Ein Chip für Kleinkinder?

  • Aktualisiert am 03.01.2012
  • VON <a href="mailto:snx@ringier.ch">MICHAEL SCHARENBERG </a>

ZÜRICH – Gestohlene Autos kann man orten, wilde Tiere auf Schritt und Tritt verfolgen. Moderne GPS-Systeme machen es möglich. Warum nicht auch bei entführten Kindern?

Für seine Autos bietet Importeur Amag in sechs bis zwölf Monaten ein Tracking-System an. Die Box mit GPS-Sender macht es einfach, den genauen Ort eines Autos zu bestimmen – und soll Dieben ihr Handwerk vermiesen. Preis noch unbestimmt. Bei yellowfox.ch ist ein GPS-Ortungssystem bereits heute zu haben, für bloss 29 Franken.

Der Bär im Bündnerland kann sich nach seinen Schandtaten (er hatte Schafe gerisssen) auch nicht mehr einfach aus dem Staub machen. Sein Halsband mit GPS-Sender setzt ihn praktisch permanent auf den Präsentierteller.

Aber immer wieder erleben wir den Albtraum verschwundener Kinder: Ylenia (5) wurde am 31. Juli in Appenzell entführt, Madeleine McCann verschwand am 3. Mai aus einer Hotelanlage in Südportugal. Seitdem sind sie wie vom Erdboden verschluckt.

Könnten technische Mittel helfen, indem sie potenzielle Entführer abschrecken? Zum Beispiel ein GPS-Sender für Kinder, vielleicht gar als Chip unter die Haut einzusetzen? Einiges ist bereits auf dem Markt. So gibt es in den USA Minisender, die ein Radiosignal an eine Basisstation senden. Sobald ein Kind einen definierten Bereich verlässt, wird ein Alarm ausgelöst. Der Sender kann zum Beispiel an den Schuhbändern befestigt werden.

Auch in der Schweiz bereits erhältlich ist das i-Kid (Blick Online berichtete), ein Handy speziell für Kindergärtler. Damit können sich die Kleinen im Notfall schnell bei Mami und Papi melden. Und über den GPS-Sender lässt sich auf den Meter genau feststellen, wo sich das Handy befindet.

Das Problem liegt auf der Hand: Wenn die Kleinen diese Geräte verlieren oder sie ihnen weggenommen werden, erfüllen sie ihre Funktion natürlich nicht.

Das könnte mit dem Mikro-Chip nicht passieren, der seit dem letzten Jahr Hunden in der Schweiz obligatorisch eingesetzt wird und von den Schweizer Tierärzten auch für Katzen «wärmstens» empfohlen wird. Nur: Um die Daten, die darauf gespeichert sind, zu identifizieren, darf das Lesegerät nicht weiter als 20 Zentimeter entfernt sein. Ein aktiver Sender fehlt hier. Der Chip, der den Kleinen einfach am Handgelenk eingesetzt würde, ist derzeit schon wegen des technisch-gesundheitlichen Risikos nicht machbar.

Doch nur schon die Vorstellung, Kindern einen Chip einzusetzen, provoziert derzeit eher Entsetzen. Bei der Pro Juventute hält man wenig von technischen Lösungen und setzt mehr auf Aufklärung. Sabine Wiedmann Bernauer, Präsidentin der Schweizerischen Vereinigung für Elternorganisationen, sieht das ähnlich. Ein Mikro-Chip wäre für sie eine unverhältnismässige Überwachungsmassnahme. Sie zieht eine Erziehung zur Selbständigkeit vor.

Aber schliesst denn eins das andere aus? Und wäre der Schutz unserer Kleinen nicht sowieso das Wichtigste? Was meinen Sie?

Satellitenüberwachung von Schülern?

Die britische Firma Trutex ist daran, eine Schüleruniform zu entwickeln, die mit einem GPS-System ausgerüstet wird. Das würde es erlauben, die Bewegungen der Schüler per Satellit zu überwachen. Damit sollen Entführungen verhindert werden. In diesem Zusammenhang befragte Eltern gaben zu 59 Prozent an, sie wären an solchen GPS-Uniformen für ihre Kinder interessiert. (snx)

Top 3

1 Kältewelle Wasserrohrbruch in SBB-Gebäude verursacht Mega-Schadenbullet
2 Betrugs-Opfer Conni Kuhn erzählt «Wie konnte ich nur so dumm sein?»bullet
3 Lawinendrama am Pilatus Sportschule trauert um ihren «Studi»bullet

Schweiz