Durchbruch doch noch geschafft

  • Publiziert: 28.04.2005, Aktualisiert: 02.01.2012

FRUTIGEN BE – Es musste nachgeladen werden, doch schliesslich hats geklappt: Im Lötschbergtunnel gelang der Durchbruch. Das Protokoll dieses historischen Moments.

Um 14 Uhr begann das offizielle Fest in der Curlinghalle von Kandersteg. Die Feier wird mit einer Party der Mineure erst in den späten Abendstunden enden.

12:56 – Auch die Vertreter der Walliser und der Berner Regierung begrüssen sich euphorisch. Auf dem Schuttkegel geht es zu und her wie auf einem Ameisenhaufen.

12:48Geschafft! Die ersten Mineure marschieren mit der Schweizer, der Walliser und der Berner Fahne johlend durch das Loch und begrüssen die Kollegen auf der anderen Seite. Alphornklänge ertönen. Die Männer jubeln, applaudieren und prosten sich zu.

12:44Bundesrat Moritz Leuenberger dankt den Mineuren im Namen der schweizerischen Regierung und der Jugend für die geleistete Arbeit.

11:56:10 – Die Nachsprengung erfolgt. Bagger räumen den Schutt weg.

11:32 – Der Sprengmeister erklärt, dass österreichische Mineure für die missglückte Sprengung verantwortlich waren. Das könne aber jedem passieren. Viele der 150 Zünder seien nicht losgegangen. Ein Mineur: «Das ist für uns Arbeiter eine grosse Enttäuschung.»

11:19 – Der Lötschberg wehrt sich. Einige Felsbrocken liegen noch im Weg. Die Mineure laden nach. In einer halben Stunde kommt es zu einer Nachsprengung.

10:59 – Der Sprenghaufen wird weggeräumt. Das wird ungefähr eine halbe Stunde dauern. Danach können sich die Mineure begrüssen.

10:54 – Bundesrat Moritz Leuenberger meint schmunzelnd: «Endlich habe ich mal etwas bewirkt!»

10:52:46Wir sind durch! Das letzte Felsstück wurde von Bundesrat Moritz Leuenberger und seinen beiden Ehrengästen, den bahnbegeisterten Buben Joel und Silvan, gesprengt.

10:52 – 3 Hornsignale ertönen.

10:50 – Die beiden Tunnelchefs telefonieren ein letztes Mal. Alles ist bereit.

10:45 – Der Sprengmeister löst 5 Hornsignale aus.

10:39 Uhr – Peter Teuscher, Direktor der BLS-Alptransit erinnert vor 1200 Arbeitern und Gästen an die fünf Angestellten, die im Tunnel ihr Leben lassen mussten.

Bis 12.45 Uhr berichtet SF1 live aus dem Berg. Wer keinen Fernseher hat, muss keine Grimasse schneiden. Blick Online hält Sie topaktuell über das Geschehen auf dem Laufenden und liefert Ihnen so schnell wie möglich neuste Bilder aus dem Lötschberg.

Heute wird auf jeden Fall kräftig gefeiert: In der Eishalle von Kandersteg finden am Nachmittag die «Durchschlagungsfeier» und ein Festakt statt. Die Feier wird mit einem Mineurfest in den späten Abendstunden enden.

Die Fakten

Beim Haupt-Durchschlag betrug die Abweichung des nördlichen und des südlichen Teils der Tunnelröhre lediglich 13 Zentimeter in der Seite und ein paar Millimeter in der Höhe. Der Tunnel ist 34,6 Kilometer lang.Er kostet 4,2 Milliarden. Ursprünglich waren 3,2 Milliarden budgetiert.Zur Sicherheit wurden 437 Telefone und 113 Videokameras montiert.Die Planung begann Ende der 80er-Jahre. Ein Sondierstellen wurde 1994 angelegt. Die erste Sprengung erfolgte 1999.Von 5 Baustellen aus wurden seither mit Sprengstoff und einer riesigen Tunnelbohrmaschine rund 90 Kilometer Fels ausgebrochen. Der Termin für den Durchbruch wurde schon vor sechs Jahren auf den heutigen Tag festgelegt – und kann nun trotz geologischer Schwierigkeiten eingehalten werden. Eine Meisterleistung der Ingenieurskunst. Das Ausbruchmaterial – rund 16 Millionen Tonnen – hätte in 320000 Eisenbahnwagen Platz. Der entsprechende Zug würde von Lissabon bis Helsinki reichen.Das Tunnelsystem ist mehrheitlich zweiröhrig. Nur im Abschnitt Mitholz-Frutigen wird eine Röhre gebaut.Am Projekt sind 2500 Personen beteiligt. Davon stehen zwischen 1600 und 1800 Personen rund um die Uhr in drei Schichten im Berg im Einsatz.Im Berg ist es heiss und feucht. Um überhaupt arbeiten zu können, wird die Luft auf 28 Grad hinuntergekühlt.Seit Baubeginn verloren 5 Personen am Lötschberg ihr Leben.Der neue Bahntunnel soll 2007 in Betrieb gehen.

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