Diese Woche fallen die Entscheidungen beim Poststellenabbau Die Post bleibt im Dorf

  • Publiziert: 11.04.2009, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Hannes Britschgi und Marcel Odermatt

Der neue Post-Präsident Claude R. Béglé fordert von der Politik einen Deal: Er geht beim Umbau des Poststellen-Netzes sehr behutsam vor, dafür verlangt er eine Banklizenz für die Post.

Sein Auftritt wurde mit Spannung erwartet: Am Mittwoch sprach der neue Verwaltungsratspräsident der Post, Claude R. Béglé (59), erstmals vor wichtigen Kommissionen des National- und Ständerats. Was die Parlamentarier am meisten interessierte: Was sagt der frischgebackene Chef zu den Spekulationen, dass der gelbe Riese schon bald Hunderte von Mini-Poststellen in der ganzen Schweiz schliessen wird?Zur Freude der meisten Politiker stellte Béglé diese Gerüchte jedoch klar in Abrede. Im Gegenteil: Der Post-Präsident machte sich vor der Kommission für ein dichtes, flächendeckendes Postnetz stark. Diese Position bekräftigt er auch im Interview mit SonntagsBlick: «Das Netz ist ein Wert. Dieses Thema, in kleinen Dörfern die Post zu schliessen, ist hoch sensitiv.»Die Post erstelle eine Liste der Poststellen, die überprüft werden. «Ein Teil dieser Stellen bleibt, ein Teil wird zu Agenturen oder für den Hausservice umgewandelt. Aber keine Gemeinde wird ohne Postdienstleistung zurückbleiben», verspricht Béglé. Das Vorgehen will der gelbe Riese diese Woche kommunizieren. Dabei will die Post laut SonntagsBlick-Recherchen wie folgt handeln:Zwischen 400 und 500 der insgesamt 2400 Poststellen fallen in den nächsten drei Jahren weg, werden zu Agenturen umgewandelt oder auf Hausservice umgestellt. Rund 100 machen dieses Jahr zu. Die vom Abbau betroffenen Gemeinden können Rekurs bei der Poststellenkommission gegen den Entscheid eine Beschwerde einreichen. Ihr Entscheid ist endgültig. Doch fürs tapfere Festhalten am Service public verlangt Béglé von der Politik einen Deal. Er fordert im Gegenzug Unterstützung für eine Banklizenz light. Das Netz verursache Kosten, und die Postbank sei die einzige Möglichkeit, neue Einnahmequellen zu erschliessen. Ohne diese Verdienstchance sei die finanzielle Unabhängigkeit der ganzen Post gefährdet. Ob der Post-Chef eine politische Mehrheit dafür findet, ist offen. SP-Nationalrat Andrea Hämmerle (62, GR): «Wenn Claude Béglé dafür sorgt, dass das Poststellennetz grundsätzlich erhalten bleibt, müssen wir der Post auch etwas geben. Das muss aber nicht zwingend die Banklizenz light sein.»

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