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Doch die Vorgesetzten der Rekruten schlugen die Warnungen in den Wind. Bis auf einen: Er stieg mit seinen Leuten auf den Mönch.
Bergführer Harry Sonderegger (42) macht sich schwere Vorwürfe, nicht mehr getan zu haben, um das Unglück vom Donnerstag mit sechs abgestürzten Soldaten zu verhindern.
Er traf die 24 Gebirgsspezialisten der Rekrutenschule 15/2 am Mittwochabend in der Mönchsjochhütte. Sie bereiteten sich dort auf die Besteigung der Jungfrau vor.
Zum Unverständnis der zivilen Bergführer und ihrer Gäste. Die diskutierten und kritisierten das Vorhaben heftig. Harry Sonderegger: «Jeder hat an dem Abend eingesehen, dass das zu gefährlich ist. Es gab 60 Zentimeter Neuschnee und hohe Wächten.»
Bereits tags zuvor hatte sich am Mönch ein Schneebrett gelöst, als die Armeetruppe dort eingestiegen war – auch dieses Warnzeichen wurde ignoriert. Bergführer Sonderegger, Dozent für Bergsport an der ETH für Sport in Magglingen: «Ich warnte einen der Armee-Bergführer und sagte ihm noch, dass seine Truppe sehr sportlich und aggressiv unterwegs sei.»
Der Angesprochene reagierte darauf überhaupt nicht. «Vielleicht weil er Französisch sprach», mutmasst Sonderegger. Anschliessend führte er ein längeres Gespräch mit einem Berner Unteroffizier: «Ich habe ihm klargemacht, dass es verantwortungslos ist, am Donnerstag auf die Jungfrau zu gehen.»
Am anderen Tag traf er diesen Unteroffizier wieder – mit sieben Rekruten auf dem Mönch.
Ein weiterer ziviler Bergführer verbot seinem Bruder, den er in der Hütte traf, ausdrücklich, auf die Jungfrau zu steigen. Zwei Soldaten blieben krankheitshalber in der Hütte zurück.
Trotz aller Warnungen brachen zwei Armee-Bergführer mit zwölf Rekruten morgens um 5 Uhr zur Tour auf die Jungfrau auf.
Kurz vor 10 Uhr passierte das Unglück. Vom Mönch aus wurde es beobachtet. «Es gab eine grosse Wolke, als sich das Schneebrett löste», sagt Harry Sonderegger. Er ahnte sofort Schlimmes.
Gemäss VBS-Sprecher Martin Immenhauser berichtete ein Augenzeuge, ein Mitglied einer Seilschaft sei ausgerutscht und habe die anderen mitgerissen.
Für die Unfalluntersuchung will sich die Militärjustiz monatelang Zeit lassen. Morgen findet in Andermatt die Trauerfeier für die toten Soldaten statt.