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Wie Sara Stalder (42) geht es zurzeit vielen SBB-Kunden. Die Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz ärgert sich über Pannen und Verspätungen – zu viele, wie sie meint. «Das zeigt, dass die Bahn kein griffiges Konzept besitzt», sagt Stalder.
Dass die SBB gravierende Probleme haben, beweist jetzt eine neue Studie der Beratungsunternehmen Roland Berger und Ernst Basler + Partner. Besonders pikant: Auftraggeber sind die SBB selbst. Die Berater überprüfen den Zustand sämtlicher Schienen, Stellwerke, Weichen und Fahrleitungen. Ende Jahr sollen exakte Ergebnisse vorliegen. Erste Resultate liegen aber bereits vor: Rund eine Milliarde Franken wird die Bahn zusätzlich in ihr Netz stecken müssen, wenn sie es wieder auf Vordermann bringen will. Die Zahl bestätigt SBB-Sprecher Reto Kormann.
SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner (56) kann es kaum fassen: «Es ist schlicht unseriös, dass die Bahn erst jetzt über den schlechten Zustand des Netzes informiert.»
Wer die Milliarde aufbringen soll, ist noch unklar. «Wir haben keine Lösung», gibt Gregor Saladin zu, der Sprecher des Bundesamts für Verkehr. Auf keinen Fall dürften nur die Bahnkunden zur Kasse gebeten werden, betont Konsumentenschützerin Stalder.
Die Aufregung um ihre Studie verstehen die SBB nicht. «Der Nachholbedarf entspricht etwa einem Jahr Verzug in der Instandstellung», so SBB-Sprecher Kormann. Das sei «nicht dramatisch». Dieser Nachholbedarf darf laut Kormann aber nicht weiter wachsen und muss abgebaut werden. Die deutlich gestiegene Netzbelastung löse eben einen überproportional steigenden Unterhaltsaufwand aus, so Kormann.
Die SBB betreiben auf 3011 Kilometern das am intensivsten benutzte Netz der Welt. Seit Ende 2004 hat sich die Zahl der zurückgelegten Zugskilometer weiter um 17 Prozent erhöht. Pro Kilometer Schiene und Tag verkehrten 2008 durchschnittlich 92,7 Züge.
Ärgerlich für die Kunden: Das Netz-Audit wird jedoch kaum dazu führen, dass die Pannenserie mit Fahrleitungen, Weichen und Stellwerken bald gänzlich aufhört: Die Investitionen in die Qualität des Systems werde «erst in einigen Jahren Wirkung für unsere Kunden entfalten», betont SBB-CEO And-reas Meyer (48).
Hat die Pannenserie bei den SBB bald ein Ende?- Reuters