Schweizer Pharma im Visier militanter Tierschützer Die Spur des Terrors beginnt schon 2003

  • Publiziert: 05.08.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Karin Baltisberger, Gabriel Brönnimann und Adrian Schulthess

Nach den spektakulären Anschlägen geben die Behörden zu: Die Tier-Terroristen wüten schon viel länger als bisher bekannt.

Das Ferienhaus im Tirol – abgefackelt. Die Urne der eigenen Mutter in Chur aus dem Boden gebuddelt und entführt. An Novartis-Chef Daniel Vasella (56) entlädt sich jetzt der Hass radikaler Tierschützer. Gewalt und Pietätlosigkeit in einem Ausmass, von dem die Schweiz bisher verschont geblieben ist.

Die Tierschutz-Extremisten haben Vasella schon länger im Visier. Am 17. Juli verschmierten sie die katholische Kirche in seinem Wohnort Risch ZG. «Die Täter sprayten Slogans an die Aussenwände – ähnlich wie am Grabstein in Chur», sagt Marcel Schlatter, Sprecher der Zuger Kantonspolizei.

Vasella selber sagte gestern nichts zu den Anschlägen gegen sich und Novartis. Hat er Angst um seine Mitarbeiter, um seine Familie?

Die Polizei ist alarmiert. «Wir nehmen die Bedrohungslage sehr ernst. Aufgrund der aktuellen
Vorkommnisse ist das Thema auf der Prioritätenliste nach oben gerutscht», sagt Klaus Mannhart, Sprecher der Basler Polizei. Dort hat Novartis ihren Hauptsitz.

Die Spur der Tier-Terroristen. Sie ist viel länger und gewalttätiger, als bisher bekannt.

Im Januar 2003 zerstören Chaoten den Eingang der Novartis Pharma in Bern. Auch ein Container brennt. Die Botschaft: «Smash HLS.»

15 weitere Vorfälle zählt BLICK auf einer einschlägigen Internet-Seite. Dort bekennen sich die Extremisten stolz zu ihren Schandtaten.

Am 20. Mai 2009 wird ein Novartis-Kadermann aus Solothurn attackiert. «Haben drei Brandsätze unter drei Autos versteckt», schreiben die Extremisten ins Internet. Der «Gruss» dazu: «Wer mit Huntingdon Geschäfte macht, bekommts mit uns zu tun.» Absender: «Die Tierbefreiungs-Brigade.» Die Solothurner Kantonspolizei bestätigt: «Es gab einen versuchten Brandanschlag.» Mehr sagt Sprecher Frank Wilhelm nicht, um die Ermittlungen nicht zu gefährden.

Lange haben die Schweizer Polizeikorps zum Tierschutz-Terror geschwiegen. «Wir wollten diesen Leuten keine Plattform bieten», sagt Rolf Wirz, Sprecher der Kantonspolizei Basel-Landschaft.

Besonders in diesem Kanton fallen die Extremisten immer wieder ein, leben dort doch viele Kadermitglieder von Pharma-Firmen wie Novartis, Roche oder Actelion. Regelmässig werden ihre Türschlösser verklebt, Mauern verschmiert, Bombenattrappen versteckt, Autos verschandelt. Bei einer Aktion gegen eine Schwägerin von FCB-Mäzenin Gigi Oeri (Roche-Erbin) 2006 steckten die angeblichen Tierfreunde sogar ein überfahrenes Tierchen in einen Briefkasten.

Die «Visitenkarte» der Terror-Tierschützer: Gesprayte Slogans. Sie fordern von Schweizer Konzernen, keine Aufträge mehr ans britische Tierversuch-Unternehmen Huntingdon Life Sciences HLS zu vergeben. Was Novartis laut einem Sprecher gar nicht mehr tut.

Der Absender der Schmiererei: Die SHAC – kurz für «Stop Huntingdon Animal Cruelty» (stoppt die Huntingdon-Tiergrausamkeiten). Extremisten-Zellen, die seit 1999 Grossbritannien terrorisieren. Bei der jetzt die zweite Generation an der Macht ist, seit die Gründer im Knast sind. Die keine Berührungsängste hat mit der immer extremeren Gewalt.

Für die Tierschutz-Terroristen und ihre Opfer ist eine neue Zeit angebrochen.

Top 3

1 Drei Tote im Kandertal Heli touchierte Drahtseilbullet
2 BLICK zitiert den Luzerner Staatsanwalt «Die kaltblütigste IV-Betrügerin!»bullet
3 Die niedergeschossene Spar-Filialleiterin «Es ist ein Wunder, dass...bullet

Schweiz