Eveline Widmer-Schlumpf Drohungen: Sie darf nicht ans Volksfest

  • Publiziert: 01.04.2008, Aktualisiert: 03.01.2012
play Marschiert nicht am Sechseläuten mit: Eveline Widmer-Schlumpf. (Keystone)

ZÜRICH – Die Situation spitzt sich immer mehr zu: Eveline Wider-Schlumpf sagt ihre Teilnahme am Zürcher Sechseläuen ab. Die Bundesrätin hat Drohungen erhalten.

Sie hätte – wie schon viele Bundesräte zuvor – am Sechseläuten vom 14. April als Ehrengast der Zunft Fluntern im Festzug mitmarschieren wollen. Doch nun hat Eveline Widmer-Schlumpf auf eine Teilnahme verzichtet. Grund dafür waren angeblich «Sicherheitsüberlegen». Konkret: Die SVP-Bundesrätin hatte Drohungen erhalten!

Die Drohungen und die Absage der Bundesrätin seien eine Zuspitzung im Zusammenhang mit den «Personalien Blocher und Widmer- Schlumpf». Das dürfe sich so nicht so bald wiederholen, meint Georg Kohler, Zürcher Professor für Politische Philosophie.

«Teilnahme war naiv»

Er wertet die Drohungen als Symptom gegen die allgemein härter werdende politische Auseinandersetzung. Dass diese Auseinandersetzung seit einiger Zeit um einiges viel krasser werde als früher, sei «nicht erfreulich, aber es ist so», konstatierte Kohler. Allerdings findet der Polit-Philosoph, die anfängliche Zusage Widmer-Schlumpfs zur Teilnahme am Sechseläuten sei angesichts der Situation «naiv» gewesen.

Der Professor an der Universität Zürich ortet den entscheidenden Bruch im Politklima nach dem Zusammenbruch des Ostblocks: Zwischen dem Ende des 2. Weltkriegs und 1989 habe in der Schweiz ein stabiler Basiskonsens geherrscht. Dieser brach aber nachher auf.

Seither bildeten sich «zwei Schweizen» heraus: Die «Blocher-Schweiz», welche die früheren Werte bewahren wolle, und «die Anderen», die Mehrheit, die allerdings nicht so kohärent sei.

«Politik der Feindschaft»

Die harte Auseinandersetzung über eine neue Positionierung der Schweiz und ihrer Polit-Kultur sei Teil der Taktik der «Blocherianer». Sie betrieben eine «wahnsinnige Entweder-oder-Politik», eine «Politik der Feindschaft». Wer nicht ihre Meinung teilt, wird als unschweizerisch dargestellt.

Wenn dann der starke Mann, der Führer, gestürzt werde, so bedeute dies einen eigentlichen «Königsmord». Und dieser «weckt tiefste Rachegefühle». Widmer-Schlumpf müsse diese Folgen ihrer Wahlannahme nun tragen, aber «sie wird damit wohl fertig werden», sagte Kohler. (SDA/spj)

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SVP kritisiert Entscheid

ZÜRICH – Wegen Sicherheitsbedenken einen öffentlichen Auftritt abzusagen, komme nicht in Frage, schreibt die SVP in ihrem Pressedienst als Reaktion auf die Sechseläuten-Absage von SVP-Bundesrätin Widmer-Schlumpf. «Sollten tatsächlich solche Drohungen existieren, so sind sie zu verurteilen», hält die SVP fest. Ausführlicher verurteilt die Partei in ihrem Communiqué aber die Absage von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf. «In der freien Schweiz» gehe es nicht an, sich «wegen angeblicher oder wirklicher Bedrohungen» nicht in der Öffentlichkeit zu zeigen. Die Sicherheitsorgane hätten dafür zu sorgen, dass jedermann sich öffentlich bewegen könne. Dies gelte besonders für die Vorsteherin des Justiz- und Polizeidepartements, die ja «für die Sicherheit mitverantwortlich ist».

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