Was stellt sich ein Amerikaner, eine Chinesin oder ein Inder unter den Alpen vor? Die meisten denken an die Schweiz, die Jungfrau, das Matterhorn oder die Rigi.
Manche glauben sogar, der Mont Blanc sei ein Schweizer Berg. Die Schweiz als Top-Destination der Alpen zu positionieren – das ist uns gelungen. Die Anfänge unseres Fremdenverkehrs lagen im Sommer. Weil die Kleidervorschriften im viktorianischen England keine Erleichterung duldeten, suchte der
Adel die Sommerfrische der Berge.
Heute jedoch ist der Wintertourismus weit wichtiger geworden. Für den Schnee strömen die Leute in Scharen zu uns, im Sommer kämpfen wir um jeden Gast.
Die Zimmerpreise der Hotels sind im Winter 30 Prozent höher als im Sommer. Das freut den Gast, ruiniert aber manche Hoteliers. Ähnlich bei den Bergbahnen: Viele müssen im Winter 85 Prozent ihres Jahresumsatzes erwirtschaften.
Dieses Missverhältnis müssen wir ins Lot bringen. Der Schweizer
Tourismus braucht zwei starke Standbeine. Das ist keine Frage der Gewinnmaximierung, sondern des Überlebens. Nur mit einem starken Sommer können wir die Investitionen für den Winter sichern.
Die Trends helfen uns dabei:
- Das Klima erwärmt sich, der Sommer in den Bergen wird zur attraktiven Alternative zur Hitze auf Meereshöhe. Unsere Städte bieten im Sommer mediterranes Leben. Und die Seen im Mittelland werden zu Erholungsoasen.
- Gesundheit, Wellness und Naturerlebnisse werden in unserer Gesellschaft immer wichtiger. Hier hat die Schweiz enorm viel zu bieten.
- In den grossen Wachstumsmärkten China und Indien ist die Schweiz schon heute eine Sommerdestination. Das hilft uns bei der Dynamisierung des Sommers.
Der Rückenwind der Trends allein reicht aber nicht. Zu glauben, die Gäste kämen automatisch zu uns, wäre ein fataler Fehler. Wir selber müssen den Sommer neu entdecken und neu gestalten. Wege dazu gibt es viele.
Einer, der bereits einen grossen Schritt gemacht hat, ist der Engadiner Hotelier Jürg Mettler. Er versteht es, Schweizer Traditionen einem urbanen Publikum zugänglich zu machen. Auch Beispiele aus anderen Branchen können uns inspirieren – etwa der Luzerner Ski- und Bikehersteller Beni Stöckli.
Ein starker Tourismus ist für das Land von grosser Bedeutung. Mehr als 30 Milliarden Franken – fast sieben Prozent des Bruttoinlandprodukts – steuert der Tourismus zum Wohlstand bei. 220000 Menschen verdienen hier ihr
Geld, viele in Familienunternehmen, alle in KMU.
Diesen Wirtschaftsfaktor wollen wir stärken. Langfristig erfolgreich sind wir aber nur, wenn wir mit unserem wichtigsten Rohstoff haushälterisch umgehen:
Landschaft und Natur. Die Leute kommen nicht wegen der architektonischen Schönheit leer stehender Zweitwohnungen zu uns. Sie kommen zu uns, weil die Schweiz so schön ist. Dazu müssen wir Sorge tragen.