Warum es so laut donnerte Die Nacht der Mega-Blitze

ZÜRICH - Vergangene Nacht kühlten Gewitter die Schweiz runter. Es krachte teilweise gewaltig. Vor allem das laute Krachen der Donner war auffällig. Experten haben unterschiedliche Theorien dazu.

  • Publiziert: 16.08.2012
  • Von Melanie Gath
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Mega-Blitz über Zürich.

(Keystone)

Gegen 23 Uhr ging es los. Es regnete in Zürich. In der Ferne waren erste Blitze zu sehen und ein leises Grollen zu hören. Gegen 2 Uhr in der Nacht nahm das Gewitter über der Stadt Fahrt auf. Aus dem Grollen wurde ein lautes Krachen. Es waren Schläge, die regelrecht aufschreckten. Teilweise schien das Haus zu wackeln. Und es war nicht das erste Gewitter in diesem Sommer mit auffällig lauten Donner-Geräuschen. 

Meteorologe Joachim Schug von der Meteomedia AG hat zwei Theorien. «Wir hatten in der letzten Zeit häufig Gewitter in der Nacht. Da es um diese Zeit draussen sehr ruhig ist, fällt es vermutlich mehr auf», sagt er. Zudem beobachte er, dass die Gewitter aus den Bergen häufiger auch den Weg ins Flachland finden.

Starke Ladung über Zürich

Seine zweite Erklärung: «Die Lautstärke eines Donners hängt von der Stromstärke des Blitzes ab», sagt Schug. Die besonders lauten Blitze seien mit über 200'000 Ampere geladen.

Der Meteorologe kann bestätigen, dass sich in der vergangenen Nacht beispielsweise über Zürich viele positive Blitze entluden. Es sind Blitze, die sich aus Gewitterwolken weiter oben entladen. «Diese brauchen eine höhere Ladung um bis auf die Erde zu kommen», sagt er. Und diese seien somit lauter.

«In der vergangene Nacht waren etwa drei Viertel der Blitze positiv», sagt Schug. Das sei sehr viel. Normal seien mit etwa 70 Prozent deutlich mehr Blitze negativ als positiv. Ob es sich dabei um ein spezielles Phänomen in diesem Sommer handelt, könne man erst nach dem Sommer sagen.

Der Schweizer Gewitterjäger Cyrill Steiger hat das Phänomen der ungewöhnlich lauten Donner ebenfalls beobachtet. «Dazu gibt es bisher noch keine abschliessenden Forschungsergebnisse» , sagt er. Die Theorie der Meteorologen ist ihm bekannt. «Doch ich habe auch beobachtet, dass sich nicht immer diese Theorie anwenden lässt, sondern auch zusätzliche Bedingungen berücksichtigt werden müssen», sagt der Gründer von Xtreme Weather Tours.

Ein Blitz mit 286 Kiloampere im Wallis

Steiger verfolgt unter anderem die These, dass sich vom Blitz erzeugte Schallwellen (Donner) in kalten Luftschichten anders verhalten müssen, als in warmen. Die Ausbreitungsstärke und - geschwindigkeit soll demnach von Luftdruck, Temperatur und Feuchtigkeit, das heisst auch der Dichte der atmosphärischen Schicht abhängen. «Ich bin daran, Beweismittel zu sammeln, um die subjektiv intensivere Wahrnehmung mancher Donner mit physikalisch nachvollziehbaren Prozessen erklären zu können.»

Ein weiterer Umstand, den der Gewitterjäger prüft: Dass in gebirgigen Regionen die Energie der Blitze im Durchschnitt höher ist, als im Flachland; zumindest auf die Schweiz und die Alpenregion, sowie auf Bodenblitze mit positiver Ladung bezogen.

Er sagt: «Im Wallis wurde kürzlich ein Blitz mit 286 Kiloampere gemessen. Das ist enorm viel, rund 20 mal stärker als die Ladung eines durchschnittlichen Blitzes.» Er vermutet: «Die Leute werden nach dem Donner senkrecht im Bett gestanden haben.»

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Alle Kommentare (2)

  • Walter  Lehmann
    Es wurde zuwenig genau erklaert wie die Schallwelle endsteht:

    Je nach Intensität des Blitzes wird im Blitzkanal die Luft innert Sekundenbruchteil auf ca. 25000-30000 Grad Celsius aufgeheizt dadurch ensteht ein gewaltiger Ueberdruck welcher sich mit Ueberschallgeschwindigkeit ausdehnt. Dadurch endsteht der Donner.
    • 17.08.2012
    • 6
    • 1
  • Beat  Hemmi , Widnau
    Entweder hab ich alles verschlafen oder die ganze Meteo-Show hat einen grossen Bogen um das SG Rheintal gemacht ...

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