5 Jahre reisten sie um die Welt. Jetzt kamen sie heim – und starben auf den Gleisen
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Auf dieser Kreuzung überfuhr der Zug das Paar.
(Toini Lindroos)Manchmal spielt das Schicksal fürchterliche Streiche. Fünf Jahre lang reisten Daniela W.* († 38) aus Suhr AG und ihr Freund Daniel O.* († 38) um die Welt. Malaysia, Peru, Australien, Vietnam. Immer wieder kamen die beiden in brenzlige Situationen.
Doch nie ist ihnen etwas passiert. Dann kommt das Liebespaar heim. Und stirbt zwei Tage später bei einem schrecklichen Bahnunfall, nur wenige Hundert Meter von zu Hause entfernt (BLICK berichtete).
«Es war 1.30 Uhr, als ich von der Türklingel aus dem Schlaf gerissen wurde», sagt Margrit W.* (61), die Mutter von Daniela. «Ich dachte, meine Tochter hatte den Schlüssel vergessen. Sie war ja am Abend noch rausgegangen.»
Doch es sind zwei Polizisten. «Mir stockte der Atem. In der Stube haben sie es uns dann gesagt», sagt Margrit W. «Das eigene Kind tot … Daniela war immer so korrekt, so lieb! Es zog uns den Boden unter den Füssen weg.»
«Es war ein schönes Wiedersehen»
Margrit W. und Carlo B.* (71) sind seit 40 Jahren zusammen. Daniela ist ihr einziges Kind. Nach der Schule macht sie das KV. Bei der Arbeit im Büro lernt sie Daniel kennen.
Die beiden werden ein Paar, ziehen 2005 zusammen. Der Werkzeugmechaniker aus Gränichen AG hat sich bis zum Abteilungsleiter hochgearbeitet. Margrit W.: «Er war ein toller Mann. Sie hatten es gut miteinander.»
Aber Daniela und Daniel wollen die Welt sehen, sie wollen fremde Länder entdecken, an unberührten Stränden baden. Und so kehren die beiden der Schweiz 2007 den Rücken. Margrit W.: «Ich wusste, sie sind an vielen Orten unterwegs, wo immer etwas passieren kann. Da macht man sich als Mutter jeden Tag Sorgen.» Die Weltenbummler bereisen Südamerika, dann Australien und Asien. «Daniela hat sich immer gemeldet, von den Erlebnissen erzählt. Ich habe mich so gefreut für sie.»
Im letzten März kriegt Daniela Probleme mit einem Zahn. «Sie bekam eine Entzündung», sagt die Mutter. «Daniela musste Antibiotika nehmen, konnte nicht richtig essen, nahm ab.»
Das Paar ist in Vietnam, aber: «Es wurde immer schlimmer mit dem Zahn», so Margrit W. «Da entschloss sich Daniela, heimzukommen, sich hier behandeln zu lassen.» Letzten Dienstag fliegt das Paar nach Hause.
«Es war ein schönes Wiedersehen», sagt ihre Mutter. «Endlich war meine Tochter zurück! Sie war auch froh, freute sich aufs Essen, aufs Schlafen, darauf, endlich in guten Händen zu sein.»
«Tschüss, Papi»
Margrit W. weint. Dann erzählt sie vom Donnerstag, dem letzten Tag mit ihrer Tochter. «Daniela ging um 12 Uhr walken und kam kurz nach 14 Uhr wieder zurück. Sie machte das gerne, draussen laufen gehen.» Um 15.30 Uhr sei sie mit ihrer Tochter noch ein TV-Kabel kaufen gegangen. «Wir gingen danach auch noch etwas zusammen spazieren im Wald.» Da habe Danielas Freund angerufen. «Er sagte ihr, dass er vielleicht einen Job für sie habe.»
Die Familie isst auf dem Balkon in Suhr Znacht – Polenta, frische Zucchetti und Tomaten. «Daniel ist auch gekommen», sagt Margrit W. «Ich ging früh zu Bett, hatte Kopfschmerzen. Ach, ich habe mich nicht mal richtig von Daniela verabschiedet.»
Ihrem Vater Carlo sagt Daniela um 20.30 Uhr «Tschüss, Papi». Dann geht sie mit ihrem Freund. Hinaus, in die frische Abendluft. Sie nimmt ihre Walkingstöcke mit.
Um 21.20 Uhr werden Daniela und Daniel bei der Abzweigung Wynemattstrasse gesehen – auf den Schienen der Wynental-Suhrentalbahn. Hier hat es keine Schranken. Der Zug, der Richtung Gränichen fährt, braust mit rund 70 km/h heran. Er rammt das Liebespaar!
Daniel wird unter den Zug gerissen, stirbt. Daniela wird weggeschleudert, stirbt in der Nacht im Kantonsspital Aarau.
Ein Zeuge sagt später aus, dass er das Paar angeregt diskutierend auf den Gleisen gesehen habe, dass sich die beiden auch umarmt hätten.
Was ist bloss geschehen? Wollte das Paar sterben? Stellte es sich absichtlich auf die Gleise?
«Nein, das glaube ich nicht. Daniela freute sich auf die Zukunft in der Schweiz. Und sie hatte ja auch ihre Walkingstöcke mitgenommen», sagt ihre Mutter. «Die beiden haben sicher über Danielas Job diskutiert. Vielleicht waren sie abgelenkt. Sonst hätten sie sicher die Unterführung benutzt.»
Danielas Eltern sind tieftraurig. «Wissen Sie, sein Kind zu verlieren», sagt Margrit W. leise, «ist das Schlimmste, was einem passieren kann. Wer denkt denn schon an so etwas?»
*Namen der Redaktion bekannt
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