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Beim Betreten des nüchternen Baus von MeteoSchweiz hoch über der Stadt am Zürichberg ist die Nervosität mit Händen zu greifen. Das Gespräch erinnert an eine Pressekonferenz in der ehemaligen DDR. Tonbandaufnahmen und Fotografieren verboten. Und das in einem Bundesamt.
Die staatlichen Wetterfrösche empfangen BLICK nur mit grossem Widerwillen. Und schon nach wenigen Sätzen wird klar: Eigentlich würden die Beamten am liebsten selber bestimmen, was geschrieben wird – und was nicht.
MeteoSchweiz wähnt sich als Opfer einer Kampagne. Ausgelöst von den privaten Wetterfröschen Kachelmann & Co. Diese sind stinksauer. MeteoSchweiz liefert ihnen zum Teil fehlerhafte Daten. Deshalb wollen sie ihr Geld zurück (siehe Link oben).
«Das sind Profilierungsaktionen der Herren Kachelmann & Co. zugunsten ihrer eigenen Dienstleistungsangebote», wettert Gerhard Müller. Der stellvertretende MeteoSchweiz-Direktor ist überzeugt, dass die Arbeit seines Amtes qualitativ hervorragend ist. «Unser Messnetz gehört zu den besten der Welt.» Natürlich komme die eine oder andere Panne vor. «Das lässt sich in der Meteorologie nicht vermeiden. Schliesslich müssen wir unter extremen Bedingungen messen.»
Auf der Jungfrau etwa. Dort stimmte die von MeteoSchweiz gemessene Windrichtung nicht. Der Grund: Der Windmesser ist nicht optimal. Und neue wetterfeste Geräte gibts nicht. Der Markt ist klein. Der einzige verlässliche Hersteller hat die Produktion eingestellt. Trotz all dieser Widrigkeiten liege die Messgenauigkeit bei 98,5 Prozent. Sagt Gerhard Müller.
Jörg Kachelmann (48) von Privatanbieter Meteomedia sagt etwas anderes: «In Anbetracht unserer Topografie hat MeteoSchweiz eine Wetterstationen-Dichte wie etwa Simbabwe», höhnt er. «Weltweit gesehen ist die Schweiz wahrscheinlich unter den zehn schlechtestbedienten Ländern in Sachen Wetterbeobachtungen im eigenen Land.»
Kachelmann will deshalb zusammen mit MeteoNews-Chef Peter Wick (40) und Sponsoren ein eigenes Messstellen-Netz aufbauen. Geplant sind für den neuen Onlinedienst «meteocentrale.ch» bis Mitte 2008 rund 200 Stationen. In Betrieb sind 40, davon 12 seit dem 20. November 2006. Ende Jahr sollen 150 stehen.
Peter Wick: «Damit können wir die riesigen Lücken im System ‹Swissmetnet› der MeteoSchweiz füllen und die Daten- und Vorhersagequalität steigern.» Dass diese bei MeteoSchweiz zu wünschen übrig lässt, findet auch SF-Wetterfrosch Christoph Siegrist (34): «MeteoSchweiz bestimmt die Regeln. Ob falsch oder richtig geliefert wird, spielt keine Rolle.»
Nicht nur deswegen reissen die privaten den staatlichen Wetterfröschen die Schenkel ab.
Stefan Kunz (56) vom Berner Meteotest: «Dieses Bundesamt kann mit Steuergeldern Produktentwicklung betreiben, ein Messstellennetz aufbauen und dann erst noch Gebühren für die kommerzielle Nutzung der Dienste verlangen. Das ist absolut störend.» BLICK-Wetterfrosch Peter Wick donnert: «MeteoSchweiz hat auf dem privaten Markt nichts verloren.»
Ob sich dann das Sturmtief über MeteoSchweiz wieder verzieht?