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Roland Nef in seinem Büro im Bundeshaus Ost. Er hat es nahezu unverändert von seinem Vorgänger Keckeis übernommen.- Foto: Karl-Heinz Hug
Herr Nef, Sie sind seit Anfang Jahr Armee-Chef und krebsen bereits zum ersten Mal zurück: geladene Waffen im Wachdienst müssen doch nicht sein. Warum der Rückzieher?
Roland Nef: Das ist kein Rückzieher! In Ziffer 73 des Dienstreglements steht, dass der Wachtdienst mit Waffe und Munition gemacht wird. Die Details regelt der jeweilige Kompaniekommandant …
… und der darf plötzlich auch Ausnahmen bewilligen.
Das war von Anfang an so vorgesehen. Waffen, Munition und anderes heikles Material müssen wir bewachen, wenn es nicht diebstahlsicher eingeschlossen werden kann. In einer Truppenunterkunft mitten im Dorf wird kein solches Material gelagert. Daher kann ich alle Gemeindepräsidenten beruhigen: In Dörfern bewachen Soldaten nichts mit geladenen Waffen!
Warum müssen Soldaten denn überhaupt irgendwo mit geladenen Waffen Wache schieben?
Schauen Sie die Welt an, schauen Sie die Situation bei uns an: Wir hatten Waffen-Diebstähle, die Gewaltbereitschaft wächst, weltweit decken sich Kriminelle und Terroristen mit Waffen ein. Jederzeit und überall kann etwas passieren, auch bei uns. Neu ist ja nur, dass Soldaten die Ladebewegung machen. Die Waffe bleibt gesichert.
Sind Sie von der Heftigkeit der Reaktionen überrascht?
Nein. Es wäre der Tod der Milizarmee, wenn sie keine Emotionen mehr auslösen würde.
Es muss Sie doch beunruhigen, dass die Bevölkerung die Armee offenbar eher als Bedrohung wahrnimmt, denn als Schutz.
Ich glaube nicht, dass das so ist. Wir sind eine Milizarmee, der Bürger trägt Uniform und ist Teil der Armee. Was aber stimmt: Die Armee wird offenbar nicht mehr als ein selbstverständlicher Teil der Gesellschaft wahrgenommen. Es ist mein Ziel, das zu ändern.
Ein grosses Thema ist auch der Aufbewahrungsort der persönlichen Waffe. Was ist Ihre Meinung: Gehört sie nach Hause?
Für mich ist unbestritten, dass der Soldat im Dienst Waffe und Munition haben muss. Eine Entwaffnung kommt nicht in Frage.
Das fordert ja auch niemand.
Aber es muss klar gesagt sein! Wegen der traurigen Zwischenfälle mit Armeewaffen ziehen wir jetzt die Taschenmunition ein – und das ist gut so.
Und die Waffe: daheim oder im Zeughaus?
Das muss die Politik entscheiden.
Ihre Meinung?
Ich bin offen für alle Möglichkeiten, die gewährleisten, dass die Waffe rasch verfügbar ist für das Obligatorische und für den WK.
Also kein Einwand gegen die Lagerung im Zeughaus?
Diese Frage klärt derzeit eine Arbeitsgruppe. Wenn wir eine andere Lösung finden, wenn die Werte sich gewandelt haben, sodass die Waffe daheim nicht mehr dieselbe Bedeutung hat wie früher, dann bin ich offen. Die Waffe muss nicht unbedingt zu Hause stehen. Es gibt wichtigere Fragen für die Armee.
Ein rascher Entscheid würde Ihnen viel Sympathie einbringen.
Wir prüfen alle Möglichkeiten, das braucht etwas Zeit. Ich bin selber tief betroffen über jeden einzelnen Tötungsfall mit einer Armeewaffe. Deshalb begrüsse ich auch die Diskussionen darüber, in den Vereinen, am Familientisch. Ich bin ja auch Ehemann und Vater.
Und Ihre Frau findet auch: Waffe ab ins Zeughaus?
Meine Frau weniger, aber Frauen in meinem Umfeld, ja.
Ihr Vorgänger Christophe Keckeis sorgte für Aufregung, als er sagte, die Schweizer Armee sei «nicht verteidigungsfähig». Hat er recht?
Ja, die Armee muss gar nicht verteidigungsfähig sein. Sie muss es aber rasch wieder sein können. Das ist im Armeeleitbild so festgehalten. Wir haben die Verteidigungsfähigkeit reduziert, behalten aber das nötige Know-how, sodass wir wieder aufrüsten könnten.
Die Jungen sehen den Sinn der RS immer weniger ein, weil der Feind fehlt. Ist die Milizarmee gefährdet?
66 Prozent der jungen Schweizer gehen in die RS und sehen durchaus einen Sinn darin, ihre Pflicht zu erfüllen. Ich nehme die heutigen Rekruten als motiviert wahr.
Sie malen rosig. Die Jungen sind heute mehrheitlich für die Armee, sagen aber: ohne mich!
Im Alltag nehme ich das anders wahr. Viel grössere Sorgen als die fehlende Motivation bereitet mir die demografische Entwicklung: Es gibt immer weniger Junge, also auch immer weniger Rekruten.