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Ein Soldat schnupft Tabak von seinem Sturmgewehr. Durch eine Patronenhülse. Ein anderer stampft über am Boden liegende Grenadiere. Ein Dritter zelebriert seinen Waffenfetisch. In 40 Sekunden zerlegt er ein Sturmgewehr, in 50 Sekunden baut er es wieder zusammen.
Zu sehen ist das im Internet auf YouTube. Und noch viel mehr: Schmerzhafte Mutproben. Geschmacklosigkeiten betrunkener Rekruten. Für Aussenstehende
sterbenslangweilige Manöverdokumentationen – YouTube zeigt jede Facette des militärischen Alltags.
Bloss: Eigentlich sollte das nicht mehr passieren. Die Armee hatte genug von den Amateur-Filmern. Seit Anfang Jahr sind Filme und Fotos ohne Genehmigung per Dienstvorschrift ausdrücklich verboten.
«Das macht jeder Kommandant bei Dienstantritt klar», sagt Armeesprecher Christian Burri. Wer trotzdem filmt, kassiert bis zu 500 Franken Busse oder zehn Tage Arrest.
Das Verbot greift nicht. Täglich landen neue Videos im Internet.
«Ganz durchgesetzt hat sich die Vorschrift noch nicht», gibt auch Burri zu. Ein komplettes Handyverbot soll es aber nicht geben. «Erinnerungsfotos im Ausgang sind ja kein Problem.»
Aber die Armee hat reagiert. Zwei Angehörige der Militärischen Sicherheit sichten YouTube. Sie suchen rassistische, sexistische und gewalttätige Videos. Oder solche, die das Image der Armee ramponieren. In krassen Fällen wird die Militärjustiz eingeschaltet.
Die unliebsamen Filme bleiben aber online – die Server stehen im Ausland. «Die Urheber müssen die Filme selber löschen. Dazu versuchen wir sie natürlich zu überreden», sagt Burri.
Den ersten YouTube-Fall hat die Militärjustiz schon im September eröffnet. «Die vorläufige Beweisaufnahme wird in den nächsten Wochen abgeschlossen», sagt Sprecherin Silvia Schenker.
Ein Armeeangehöriger hat eine siebenteilige Serie auf YouTube hochgeladen. Was genau darin zu sehen ist, will Schenker nicht sagen – aus Rücksicht aufs Verfahren. Doch oft ist es schwierig, überhaupt genug Beweismaterial zusammenzubekommen. «Wenn zum Beispiel ein Puch über eine Panzerpiste brettert, könnte das Missbrauch und Verschleuderung von Armeematerial sein», sagt Silvia Schenker. «Aber wir müssten eindeutig nachweisen, dass der Puch der Armee gehört. Dafür muss etwa die Militär-Nummer gut sichtbar sein.»
Die schlechte Bildqualität der YouTube-Filmchen macht die Jagd der Sicherheitsbeamten nicht einfach. «Und schliesslich muss man zuerst einmal die Beteiligten identifizieren.»
Fazit: Wer sich geschickt anstellt, darf auch in der Armee fröhlich weiterfilmen.