Die stinkige Spur des Miet-Nomaden

  • Publiziert: 27.05.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Thomas Ley

Wie ein Unheil auf zwei Beinen: Seit Jahren zieht Daniel Hausmann* (48) durch die Schweiz, nistet sich bei gutgläubigen Vermietern ein, zahlt kaum Miete – und hinterlässt Zehntausende Franken Schäden.

Daniel Hausmann, der Miet-Nomade. Die Bauern Anna-Magdalena (40) und Hermann (51) Stöckli (gestern im BLICK) waren nicht seine ersten Opfer. Beileibe nicht. In den letzten gut zehn Jahren war Hausmann an 16 Orten angemeldet.

Nicht immer haust er dort auch. Aber die meisten der Orte stehen für geschädigte Vermieter – für versiffte Wohnungen, versaute Ställe, verscherbeltes Fremdeigentum.

Etwa vor acht Jahren in Flamatt BE: «Im ersten Jahr war er noch ruhig», erzählt Erwin Schaller, Abwart der Liegenschaft.

Dann fängt der Ärger an: Hausmann verbreitet Dreck, terrorisiert mit dem Hund die Nachbarn – und zahlt wohl auch die Miete nicht mehr.

«Und plötzlich war er weg», sagt Schaller. «Die Polizei musste ihn in Bern suchen für die Zwangsräumung.»

Übles in Tiefkühltruhe
Dabei findet man im Keller eine Tiefkühltruhe voll Fisch – sie kühlt schon lange nicht mehr. «Ich konnte das selber nicht entsorgen und musste Spezialisten holen.»

Hausmann hat bereits eine neue Bleibe, in Herrenschwanden BE. Seine sieben Pferde stellt er in dieser Zeit in Schüpfen BE ein: «Sie kamen halb verhungert zu uns», erzählt Stallbesitzer Samuel Bloch. Er päppelt die abgemagerten Tiere auf – bis ihn der Pferdequäler selber beim Tierschutz anschwärzt. «Er hatte den Nerv, denen zu sagen, ich hätte seine Rösser mies behandelt», erinnert sich Bloch. Es dauert zwei Jahre, bis er den Betrüger wieder los ist.

Abgetaucht
Hausmann marodiert weiter. 2006 in Kandersteg und 2007 in Biel – im Studio von Heinz König: «Sechs Monate lang zahlte er keine Miete. Als er draussen war, musste ich die Wohnung neu streichen.»

Die Pferde hat der Betrüger nun in einem Stall in Corgemont BE untergestellt. Es kommt, wie es kommen muss: «Ausgemistet hat er sozusagen nie», sagt Stallbesitzer Heinrich Müller*. «Am Ende war die Weide zerstört, unsere Einrichtung kaputt, das Reitstübli voller Hundedreck – und den Abfall fanden wir hinter der Holzhurd.»

Miete? Entschädigung? Fehlanzeige. Hausmann war schon weitergezogen – zu den Stöcklis, seinen bisher letzten Opfern. Jetzt ist er von der Bildfläche verschwunden. Wohl nicht für lange.

*Namen von der Redaktion geändert

Den Miet-Nomaden mit Müll zugedeckt

Sie machen meist die Faust im Sack: Vermieter, die Opfer von MietNomaden werden. Nicht so Rolf Gallati aus Näfels GL.
Als sein Mieter eines Tages plötzlich keine Miete mehr zahlt, mahnt ihn Gallati. Nach zwei Monaten mahnt er nochmals. Nach dem dritten kündigt er. Aber sein Mieter ist bereits weg. «Ich musste das Haus polizeilich öffnen lassen – und war sprachlos.» Überall Unrat, alte Kleider, kaputte Möbel. Gallati lässt sich das nicht gefallen. «Ich stopfte alles in Abfallsäcke. Dann machte ich mich auf die Suche.» Er findet den Ex-Mieter im Nachbarkanton – in der Nacht stellt er ihm den Krempel vors Haus. «Wegfahren konnte der nicht mehr.» Das hilft Gallati nicht bei den Reinigungskosten. Aber es ist ein Beitrag an seine Psychohygiene.

Top 3

1 Drei Tote im Kandertal Heli touchierte Drahtseilbullet
2 BLICK zitiert den Luzerner Staatsanwalt «Die kaltblütigste IV-Betrügerin!»bullet
3 Die niedergeschossene Spar-Filialleiterin «Es ist ein Wunder, dass...bullet

Schweiz