Der verhinderte Frauenmörder von Hirschthal Die Polizei sucht in der ganzen Schweiz Opfer

Natasha (18) hat sich erfolgreich gewehrt. Ihre Kratzspuren sind in Heinz Käsers Gesicht zu sehen.

  • Publiziert: 02.08.2012
  • Von Daniel Riedel, Adrian Schulthess und Michael Spillmann
play

Das Fahndungsfoto der Kantonspolizei Aargau: Erkannt wurde er kurz nach der Tat durch die Kratzspuren im Gesicht.

Ganz verzweifelt sucht Heinz Käser (28) aus Hirschthal AG nach einer Frau. «Ich kann nicht viel bieten. Aber das, was ich geben kann, kommt aus dem Herzen», schreibt er in einem seiner vielen Internet-Profile. Sein grösster Wunsch: «Eine Freundin zu haben, Millionär zu werden.»

Geklappt hat nichts davon.

Jetzt hat er sich eine Frau geholt. Er wollte sie erschiessen. Um sich an ihrer Leiche zu vergehen!

Scheinbar zufällig suchte sich Heinz Käser in der Nacht auf Sonntag Natasha (18) aus. «Er wollte sie mit einem ge­zielten Kopfschuss umbringen. Um sie dann sexuell zu missbrauchen», sagt Urs Winzenried, Chef der Aargauer Kriminalpolizei.

Dieses grausige Geständnis legt Käser noch in der Tatnacht ab. Unmittelbar nach seiner Verhaftung, im Polizeiauto.

Ein «technischer Defekt» rettet Natasha das Leben. Das 6,35-Millimeter-Geschoss aus Käsers Taschenpistole bleibt am Sonntagmorgen kurz vor 1 Uhr in ihrer Kopfhaut stecken. Sie schreit. Zerkratzt ihm das Gesicht. Er reisst sie zu Boden. Sie wehrt sich, bis er aufgibt.

Sein grösstes Hobby war Bahnfahren

Rund zwei Stunden später kehrt Heinz Käser an den Tatort zurück. Um nach seiner Waffe zu suchen, die er verloren hat. Die Polizei nimmt ihn fest. Sie erkennt ihn am zerkratzten Gesicht. Die Kampfspuren sind auch auf den Fotos zu sehen, welche die Polizei veröffentlicht hat. «Wir gehen davon aus, dass der Täter nicht zum ersten Mal eine Frau attackiert hat», sagt Winzenried. Die Polizei hofft, dass weitere Opfer Käser wiedererkennen.

Sie könnten aus der ganzen Schweiz sein – Heinz Käser verbrachte seine Freizeit am liebsten im Zug. «Meistens sah man ihn an der WSB-Haltestelle. Er fiel auf, weil er die Frauen immer anstarrte. Aber er sprach nie eine an», sagt Melanie (19). «Sein ganzer Stolz war sein Generalabo. Damit prahlte er herum.»

Auch in der «Traube» in Hirschthal schwärmte er von seinen Reisen. «Wo er überall hingefahren sei. Nach Basel oder ins Berner Oberland zum Beispiel», sagt ein Gast. «Aber er erzählte immer nur von der Hin- und Rückfahrt im Zug. Nie vom Ziel.» Eine Zeitlang jobbte Käser als Minibar-Steward im Inter­city.

Bahnfahren sei sein grösstes Hobby. Das schreibt Käser auch im Internet. «Im Zug, im Speisewagen oder zu Hause» treffe man ihn an, schreibt er etwa bei «Webcity». Was er schon immer tun wolle: «Wieder mit einer Frau schlafen.» Seine schlimmste Angst: «Dass mich alle auslachen.»

Der ungelernte Hilfsarbeiter wohnt noch bei den Eltern. Nachbar Fritz Schär (70): «Der Bub konnte einem nie in die Augen schauen. Man bekam ihn nur zu Gesicht, wenn er auf dem Balkon rauchte. Meistens schaute er in Richtung Bahnstation.»

Dort suchte er sich am Sonntag auch Natasha aus. Ist sie nur eines von vielen Opfern?

Mehrere Frauen meldeten sich bis gestern, so Kantonspolizei-Sprecher Bernhard Graser. «Ob auch sie angegriffen wurden, können wir noch nicht sagen. Die Abklärungen laufen.»

Werbung überspringen

Beliebteste Kommentare

  • Adrijana  Berishaj , St. Gallen
    Ich degradiere mich zur "buh-frau" der nation aber ich empfinde mitleid für diesen käser. Er scheint erheblich psychische störungen zu haben. Ich denke, da haben alle schön weggeschaut. Ziemlich sicher gabs vorher auch schon auffälligkeiten. Eine frühzeitige therapie hätte womöglich geholfen. Dem opfer wünsche ich alles alles gute.
  • Beat  Hartmann , via Facebook
    Es wird nicht damit getan sein, ihn wegzusperren. Da liegen gröbere Probleme vor. Lehrreich wäre, zu erfahren, wie und warum es zu den der Tat zugrunde liegenden Problemen kam. Dass einer derart austickt, verlangt nach einer Erklärung.

Alle Kommentare (9)

  • Carol  Wimmer , via Facebook
    Bei der heutigen digitalen Dimenz ist sich die Schweiz gar nicht bewusst wie viele " Heinz Käsers " in unserem Land herumlaufen. Sollte man nicht die Menschen, die solche erkennen und trotzdem ihre Augen verschliessen aus ihren Träumen wecken???
    • 02.08.2012
    • 8
    • 3
  • Urs  Müller , Winikon
    Vor fast genau zwei Jahren gab es einen ähnlichen Fall in Spreitenbach AG. Dort wurde eine junge Frau auf ihrem Nachhauseweg von der Arbeit um ca. 23 Uhr im Hauseingang mit dem Messer angegriffen. Auch dort hat das Opfer von einem Tötungsversuch gesprochen. Leider blieben die Ermittlungen der Polizei damals ergebnislos.
    • 02.08.2012
    • 16
    • 2
  • Tanja  Schütz , via Facebook
    Eine Freundin kann er sich so nicht ersetzen. Wer ein GA zahlen kann, kann sich auch eine Nacht im Freudenhaus leisten. Ich habe hier Mitleid für das Opfer.
    • 02.08.2012
    • 32
    • 2
  • Isabelle  Elis , Igis , via Facebook
    Wie krank ist das?????Sorry, aber das kann ich nicht entschuldigen. Ich bin mir sicher, dass es noch mehr solche kranke Menschen gibt. Wer weiss vielleicht auch schon in der Nachbarschaft.
  • Andy  Ryser , Muhen
    Ein grosses Kompliment an die ermittelnden Behörden, für den schnellen Zugriff, insbesondere aber dafür, dass kein Täterschutz betrieben wird! Der Schutz des Opfers, der Bevölkerung sowie potentiellen, zukünftigen Opfern haben viel höhere Priorität, als der Schutz eines einzelnen, der einer jungen Frau in den Hinterkopf schiesst, um sich an ihr zu vergehen! Ich Wünsche dem Opfer, dass die körperlichen, vor allem aber auch die seelischen Wunden schnell heilen!
    • 02.08.2012
    • 81
    • 5
Seite 1 2 »
Seitenanfang

Top 3

1 Hockey-Helden mussten mit Schweden-Flieger heim Swiss lässt Nati sitzen!bullet
2 Streit mit den Nachbarn «Mein Lusthaus ist ein Frusthaus»bullet
3 Kaum offen, schon wieder zu Pässe werden wegen Schnee geschlossenbullet

Schweiz