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«Zebrastreifen» statt «Fussgängerstreifen». Die Stadt Bern streicht alle Wörter, die Frauen angeblich diskriminieren. Und sie hat ein grosses Vorbild: Auch die Bundeskanzlei hat einen 192-seitigen Leitfaden für die Beamten verfasst (BLICK berichtete).
Warum nur? Bundeskanzlerin Corina Casanova (54) schreibt in der Einleitung des Leitfadens: «Eine sachgerechte, klare bürgerfreundliche Sprache der Bundesbehörden – und geschlechtergerechte Formulierungen – verlangt das Sprachgesetz vom 5. Oktober 2007.»
Tatsächlich: Unter dem Titel «Verständlichkeit» legt Artikel 7 des Sprachengesetzes «geschlechtergerechte Formulierungen» fest. Doch wer ist eigentlich für diesen Sprach-Wahnsinn verantwortlich?
BLICK hat nachgeforscht. Die Zürcher CVP-Nationalrätin Kathy Riklin (57) hat sich als damalige Präsidentin der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur intensiv mit dem Sprachengesetz auseinandergesetzt. Sie sagt: «Der Artikel war bereits in einem Entwurf, den uns das Bundesamt für Kultur in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftssekretariat 2006 ausarbeitet hat.» Heute findet Riklin den Sprach-Irrsinn daneben: «Wahrscheinlich waren wir uns dieser Auswüchse nicht bewusst», sagt sie. «Dann müsste ja auch alle Schweizer Literatur geschreddert werden. Die Werke von Dürrenmatt und Frisch etwa.»
Für den Sprach-Irrsinn machte sich eine Nationalrätin besonders stark: Die Aargauer SP-Politikerin Doris Stump (60). In der Sommersession 2007 pochte Stump darauf, dass der Bundesrat in Artikel 7 verpflichtet wird, notwendige Massnahmen zu ergreifen. Stump sitzt seit 15 Jahren im Nationalrat. Auf ihrer Webseite macht die SP-Politikerin ihre Mission klar: «Feminismus ist kein kurzfristiger Arbeitsauftrag.» Gestern war Stump für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
Dafür reagieren andere Politikerinnen. Die Zürcher SVP-Nationalrätin Natalie Rickli (33) will vom Bundesrat in der Fragestunde vom 14. Juni wissen: «Finden Sie nicht auch, dass die Gleichstellungsbüros überflüssig geworden sind, wenn sich ihre Angestellten mit solchen Themen selber beschäftigen?»
Auch Innenminister Didier Burkhalter (50, FDP) äusserte sich gestern am Rande einer Medienkonferenz. «Ich sage, was ich will. Das ist ein freies Land», sagte der FDP-Bundesrat zu BLICK. «Wichtig ist, wie man über die Strasse läuft und nicht ob man Zebra- oder Fussgängerstreifen sagt.»
Und das meinen die BLICK-Leser
«Hier wird hart erarbeitetes Steuergeld für die Abschaffung sogenannt frauendiskriminierender Wörter ausgegeben, die keine solchen sind.»
Marco Schlapbach, Aarau
«Es ist doch einfach so, dass es in den Beamtenstuben zu viele Leute hat, die nicht ausgelastet sind.»
Alfred Meier, Binningen BL
«Die Devise von Bern: Beschäftige die Frauen mit sogenannter Gleichberechtigung, damit sie nicht über die Ungleichmässigkeiten bei den Löhnen in gleichen Berufen zwischen Mann und Frau sprechen!»
Ursi Meier, Zürich
«Was der Blödsinn wieder kostet!»
Severin Woody Delaquis, Bern
«Dass Gleichstellung sehr wohl auch mit Sprache zu tun hat, ist inzwischen hinreichend durch wissenschaftliche Untersuchungen belegt worden.»
Regula Bühlmann, Bern
«Wer bietet diesem Gleichberechtigungsterror noch Einhalt?»
Martin Schneider, Bern
«Es kann nicht sein, dass Frauen sich diskriminiert fühlen wegen dieser paar Wörter.»
Sabine Vorburger Sutter, Altstätten SG
«Versucht man jetzt wegzuschwätzen, dass Frauen und Männer sehr unterschiedliche Kreaturen sind?»
Daniel Siegmann, Köniz BE
«Ich finde, das geht etwas zu weit. Fussgängerstreifen hat nichts mit Diskriminierung der Frau zu tun. Ich hoffe, dass sehen andere Frauen auch so.»
Sonja Zumbrunnen, Bolligen BE
«Sprachliche Präzision, Differenziertheit, Angemessenheit, das sind Fähigkeiten, die immer weiter-entwickelt und angepasst werden müssen.» Doris Stump, SP-Nationalrätin, in der Sommersession 2007- Christian Lanz