Eingeführt nach Germanwings-Drama Piloten finden 2-Personen-Regel «weniger sicher»

Sei dem Germanwings-Unglück müssen sich stets zwei Personen im Cockpit aufhalten. Piloten kritisieren diese Regel – weil sie neue Risiken schaffe.

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In einem Cockpit müssen sich immer zwei Personen aufhalten. Piloten kritisieren diese Regel.  Keystone

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Am 24. März 2015, um 10.40 Uhr, steuerte Co-Pilot Andreas Lubitz einen Airbus A320 der deutschen Fluggesellschaft Germanwings mit Absicht in die Französischen Alpen. 150 Menschen fanden den Tod. 

Der Kapitän befand sich zum Zeitpunkt des Absturzes ausserhalb des Cockpits und hatte deshalb keine Chance, das Unglück zu verhindern: Von innen verriegelte Cockpit-Türen lassen sich von aussen nicht mehr öffnen – eine Massnahme gegen Terroristen. 

Nach dem tragischen Zwischenfall hatte die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) die sogenannte Zwei-Personen-Regel empfohlen, an die sich die meisten Airlines seither halten. Demnach müssen sich zu jedem Zeitpunkt zwei Crew-Mitglieder im Cockpit aufhalten. 

«Weniger Sicherheit»

Doch ausgerechnet bei den Piloten stösst diese Regel nun, knapp ein Jahr nach dem Germanwings-Unglück, auf Kritik. Der Grund: Sie führe nicht zu mehr, sondern zu weniger Sicherheit.

«Wenn ein Pilot das Cockpit verlässt, dann muss jemand von der Kabinenbesatzung ins Cockpit. Dadurch bleibt die Tür länger geöffnet – und es gibt neue Risiken», sagt Thomas Steffen von Aeropers, dem Pilotenverband der Swiss, zu Radio SRF. 

Konkret: Attentäter könnten die Gelegenheit beim Personalwechsel nutzen, um ins Cockpit vorzudringen. Steffen will deshalb, dass die Zwei-Personen-Regel wieder abgeschafft wird. 

Bazl und Swiss halten an Regel fest

Doch bei den zuständigen Behörden stösst diese Forderung auf taube Ohren. 

Es gebe bei dieser Regel, die als Sofortmassnahme eingeführt worden sei, viel, was dafür und was dagegen spreche - ein Richtig oder Falsch gebe es nicht, heisst es beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl). 

Die Frage laute, was gefährlicher sei: nur eine Person im Cockpit, dessen Tür nur von innen geöffnet werden kann, oder eine nicht verschlossene Tür. Die Tendenz gehe momentan zwar eher in die Richtung, dass eine geschlossene Tür wichtiger sei.

Doch bis auf Weiteres halte man sich an die Empfehlungen der Europäischen Agentur für Flugsicherheit EASA, die an der Zwei-Personen-Regel festhält.

Und auch die Fluggesellschaft Swiss will vorerst weiter an der Zwei-Personen-Regel festhalten, wie eine Sprecherin zu Radio SRF sagte. (bau/SDA)

Publiziert am 17.02.2016 | Aktualisiert am 28.06.2016
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23 Kommentare
  • Martin  Huerlimann 17.02.2016
    Die Cockpittüre umrüsten und jeder Pilot und Co - Pilot hat einen Schlüssel im Hosensack wo er im Notfall jederzeit und schnell öffnen könnte.Und noch was, bei langen Flügen und grossen Flugzeugen vom A320 bis A380 endlich einen Arzt und eine Krankernsdchwester an Bord.Ich musste selbst einmal mit erleben wie man verzweifelt einen Arzt an Bord suchte.Keiner war anwesend und so verstarb ein Mitglied der Bordequipe.

  • André  Descloux 17.02.2016
    Glaubt jemand im ernst eine Person ohne fliegerische Kenntnisse im Cockpit könnte irgend etwas verhindern ? Wieso fährt ein Carchauffeur alleine, auch Lokführer sind ganz unbeaufsichtigt. Es ist ja nicht davon auszugehen dass in jedem Fahr/Flugzeug so ein Vollidiot vorne sitzt.
  • Peter  Meister 17.02.2016
    Die Piloten können nach der neuen Regel kein Schwätzchen mehr mit den Stewardessen halten.
    • Dominik  Reber 17.02.2016
      Eben schon, da sie ja ins Cockpit kommen müssen...
      Und die Schwätzchen halten wir sowieso - dienen der Teambildung und sind somit legitim. Vor Allem aber können die Flight Attendants auch mal kurz abschalten im Cockpit, denn die Passagiere können manchmal sehr unhöflich sein...
  • Afrim  Brama aus Oerlikon
    17.02.2016
    Das war kein Unglück sondern Massenmord.
  • Ernst  Ruetimann aus Trang
    17.02.2016
    Wieso muss die Cockpit - Tuer unverschlossen bleiben , wenn ein Flugbegleiter als Ersatz eines Piloten im Cockpit ist ?