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So spottet Israel über Merz

GENF – Nach dem gestrigen Eklat kriegt die Schweiz als Gastgeberland nun die Quittung. Iran feiert – Israel ist enttäuscht. Merz kommt in einer Karikatur an die Kasse.

Aktualisiert um 15:11 | 21.04.2009
Beissende Karikatur in einer israelischen Zeitung. Merz zu Ahmadinedschad: «Sie können die schönste Suite im Hotel beziehen – wir hatten ein paar Absagen.» (ZVG)
Merz mit Ahmadinedschad: Diese Bilder entstanden im Gedränge... (ZVG)
... und hätten so nicht veröffentlicht werden sollen. (ZVG)
Die offiziellen Fotos sind bedeutend harmloser: Viel Abstand zwischen den beiden. (ZVG)
(ZVG)
Merz als Hotelier, der Ahmadinedschad den roten Teppich auslegt und ihm die schönste Suite anbietet. So spottet die isarelische Zeitung «Haaretz» über die schweizerische Demut mit einer Karikatur. «Sie können die schönste Suite im Hotel beziehen – wir hatten ein paar Absagen», wird Merz in den Mund gelegt.

Das Meeting am Sonntag zwischen Iran und der Schweiz stösst den Israeli sauer auf. «Der iranische Präsident exportiert Terror, Hass und Antisemitismus», zitiert «Spiegel Online» einen Sprecher des israelischen Aussenministeriums. «Ein Präsident, der sich respektiert, sollte dem Holocaust-Leugner aus Teheran nicht die Hand reichen.»

Die Schweiz könne allerdings nichts dafür, so verteidigen sich Schweizer Diplomaten. Schliesslich sei die Begegnung auf ausdrücklichen Wunsch der Iraner zustande gekommen. Und die Schweiz sei als Gastgeber protokollarisch verpflichtet, das Staatsoberhaupt von Iran zu empfangen.

Da nützt es anscheinend auch nichts, dass Merz die Menschenrechtslage im Iran sowie Ahmadinedschads gestrige Äusserungen zum Holocaust und zu Israel «scharf und unmissverständlich» verurteilt. Staatspräsident Shimon Peres zeigte sich «tief verletzt», dass ausgerechnet am gestrigen Holocaust-Gedenktag Ahmadinedschad gesprochen habe. Denn alles habe eine Grenze, «selbst die Neutralität der Schweiz».

Bilder hätte es nicht geben dürfen

Denn die Empörung entstand durch die Bilder, die den lächelnden Ahmadinedschad mit Hans-Rudolf Merz vor dem Treffen zeigen. Doch die Veröffentlichung dieser Bilder war eine Panne, berichtet der «Tages-Anzeiger». Denn eigentlich hätte nur eine Sorte Fotos gezeigt werden sollen: Merz mit Ahmadinedschad am Tisch, Abstand dazwischen, politisch korrekt in die Kamera grinsen, die Fähnchen der Länder auf dem Tisch. Ein offizielles Foto – ohne Händedruck.

Dann aber entstanden diese Bilder: Hans-Rudolf Merz ganz nah bei Irans Holocaust-Leugner Ahmadinedschad. Dieser grinst, scheint guter Laune zu sein. Die Bilder gaukeln enge Freundschaft zwischen Merz und dem iranischen Präsidenten vor.

Der Schweizer Protokollchef hatte die Fotografen aber gebeten, keine Fotos vom Händedruck zwischen den beiden zu machen. Offenbar wollte man den Anschein von Vertrautheit vermeiden. Als Ahmadinedschad jedoch mit Verspätung den Raum betrat, drängten iranische Medienleute hinterher. Die beiden zugelassenen westlichen Medienvertreter taten es ihnen gleich, und im Gedränge entstanden die Bilder. Jetzt veröffentlichte die staatlich iranische Nachrichtenagentur die Bilder. Und israelische Tageszeitungen drucken sie im Grossformat ab.
So wird Ahmadinedschad in der israelischen Zeitung «Haaretz» heute gezeigt: Mit Schweizer Armbinde. (Screenshot Haaretz)
So wird Ahmadinedschad in der israelischen Zeitung «Haaretz» heute gezeigt: Mit Schweizer Armbinde. (Screenshot Haaretz)

Schweiz am Pranger

JERUSALEM – Hart ins Gericht gehen die israelischen Medien mit der Schweiz. Die Vertreter der Schweiz seien bei der «Hassrede» Ahmadinedschads sitzengeblieben, stellte das Boulevardblatt Yediot Aharonot fest. Lobende Worte fanden die Kommentatoren für das Verhalten der EU-Staaten an der Anti-Rassismuskonferenz. Indem sie während der Rede Ahmadinedschads den Saal verliessen, hätten die europäischen Delegierten bewiesen, «dass die Juden anders als vor 70 Jahren nicht mehr alleine sind». Die Tageszeitung Jerusalem Post zitierte Premierminister Benjamin Netanyahu: «Wie können Sie jemanden treffen, der den Holocaust leugnet und sich einen neuen Holocaust herbeiwünscht?», sagte Netanjahu an die Adresse von Bundespräsident Hans-Rudolf Merz. (SDA)

Das sagen Blick.ch-Leser
Ueli Hugentobler, Bangkok - 16:11 | 21.04.2009
» Hat nicht Israel selbts seit kurzem einen Rassisten in der Regierung der das Existenzrecht der Palistinaenser nicht anerkennt? Alles die selben Heuchler...nur Israel darf man nicht kritisieren sonst ist man sofort ein Nazi...
Jacky Manson, Zürich - 15:52 | 21.04.2009
» Es ist eine SCHANDE,dass sich übherhaupt Artikel und Leserbriefe befinden,die das Verhalten von Merz und der Schweiz unterstützen. Wie kann man mit einem"Menschen"verhandeln,der ohne Scham Fakten und Geschichte leugnet und abstreitet.Wie kann man mit jemandem,der droht ein Land von der Weltkarte wegzufegen,an den grünen Tisch sitzen wollen??Wie kann man einen Tyrannen und Israelhasser wie Ahmadinedschad zu einer ANTIRASSISTISCHEN Versammlung einladen wenn er selber der grösste Rassist und Feind ist?
Martin Sägesser, 8700 Küsnacht - 15:44 | 21.04.2009
» Neutralität ist nicht neutral, wenn einseitig einem Holocaustleugner der rote Teppich ausgerollt wird, persönlich begrüsst vom Bundespräsidenten der Schweiz. Dass Israel jetzt reagieren muss, am Holocaust-Gedenktag, ist konsequent. Solche Vorkomnisse schwächen die Glaubwürdigkeit der Schweiz massiv!
Karl Tellenbach, Bern - 15:32 | 21.04.2009
» "Annabell Ghirlanda" - liegt doch auf der Hand. Der Merz braucht doch schon wieder Geld für die UBS. Denn wo Öl fliesst, fliesst auch Geld. Weshalb sonst sollte er sich zum Hampelmann gemacht haben.....!?
Evelin M., Binningen - 15:18 | 21.04.2009
» Diese Heuchelei von bestimmten EU- Länder geht mir auf die Nerven.Beispiel:Deutschland,der Iran ist ein Handelspartner von ihnen!Wenn boykottieren dann aber konsequent. Warum sagt Israel dazu nichts,als kürzlich Schröder beim Iranischen Präsident war?
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