Die grosse Diskussion um die Explosion der Gesundheitskosten Die Schweiz hat Tausende Spitalbetten zu viel

  • Publiziert: 21.04.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Marcel Speiser
play Kostenfaktor Spitalbett: Die Schweiz leistet sich zu viele. (RDB/Iris Stutz)

26 Milliarden Franken kosten uns die Spitäler schon heute. Und nirgendwo sonst steigen die Kosten schneller.

Plus 4 Prozent: So stark sind die Ausgaben für das Gesundheitswesen letztes Jahr gestiegen. Das hat das Bundesamt für Gesundheit bekannt gegeben.

Besonders massiv gestiegen sind die Kosten bei den Spitälern: plus 10,4 Prozent bei den ambulanten Behandlungen (ohne Übernachtung im Spital), plus 1,5 Prozent bei den stationären Behandlungen.

Am Tag des heutigen Notfall-Prämiengipfels ist also klar: Will Bundesrat Pascal Couchepin die Explosion der Gesundheitskosten in den Griff bekommen, muss er beim grössten Kostenblock ansetzen. Bei den Ausgaben für die Spitäler. Denn sie verschlingen fast die Hälfte der Gesamtausgaben von rund 57 Milliarden Franken (siehe Grafik). Insgesamt sind es 26 Milliarden, welche die Steuer- und Prämienzahler für Behandlungen im Spital ausgeben müssen. Tendenz stark steigend.

Warum ist das so? Es gibt zwei Hauptgründe: Erstens liegen wir Schweizer länger im Spitalbett als Patienten im Ausland. Gemäss OECD-Zahlen bleibt ein Schweizer im Schnitt gut 8 Tage im Spital. Das sind vergleichsweise 2 bis 3 Tage mehr als in den meisten Industriestaaten. Würden die Schweizer nur einen Tag weniger im Spital liegen, liessen sich locker 1,3 Milliarden Franken einsparen. Dann aber stünden Betten leer. Die Spitalbetreiber würden nichts mehr verdienen.

Zweiter Hauptgrund für den gigantischen Kostenblock Spitäler: Die Schweiz leistet sich im internationalen Vergleich viel zu viele Spitalbetten (siehe Grafik). Gemäss Daten der OECD teilen sich bei uns 1000 Einwohner 18 Spitalbetten. In Italien, England, Kanada und den USA sind es im Vergleich weniger als 5 Betten.

Im Klartext: In der Schweiz gibt es Tausende Spitalbetten zu viel, in denen die Patienten zu lang liegen.

Bernhard Wegmüller, Direktor des Spitalverbandes H+, sieht das anders: «Die Zahl der Spitalbetten wiederspiegelt den für die heutige Versorgung und die heutigen medizinischen Möglichkeiten notwendigen Bedarf.» Sparen will er nicht mit dem Abbau von Betten, sondern mit sogenannten Fallpauschalen. Spitäler werden nicht mehr für einzelne Leistungen und Tage bezahlt, sondern pro Fall. Für einen Blinddarm gäbe es einen fixen Betrag. «So werden Spitäler belohnt, die qualitativ gut und kostengünstig arbeiten», sagt Wegmüller.

Das Problem: Das neue System kommt frühestens 2012 – der Prämienschock ist schon da.

play Spital-Lobbyist: Bernhard Wegmüller vom Verband H+. (ZVG)

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