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In der Abendzeitung «heute» sagte der Zürcher Werber Hermann Strittmatter über die Kampagne des Gewerkschaftsbundes (SGB) gegen die IV-Revision: «Die Kampagne ist kreativ gesehen genial. Sie zielt aber völlig am Thema vorbei.»
Am Thema vorbei? Das hätte Strittmatter wohl gerne. Er gestaltet für den mächtigen Wirtschaftsverband Economiesuisse die Pro-Kampagne zur IV-Abstimmung.
Tatsache ist: Die SGB-Kampagne ist ein Volltreffer. Die Abstimmung über die IV-Revision vom 17. Juni ist plötzlich in aller Munde. Und wird kontrovers diskutiert.
Möglich wurde das ohne teure Werbeagentur. Die Idee, die Bundesräte als Behinderte darzustellen, stammt von SGB-Kampagnenleiter Pietro Cavadini. Unterstützung bei der grafischen Umsetzung erhielt der Gewerkschaftsfunktionär, wie er sagt, von seiner Freundin. Sie betreibt in Ligornetto TI ein Medienbüro.
«Das Instrument der Provokation habe ich schon mehrmals eingesetzt – meist mit Erfolg», sagt Cavadini. Er leitet seit 14 Jahren die SGB-Abstimmungskampagnen.
«Bei der IV-Kampagne sahen wir, dass wir Betroffenheit schaffen mussten», sagt Cavadini. Denn: «Wir stellten fest, dass die IV ein Angstthema ist wie der Tod. Damit wollen viele nichts zu tun haben. Also mussten wir den Leuten zeigen, dass es jeden treffen kann.» Und daraus resultierte die Idee mit den Bundesräten.
Sicher ist: Die IV-Kampagne polarisiert. In den Mails an den SGB überwiegen laut Cavadini die negativen Reaktionen. Aber: «Behinderte finden sie gut und wichtig.»
Null Verständnis hat Cavadini für die teilweise geäusserte Kritik, die Bilder von Bundesräten würden missbraucht: «Das erinnert mich teilweise an die unsägliche Diskussion über die Mohammed-Karikaturen.»