Seilbahn-Mech Sepp Truffer (64) aus dem Wallis «Die Schweizer Armee hat mich 14 Jahre lang vergessen»

Schon lange hätte Sepp Truffer (64) das Sturmgewehr abgeben sollen. Jetzt hat es die Armee bemerkt.

  • Publiziert: 15.06.2012
  • Von Beat Michel

Vor drei Wochen bekam Rentner Sepp Truffer (64) aus Visp VS Post von der Logistik-Abteilung der Schweizer Armee – er solle doch sein Dienstbüchlein einschicken. Der Verdacht: Er habe sein Sturmgewehr noch nicht abge­geben.

«Ich war leicht überrascht», sagt der seit vier Jahren pensionierte Seil­bähnler. «Also schickte ich mein Dienstbüchlein ein. Zum Glück hatte ich das aufbewahrt.»

Das gute alte DB ist aber längst nicht das einzige Erinnerungsstück aus der Militärzeit, das im Estrich des ehemaligen Nati-A-Hockeyspielers des EHC Visp lagert.

Der Pen­sionär findet seine ganze Ausrüstung – samt Sturmgewehr 57 und Munition. «Ich habe schlicht vergessen, dass die ­Militärsachen noch da sind», sagt er. «Seit 14 Jahren sollte das Material eigentlich im Zeughaus sein. Ich bekam aber nie ein Aufgebot. Die Armee hatte mich jahrelang vergessen», so Truffer.

Die Armee kann nicht nachvollziehen, warum Sepp Truffer erst nach so langer Zeit zur Gewehrrückgabe aufgefordert wurde. Armeesprecher Walter Frik: «Normalerweise hätte der Mann einen Marschbefehl zur Entlassung aus der Militärdienstpflicht durch die kantonale ­Militärverwaltung erhalten sollen. Offenbar ist diese Aufforderung nicht erfolgt.»

Und warum fällt das fehlende Gewehr erst jetzt auf? Frik: «Die kantonalen Datenbanken wurden 2006 durch die Logistikbasis der Armee übernommen. Bei der im letzten Jahr gestarteten systematischen Überprüfung wurden unterschiedliche Datensätze festgestellt, die nun korrigiert werden, weshalb das Aufgebot zur Abrüstung nun verschickt wurde.»

Sepp Truffer machte 1968 die Rekrutenschule bei den ­Gebirgsfüsilieren in Bellinzona. Nach zwei Jahren stiess er zu den Fliegertruppen beim Luftwaffenstützpunkt Gebidem im Oberwallis.

Hier fand er 1970 auch seinen Job: Er wurde der technische Verantwortliche für die Mili­tärseilbahn. Und blieb es für 36 Jahre. Das Militärmaterial wird Sepp Truffer nicht fehlen. «Es war mir gar nicht bewusst, dass die Sachen noch unter dem Dach lagern.»

Seit Dienstag sind sie im Zeughaus Sitten.

Alle Kommentare (15)

  • Clemens  Häfele , Innsbruck
    Wie schön ist die Schweiz wieder soviel sicherer geworden. Immerhin gehen von Waffen in den Händen gesetzestreuer Bürger so grosse Gefahren aus.

    [/ironie aus]

    Wie wäre es den Kampf mal den illegalen Waffen zu widmen?
    • 15.06.2012
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  • Mike  Egger
    Sorry aber für 14 Jahre auf dem Estrich sieht mir das Material doch viel zu gut aus. Besonders der sehr gute Zustand des Sturmgewehrs sticht ins Auge.
    • 15.06.2012
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    • Monika  Weilenmann , Dübendorf , via Facebook
      Wieso soll es nicht in gutem Zustand sein, wenn der Estrich trocken ist und er das Material zugedeckt oder in einer Kiste hatte.Wir fanden in den 80er im Estrich Bajonett, "Aff" usw. meines Grossvaters Jg 1890! und alles war noch in gutem Zustand.
      • 15.06.2012
      • als Kommentar auf Mike  Egger
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  • A.  Meier , Basel
    Beim Lesen der Kommentare wird immer klarer, dass bei der Armee noch riesiges Sparpotenzial vorhanden wäre!!!
    • 15.06.2012
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  • Roland  Christen , via Facebook
    Und was kommt als nächstes? Vergessen Sie doch glatt noch Personen zu rekrutieren... Na dann viel Spass in der besten Armee der Welt. Ich muss ja nicht gehen...
    • 15.06.2012
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  • Roger  Borer , Basel , via Facebook
    Die Frage sollte lauten: Was fehlt ausser den Gewehren noch!?Munition, Sprengstoff, Handgranaten und Panzer etc.. Das PC-System kostete über eine Milliarde, bis jetzt und es funktioniert immer noch nicht. Die beste Armee der Welt lässt grüssen.
    • 15.06.2012
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