BLICK-Redaktor Peter Padrutt bangt um das Leben seines Labradors «Ein Hundehasser hat meinen Timo vergiftet»

  • Aktualisiert am 03.01.2012

In Zürich-Höngg streut ein Hundehasser Giftköder. Die Polizei ermittelt. Zwei Hunde sind schon tot. Auch der Labrador von BLICK-Redaktor Peter Padrutt kämpft um sein Leben. Er beschreibt, wie der Familienhund leidet:

«Ach Timo, was warst du für ein selbstbewusster, starker Hund. So wie du letzten Donnerstag noch durch den Schnee getollt bist, hätte keiner geglaubt, dass du schon zehn Jahre alt bist. Du warst ein Hund wie Labrador Marley aus der Kino-Komödie. Ein Hund mit Flausen im Kopf.

Du hast im Restaurant Grünwald in Höngg aus der Küche Brote gestohlen. Du bist nachts zu uns ins Bett gekrochen und hast uns die Füsse gewärmt. Du bist in der Hundeschule dem bekannten Kynologen davongelaufen, als er dir eine auf die Nase haute. Man konnte dir nie böse sein.

Letzte Woche hast du nach einem Spaziergang in Zürich-Höngg plötzlich erbrochen. Du hast mal wieder was zusammengefressen. Ja, deine Lieblingsbeschäftigung wurde dir zum Verhängnis.

In der Nacht auf Samstag bist du unruhig durchs Haus gelaufen, wolltest raus. Vermutlich hattest du fürchterliche Schmerzen. Dann bist du apathisch in der Kälte gestanden und hast gezittert.

Am Samstag schaffst du es noch selber ins Zürcher Tierspital. Du schwankst zwar, aber der deutsche Arzt, der so unglaublich nett zu dir ist, ist erstaunt darüber. Denn du hast akutes Nierenversagen. Mit Infusionen versucht man, dich zu stabilisieren. Aber in der Nacht werden die Blutwerte noch schlechter. Der Arzt äussert seine Vermutung auf Vergiftung durch Frostschutzmittel. Es gibt nur noch eine Hoffnung, eine Dialysetherapie im Tierspital Bern, welche die Nieren wieder zum Laufen bringen könnte.

Als meine Frau dich an diesem Morgen sieht, erschrickt sie. Du bist aufgedunsen. Aber du erkennst sie in deiner Box noch, stupst mit dem Kopf gegen ihre Hand. Mit der Tierambulanz geht es nach Bern. Dort kannst du kaum noch stehen. Die Ärztin, auch sie ist unglaublich lieb zu dir, stellt einen schwachen Herzschlag fest. Sie erzählt uns von mehreren Zürcher Hunden, die mit den gleichen Symptomen eingeliefert wurden.

Am Abend erfahren wir, dass du mit grosser Wahrscheinlichkeit vergiftet wurdest. Denn alle Untersuchungen ergaben keine Hinweise auf einen Nierentumor oder eine schwere Infektion.

Inzwischen habe ich beim Polizeiposten Höngg nachgefragt. Der Beamte rät zur Anzeige. Bis zu zehn Hunde im Raum Höngg seien betroffen, zwei schon tot.
Gestern Morgen hast du über einen Katheter in die Halsvene deine erste Dialyse bekommen. Viele müssen noch folgen, Timo. Auch deine neurologischen Störungen machen den Ärzten Sorgen. Zwei Hunde mit den gleichen Symptomen seien trotz Dialyse gestorben. Es ist ein Geschenk, wenn du überlebst. Aber du bist ein Kämpfer, hat die Ärztin gesagt.

Verzeih mir Timo, dass ich deine Geschichte öffentlich mache. Aber es hilft vielleicht, das Schwein zu finden, das dir das angetan hat. Deine Geschichte verbreitet sich in Höngg wie ein Lauffeuer. Inzwischen hat das Berner Tierspital Kontakt mit der Stadtpolizei Zürich aufgenommen. Es sollen auch Warnschilder ausgesteckt werden.

Ob du gehört hast, was meine Frau dir gestern beim Abschied gesagt hat? Du sollst weiter kämpfen, Timo. Aber nur, wenn du kämpfen willst.»

Peter Padrutt und sein Labrador Timo in glücklichen Tagen.- Peter Gerber

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