Noch immer haben in der Wirtschaft die Männer das Sagen. Je höher die Stellung, desto seltener sind Frauen anzutreffen. Die Tür zur Boni-Welt bleibt ihnen verschlossen. Nur im unteren Management ist der Eintritt im Rock erlaubt. Wenn sie sich im Durchschnitt mit 18 Prozent weniger Verdienst zufriedengeben als die Männer.

Die Macho-Welt ist an ihre Grenzen gelangt. Wir brauchen eine Frauenquote. Im kalten Norwegen gehört sie längst zum Alltag. Dort sind heute 44 Prozent der Verwaltungsräte Frauen. Leider ist die Schweiz, wie fast alle Länder der Welt, zu feige für diesen Schritt.

Auch hier streben die Frauen an die Macht. Viele haben das Zeug dazu. Doch viele Männer wollen lieber in ihren Zigarrenrunden unter sich bleiben.

«Wirtschaft ist Männersache.» Was für ein Schwachsinn. Wie bemerkte doch einst Coco Chanel richtig: «Früher haben die Frauen auf ihrem eigenen Boden gekämpft. Da war jede Niederlage ein Sieg. Heute kämpfen sie auf dem Boden der Männer. Da ist jeder Sieg eine Niederlage.»

Irgendwie hatte die Mode-Ikone doch recht.

play Karsten Witzmann (Ringier)

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