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Bankräuber Daniel N. ist geständig und gibt sich kooperativ. (ZVG)
Daniel N.* (33) leistet keinen Widerstand: Um 9 Uhr stürmt die spanische Polizei am Dienstag sein Zimmer im Hotel an der Playa de Palma auf Mallorca.
In seinem kleinen schwarzen Koffer finden die Polizisten den schwarzen Mantel, die schwarze Weste und die schwarze Hose, die Daniel tags zuvor anhatte: Beim Überfall auf die Aargauische Kan-tonalbank am Bahnhof Baden AG erbeutete er 10000 Franken (Blick.ch berichtete). Ein Viertel der Beute ist schon weg: Ein Teil ging fürs Flugticket drauf, das er nach der Tat in Zürich-Kloten gekauft hat. 7500 Franken trägt er noch auf sich.
Bei seiner Verhaftung hat der Maler noch Farbe unter den Fingernägeln. Auf die spanischen Polizisten wirkt Daniel N. «erstaunlich gleichmütig und kooperativ», sagt ein Beamter.
Das passt: «Angenehm», «ruhig», «schüchtern», «nett». So beschreiben Bekannte und Nachbarn aus der Heimat Daniel N. So wirkt er auch auf Melanie F.* (28). Beide wohnen in Ehrendingen AG.
Melanie F.: «Im Juli klickte er mich an»
Er findet sie im Internet. Ist hingerissen, als er ihr Foto sieht.
«Im Juli klickte er mich an, schrieb mir einen Gruss: ‹Hey, wir sind ja fast Nachbarn›», erzählt die Tagesmutter. «Ich schrieb zurück. Harmlose Sachen.»
Eine Kollegin weiss mehr über ihn. «Der hatte noch nie eine richtige Freundin, erzählte sie mir», sagt Melanie.
Zum Rendezvous zwischen den beiden kam es nie. Auch wenn der schüchterne Daniel einen Annährungsversuch wagte: «Im Chat erzählte er mir, er liege gerade in der Badewanne und trinke ein Cüpli. Und dass er mich einladen wolle», sagt Melanie F.
Zu so viel Eigeninitiative rafft sich Daniel N. nur selten auf. «Dass er den Überfall nicht nur geplant, sondern sogar durchgezogen hat, überrascht mich am meisten», sagt Stammtisch-Kumpel Philipp S.*. «Am wohlsten ist ihm, wenn ihm jemand sagt, was er zu tun hat. Sein früherer Arbeitgeber wollte ihm sogar sein Malergeschäft überlassen – er hat abgelehnt», weiss Philipp S. «Lieber suchte er sich einen neuen Job.»
Von seiner Vermieterin lässt sich Daniel bekochen, die Wäsche besorgt eine Tante.
Sein Reich: eine Dreizimmerwohnung unter dem Dach, vollgestopft mit elektronischem Spielzeug. Sein weisses Kunstledersofa ist bei «Ricardo.ch» noch im Angebot. «Da ich mir ein nobleres Sofa geleistet habe, brauche ich dieses nicht mehr», schreibt er am letzten Samstag. Startgebot 350 Franken.
«Bald mache ich einen Banküberfall»
«Manchmal hat er gescherzt, er mache jetzt bald mal einen Banküberfall», sagt Adrian B.*, ein weiterer Bekannter. «Wir haben geglaubt, das sei nur Spass.»
Vor seiner Flucht nach Mallorca entsorgte Daniel N. die Waffe, mit der er am Bankschalter gedroht hatte, im Abfallkübel einer Toilette im Flughafen Zürich. Polizisten haben deshalb am Mittwoch den Abfall beim Flughafengebäude durchkramen müssen. Die Suche wurde aber inzwischen eingestellt. «18 Tonnen Müll zu durchsuchen ist einfach ein unmögliches Unterfangen», rechtfertigt sich Rudolf Woodtli von der Kapo Aargau.
Zur Tatwaffe sagt Bankräuber Daniel N., das sei doch bloss eine Attrappe gewesen.
* Name der Redaktion bekannt