Ein Schweizer Arzt hilft ihm Todkranker bringt sich live im Internet um

ZÜRICH - Heute um Mitternacht stirbt der todkranke Nikolai Ivanisovich (62) – und die ganze Welt kann dabei zusehen, wie ein Schweizer Arzt ihm beim Freitod hilft. Ein Milliardär zahlt eine Riesensumme für die Übertragungsrechte.

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Das Leben von Nikolai Ivanisovich wird heute Nacht zu Ende sein. Der Ukrainer hat einen tödlichen Hirntumor – und sich dazu entschlossen, mit Hilfe eines Arztes seinem Leben vorzeitig ein Ende zu setzen. Um Mitternacht will er aus dem Leben scheiden. Das Unglaubliche: Der Mann, der die vergangenen fünf Jahre mit seiner Frau in Rougement VD gelebt und gearbeitet hat, lässt sich dabei filmen und das Ganze live im Internet ausstrahlen.

Die Internetseite «battlecam.com» und verschiedene Partnersites wollen die Aktion übertragen. Der Mann, der die Übertragung möglich macht, heisst Alki David. Der Milliardär und Medienunternehmer griechischer Abstammung betreibt die Webseite, die den assistierten Selbstmord ausstrahlt. Er zahlt eine «mehr als sechsstellige Summe» an den todkranken Ivanisovich, wie sein Assistent Rudy Delarenta gegenüber blick.ch sagte.

Ehefrau stellte Kontakt zu Milliardär her

Diese Summe soll nach Ivanisovichs Tod dessen Familie zugute kommen. «Ich bin Herrn David sehr dankbar dafür, dass er das möglich macht», sagte der 62-Jährige «Russia Today».

Den Kontakt zu Alki David hatte ursprünglich Ivanisovichs Frau hergestellt. Ihre Schwester arbeitet für den Milliardär, der in Griechenland lebt. Schon vor der Entscheidung zum begleiteten Selbstmord habe David die Kosten für die medizinische Behandlung des Todkranken übernommen, sagte sein Assistent. Später habe die Ehefrau den Milliardär gebeten, die Kosten für den Freitod zu tragen – im Gegenzug bot sie ihm die Übertragungsrechte für den Tod ihres Mannes an.

Ethische Bedenken hat der Milliardär dabei nicht: «Ich finde daran überhaupt nichts Schlimmes», sagte David. Der Tod gehört zum Leben dazu.» Viele Ländern, darunter auch die Schweiz, hätten das Recht eines Menschen anerkannt, ihr Leben ohne Schmerzen zu beenden.

Aufenthaltsort des Todkranken unbekannt

Wo der kranke Ivanisovich aus dem Leben scheiden soll, verrät Delarenta nicht. «Irgendwo in Europa», sagt er. Der Schweizer Arzt, der Ivanisovich assistiert, soll bis nach dem Ereignis ebenfalls anonym bleiben. Vor laufender Kamera wird er dem Todkranken das Mittel zur Verfügung stellen, das Ivanisovich sich selbst verabreichen soll.

Die Schweizer Organisation «Dignitas» gab auf Anfrage an, nichts von dem Fall zu wissen. «Bei einer Online-Übertragung würden wir nie mitmachen», sagte eine Mitarbeiterin zu blick.ch.

Bis zu 400000 Zuschauer

Der Tod von Nikolai Ivanisovich soll heute Nacht ein grosses Ereignis werden: «Wir erwarten mindestens 3 bis 400‘000 Zuschauer aus der ganzen Welt», sagt Rudy Delarenta. Eine Registrierung auf der Website ist nicht notwendig. Bezahlt werden muss auch nicht, denn «Wir sehen das als soziales Experiment», sagt Delarenta.

Im Vorfeld gab es unter den Nutzern der Seite sogar eine Abstimmung. Delarenta: «Die überwältigende Mehrheit wollte den Selbstmord sehen.»

Publiziert am 29.07.2011 | Aktualisiert am 03.01.2012
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30 Kommentare
  •   30.07.2011
    Nun, vielleicht werd ich mir diese Sache ansehen... Aber ich finde, dass das keine gute Sache ist, aber jeder muss es ja selber wissen...
  •   30.07.2011
    Ach ja, stimmt eigentlich, der Tod und der Suizid sind ja kommerziell noch gar nicht voll ausgereizt. Da steckt sicher noch viel Potenzial drin. Das menschliche Potenzial der Dekadenz scheint auch grenzenlos zu sein.
  •   30.07.2011
    Pervers. Die Sensationslüsterheit der Menschen ist unbeschreiblich!
  •   30.07.2011
    Ich bin mir unschlüssig ob ich dem assistiertem Suizid zuschauen soll oder doch nicht. Aber falls doch, dann nur um zu wissen ob es wirklich schmerz- und kampflos ist auf diese Art und Weise zu sterben.
    Tot zu sein ist nicht schlimm, aber der Prozess des Sterbens ist unangenehm. Daher ist es m.E. legitim darüber nachzudenken, wie dieser (unvermeidbare) Sterbeprozess so kurz und angenehm wie möglich gestaltet werden kann. Keine schönen Gedanken, aber notwendig. Niemand lebt ewig.
  •   30.07.2011
    finde es gut. Jeder der mal wirklich krank war weiss wie wichtig es ist, dass man wenigstens das noch in in Würde darf - sterben.
    Wirklich krank ist doch nur, dass es Leute gibt, die einem sogar das Sterben verbieten wollen.