Ein Drittel mehr Anzeigen Der neue Volkssport: Polizisten verklagen

Ein Blick in die Kriminalitätsstatistik fördert Erschreckendes zutage: Immer mehr Beamte werden wegen Amtsmissbrauch angezeigt.

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Die beiden Polizisten rückten 2011 in Schlieren ZH aus, um im Streit zwischen einem angetrunkenen IV-Rentner und seinem Schrebergarten-Nachbarn zu vermitteln. Zurück kamen die Beamten mit einer Anzeige wegen Amtsmissbrauchs. Sie hätten den IV-Rentner tätlich angegangen, so der Vorwurf.

Keine Seltenheit, wie ein Blick in die Kriminalstatistik verrät. In den letzten Jahren ist die Anzahl Anzeigen wegen Amts­missbrauchs förmlich in die Höhe geschossen. Wurden 2013 noch 88 solche Begehren eingereicht, mussten sich die Gerichte im letzten Jahr mit 124 Verfahren beschäftigen.

Eine sehr grosse Anzahl fällt dabei auf den Kanton Zürich: 47 Meldungen allein im letzten Jahr verzeichnet die Kriminalstatistik. Das sind fast 40 Prozent aller in der Schweiz angezeigten Amtsmissbräuche. Auf Platz zwei liegt Basel-Stadt mit 35 Anzeigen. Die beiden Kan­tone sind zwar gross, doch nur daran kann es nicht liegen. Zum Vergleich: Der Kanton Bern behandelt fast achtmal weniger.

Gewalttätige Zürcher und Basler Polizisten?

Woher kommen die vielen Anzeigen? Sind Polizisten gewalttätiger geworden? Ralph Hirt, Sprecher der Zürcher Kantonspolizei, relativiert. Unter Amtsmissbrauch fallen Missbräuche etwa durch Polizisten, Bahn­polizisten, Kontrolleure, Betreibungsbeamte und Personen in weiteren Funktionen. Eine Statistik, wie oft gegen welche Berufsgruppe wegen Amtsmissbrauchs rapportiert werden muss, führt die Polizei nicht.

Der Grund für Zürichs Führung in dieser unrühmlichen Statistik sieht Hirt in den vielen Aktivitäten, welche in Zürich stattfinden: «Zürich ist der bevölkerungsreichste Kanton mit vielen Demonstrationen und Sportveranstaltungen. Da ist die Stimmung oft aufgeheizt, und es kommt eher zu Gewalt gegen Polizeibeamte.»

Reicht ein Beamter eine Anzeige ein, reagieren die Täter prompt: «Wir haben die Erfahrung gemacht, dass angezeigte Personen oft zum Gegenangriff übergehen und die Polizisten ihrerseits anzeigen.»

Auch Basel ist bekannt für emotionsgeladene Sportveranstaltungen. Auch hier stellt man fest, «dass von polizeilichen Mass­nahmen betroffene Personen vermehrt Anzeige erstatten», sagt Pascal Eisner, Präsident des Polizeibeamten-Verbands Basel-Stadt. Aber auch die Gewalt gegen Beamte habe sich vervielfacht.

Viele Anzeigen, kaum Verurteilungen

Ist Polizisten-Anzeigerlis zum neuen Volkssport geworden? Aus dem Verband Schweizer Polizeibeamter klingt es ernüchternd. «Es ist leider keine Sel­tenheit, dass Beamte verzeigt werden», sagt der Generalsekretär und ehemalige Polizist Max Hofmann. Das genannte Beispiel sei an der Tagesordnung.

Er selbst habe auch schon Anzeigen erhalten. «Anzeigen wegen Amtsmissbrauchs sind zu einer Waffe geworden. Als Polizist wird man früher oder später damit konfrontiert», sagt Hofmann. Nützen tue es nichts, «es belastet alle nur».

Die beiden Polizisten im Schrebergartenfall wurden zwar verurteilt, doch die beiden Stadtpolizisten stehen Morgen erneut vor Gericht. Das Bundesgericht will den Schuldspruch korrigieren und verlangte eine neue Verhandlung.

Auch ein Blick in die Strafurteilsstatistik bestätigt: Selten bewahrheiten sich Anzeigen wegen Amtsmissbrauchs. Die Schweizer Gerichte haben im letzten Jahr gerade mal 20 Verurteilungen vorgenommen. In Zürich waren es drei, in Basel eine.

Publiziert am 03.10.2016 | Aktualisiert am 29.12.2016
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42 Kommentare
  • Lorenzo  Ciliberto aus Zürich
    03.10.2016
    Wenn jemand normal intelligent ist, wird er oder sie nicht zur Polizei gehen wollen. Wir müssen wohl oder übel mit denen leben die sich dort melden.
  • Kurt  Scherrer , via Facebook 03.10.2016
    statistiken sollte man immer MIT VORSICHT geniessen und im richtigen verhältnis sehen!! mal abgesehen von der verrohung der grossstädte: vielleicht werden in zürich und basel mehr verhaftungen vorgenommen, weshalb es dort auch zu mehr "reklamationen" kommt. nimmt man z.b. zürich und basel aus der statistik raus, stagnieren die zahlen (47,36,47,42)
    und: wenn bei über 18000 polizisten in der schweiz nur jeden 3.tag was beanstandet wird (bei ca 500000 einsätzen/jahr!!), wo ist das problem????

  • roland  althaus aus neunkirch
    03.10.2016
    wenn ich die statistik anschaue wunderts mich nicht, warum zürich und basel diese anführen. die haben ja auch am meisten rote, grüne und sonstige linke in ihren reihen...
  • Susanne  Reich 03.10.2016
    Ist vermutlich die selbe Gruppe Menschen, welche immer mehr gegen Lehrer klagen, weil ihr Kind nicht genügende Leistungen erbringt oder sich unangepasst verhält.
  • Didi  Müller 03.10.2016
    Liebe Nörgler und Leute, die keine anderen Probleme haben. Bitte lasst die Polizei ihre Arbeit machen. Sie haben es auch ohne euch bereits nicht einfach! Aber ihr seit genau die, die sofort die Polizei rufen, wenn euch der Nachbar nervt. Auch ihr seit die Art von Menschecn, die gerne selber Polizistinnen und Polizisten spielen! Danke der Polizei für den Einsatz, denn sie leisten, um uns zu schützen!