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Schweizer Bundesfahnder auf Facebook: Dümmer gehts nicht

Dutzende Geheimnis­träger beim Bund geben auf Facebook ihre ­Identität preis. Darunter viele Polizisten. Sie ­gefährden damit sich und ihre Familien.

Von Beat Kraushaar | Aktualisiert um 03:22 | 03.05.2009
Bundeskriminalpolizisten: In geheimen Sondereinheiten wie Tigris und Tiago jagen sie mutmassliche Terroristen und Mafiosi. Dabei tarnen sie sich mit Schutzmasken, damit ihre Identität geschützt bleibt. Aus Furcht vor Drohungen gegen sich und ihre Familien tun sie auch sonst alles, um unerkannt zu bleiben. Sie haben keinen Eintrag im Telefonbuch, ihre Autonummern sind geheim.

Doch im Internet vergessen sie jede Vorsicht. Bei Facebook verraten sie nicht nur ihre Identität, sondern auch intime und private Details. So ist auch Flavio Gibellini (51), Chef der Tessiner Bundeskripo, der auch schon in einem Werbevideo eines Luxushotels zu sehen war, auf der beliebten Internet-Plattform präsent. Dort ist ein merkwürdiges Video hochgeladen, auf dem zu sehen ist, wie seine Lebenspartnerin, eine Ex-Agentin, zum Schein verhaftet wird.

Damit nicht genug: Auf Facebook sind unter Gibellinis Freunden weitere Fahnder zu finden. Darunter eine Frau in sexy Pose und mit einer Tätowierung am Arm. Sie scheut sich nicht, ihre amtliche E-Mail-Adresse beim Bundesamt für Polizei anzugeben.

Bei einem weiteren Bundeskriminalpolizisten finden sich unter dessen «Freunden» die Kinder eines bekannten Bundesanwaltes. Dieser ist bei der obersten Strafverfolgung des Bundes vor allem im Antiterrorbereich tätig.

Und mit ein paar weiteren Klicks ist man auch schon bei den frivolen Fotos angelangt. So präsentiert sich die Facebook-Freundin eines Fahnders halbnackt: mit BH, Föhn und wehendem Haar.

Beim Bund gibt es neben den Top-Fahndern Hunderte von Geheimnisträgern. Dutzende sind auf Facebook präsent. «Dümmer gehts nicht», sagt ein Informatik-Experte beim Bund, der anonym bleiben will. Aber auf Bundesebene gibt es punkto Facebook keine Regelungen – nicht einmal für Geheimdienstleute, Militärs oder Polizisten.

Ludwig Rademacher von der auf Unternehmensspionage und Internetmissbrauch spezialisierten Firma Prevent AG kann dazu nur den Kopf schütteln: «Mit Informationen in sozialen Netzwerken können sich Kriminelle ein Bild von einer Person machen. Der Einzelne kann sich gar nicht vorstellen, wie umfassend so etwas möglich ist und welcher Missbrauch damit allenfalls betrieben wird.» Möglich ist vieles, von Spionage bis zu Erpressung.

Dies weiss auch Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf (53). In einem «Bund»-Interview wunderte sie sich, dass Jungparteien den biometrischen Pass verhindern wollen. Dabei sei Facebook datenschutztechnisch viel gefährlicher. Junge Leute würden dort sorglos Privates auf die Community-Plattform laden.

Dumm nur: Das machen auch ihre Bundeskriminalpolizisten.
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Dummheit: Getarnt beim Job. Privat geben manche Elitepolizisten auf Facebook Pikantes preis. (Keystone)
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