Eine Stadt räumt auf

  • Publiziert: 01.09.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Adrian Schulthess
play Übersät: Nach dem Botellón ist die Blatterwiese gesperrt: Glasscherben. (Philippe Rossier)

Sie kamen, tranken – und liessen tonnenweise Müll zurück. Und schon drohen die Säufer mit weiteren Botellones in Zürich.

Die Menge tanzt. Und trinkt. Viel, zu viel. Nicht weit davon entfernt liegen Alkoholleichen auf dem Asphalt. Daneben Erbrochenes. Und Bierdosen und zerbrochene Schnapsflaschen.

Freitagnacht bei der Zürcher Blatterwiese. Der erste Deutschschweizer Botellón auf seinem Höhepunkt. 2000 waren dabei, schätzt die Stadtpolizei. Zehn Säufer mussten ins Spital, vier in Zivilschutz-Pflege.

Zurück bleibt ihr Müll. Auf dem Boden. «Die Container haben sie umgestossen, die Mulden waren praktisch leer», sagt Leta Filli, Sprecherin von Entsorgung und Recycling Zürich.

6 Tonnen Abfall blieben in der Zürcher Seeanlage liegen. 2 ½ Tonnen mehr als nach einem normalen Freitagabend. Mehr als ein Kilo Müll pro Kopf. In Bern das gleiche Bild: Bis zu 1200 Teilnehmer tranken auf der Grossen Schanze mit. Sie produzierten 2 ½ Tonnen Abfall, doppelt so viel wie an einem normalen Wochenende anfällt.

Glas überall, Rasen kaputt

Die Zürcher Blatterwiese bleibt vorerst gesperrt: Glasscherben überall – Verletzungsgefahr für Besucher und Rasen.

Heute soll ein 20-köpfiges externes Team die Wiese vom Glas befreien. «Wann sie wieder offen ist, können wir noch nicht sagen», sagt Filli. Danach müssen die Stadtgärtner womöglich den Rasen komplett ersetzen. Dabei ist er erst vor fünf Wochen, nach der Fussballeuropameisterschaft, neu verlegt worden!

Das erste Zürcher Massenbesäufnis sei «ein gelungener Anlass» gewesen, findet dagegen Botellón-Chef «Kurt Trinker» bei Facebook.

Alle hätten gesehen, «wie friedlich unser Fest vonstatten ging». Vielleicht liege jetzt ja sogar ein zweiter, bewilligter Botellón drin.

Abfalltechnisch müssten die Organisatoren dann aber nochmal über die Bücher. Denn sie gestehen kleinlaut ein: «Leider haben nicht alle ihren Abfall entsorgt.»

Nachhilfe gäbe es zum Beispiel beim OK des Zürcher Langstrassenfests, das ebenfalls am Wochenende gefeiert wurde: Über 250000 Besucher hinterliessen «nur» 24 Tonnen Abfall. Dank eines ausgeklügelten Depotsystems.

play Überfüllt: Bierdosen und Co. zeugen von den Sorgen mit der Entsorgung. (Keystone)

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