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Tritt zwar, wie hier vor der Uno auf. Kümmert sich um internationales Recht aber einen Dreck: Wüstendiktator Gaddafi. (Getty Images)
In New York klappte, was Hans-Rudolf Merz bei seinem Sololauf in die Wüste nicht schaffte: Libyens Alleinherscher Muammar Gaddafi liess bitten. Dafür hatten sich insbesondere die Diplomatie-Profis aus dem Aussendepartement ins Zeug gelegt. Merz wurde denn auch von EDA-Staatssekretär Michael Ambühl begleitet, dem «Mann für alle schwierigen Fälle» bei Aussenministerin Micheline Calmy-Rey.
Rund 40 Minuten dauerte das Treffen in der libyschen Botschaft. Es begann frostig. Merz lächelte zwar freundlich, doch Gaddafi blickte grimmig. Danach schimpfte der Wüstendiktator noch einmal ausgiebig über den Rechtsstaat Schweiz, der seinen Sohn wie jeden anderen Schläger behandelt hatte.
«Wir sind ja im gleichen Alter»
Doch danach entspannte sich die Atmosphäre, wie Hans-Rudolf Merz der Westschweizer Tagesschau sagte. Er habe das Eis gebrochen, indem er den «emotionalen Menschen Gaddafi» auf Gemeinsamkeiten angesprochen habe: «Wir sind ja im gleichen Alter und haben beide Kinder.» Zudem, so Merz weiter, «sind wir beide Staatschefs». Merz forderte nach eigenen Angaben, dass der am 20. August von ihm unterzeichnete Vertrag mit Libyen umgesetzt werde.
Zum Schluss des Treffens habe ihm Gaddafi schliesslich zugesichert, das er sich jetzt «persönlich» um die Rückkehr der beiden seit über einem Jahr in Libyen festgehaltenen Schweizer kümmern wolle.
Ein gutes Zeichen. Denn wie Libyen-Kenner nach der Merz-Reise nach Tripolis immer gesagt hatten: Ohne Gaddafi läuft gar nichts. Erst wenn sich der Diktator persönlich äussert, kommt in Libyen etwas in Gang. Ein Kniefall-Vertrag mit einem Vasallen Gaddafis ist das Papier nicht wert, auf dem er steht.
«Für seine ehrliche und klare Rede gratuliert»
Doch ganz ohne Demütigung ging die Sache auch diesmal nicht über die Bühne. Stunden, bevor das Merz-Departement über das Treffen informierte, jubelt die Gaddafi-Agentur in Tripolis bereits: «Der Schweizer Präsident hat dem brüderlichen Führer für seine ehrliche und klare Rede in der Uno-Vollversammlung gratuliert.»
Ist es tatsächlich so, dass Merz den wirren und ausfälligen 95-Minuten-Monolog von Gaddafi gerühmt hat?
Dazu war das Merz-Departement gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
Angst vor militärischer Befreiung
Was ebenfalls irritiert: An einer Medienkonferenz nach seinen «Tagesschau»-Auftritten schilderte Merz das Treffen dann plötzlich als «unemotional». Zudem gab er bekannt, dass die Libyer die beiden Schweizer Geiseln an einen ihren Angaben nach «sicheren» Ort gebracht hätten. Gaddafi habe dies damit begründet, dass Libyen befürchte, die Schweiz könnte versuchen, die Zurückgehaltenen gewaltsam zu befreien (Blick.ch berichtete). Bundespräsident Merz versicherte Gaddafi, dass die Schweiz keine solchen Absichten hege.
Wie die Verlegung der Geiseln zu werten ist, werden die kommenden Stunden und Tage zeigen.