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Die Krise erreicht das Rotlicht-Milieu   : Nur noch Billig-Sex für Banker

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Jetzt müssen die Banker auch im Puff den Gürtel enger schnallen. Für Luxus-Sex fehlt das Geld, leisten können sie sich nur noch das Kurzprogramm.

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Club «Dream» in Dübendorf ZH, Mittwochnachmittag. An der Bar langweilt sich ein halbes Dutzend Mädchen. Sie sind leicht bekleidet, sprechen über Männer und den besten Nagellack. Viel zu tun gibt es um diese Zeit nicht.

Noch vor wenigen Wochen sah es ganz anders aus. Banker aus dem nahen Zürich schauten zu dieser Stunde gern vorbei, zu dritt oder mehr. Sie trugen feine Anzüge, bestellten den teuersten Champagner und liessen die Puppen tanzen.

Geld spielte keine Rolle. «5000 Franken liessen die Banker an einem Nachmittag locker liegen», sagt Clubbetreiber Patrick Knupfer (39).

Die goldenen Zeiten sind vorbei. Die Tausendernötli sitzen nicht mehr so locker, nicht nur bei den Bankern. Für exzessive Lustspiele fehlt das Geld, leisten können sich viele Kunden nur noch das Kurzprogramm.

«Für uns ist das natürlich viel weniger attraktiv. Wir müssen heute doppelt so viele Kunden bedienen, um auf denselben Lohn zu kommen», sagt die Ukrainerin Sandy (28), die seit drei Jahren in Zürich anschafft. «So schlecht lief es noch nie», sagt sie und zupft an ihrem Minirock.

Viele Clubs haben auf die Flaute reagiert: Im Dream kostet die halbe Stunde Sex seit März noch 140 statt 210 Franken. So bringe er den Laden auch in der Krise voll, sagt Knupfer.

Fast jedes Puff lockt zurzeit mit Spezialpreisen: Beim Hot House in Zürich etwa gibts das Doppelvergnügen mit zwei Girls für 300 statt 400 Franken.

Den Clubs bleibt kaum eine andere Wahl. Denn nebst Rezession kämpfen sie mit einem weiteren Problem: die Konkurrenz. Immer mehr Sexarbeiterinnen drängen in die Schweiz, vor allem Frauen aus Ungarn und Rumänien. Die Behörden in Zürich, Bern und Basel melden einen Höchststand.

«Die Anzahl Dirnen stieg seit Anfang Jahr massiv», bestätigt beispielsweise Marco Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei Zürich. Zahlen nennt die Polizei nicht. Szenekenner gehen jedoch allein in Zürich von insgesamt 5000 Prostituierten aus.

«Neben Ausländerinnen steigen immer mehr Schweizerinnen ins Gewerbe ein», sagt Milieu-Anwalt Valentin Landmann (58).

Auch auf dem Strassenstrich hat sich der Preiskampf verschärft. In Basel sind seit Anfang Jahr vermehrt Schwarzafrikanerinnen im Sexgewerbe. Immer häufiger werde die Polizei zu Streitigkeiten gerufen, sagt deren Sprecher Klaus Mannhart.

Auslöser ist meist das Gerangel um Freier. Behörden und Frauenorganisationen bestätigen den Preiszerfall, allerdings nicht offiziell.

Denn wenn die Kunden davon erfahren, könnten noch mehr Frauen ausgebeutet werden. Schon heute ist Sex auf dem Strassenstrich für 30 Franken zu haben.

«Banker tauchen meist in Gruppen auf»

Saskia (28) und Lara (39) arbeiten seit Jahren im Sexbusiness. Mit Bankern haben sie viel Erfahrung.

Woran erkennt man einen Banker?
Saskia:
Einen Banker erkennen wir inzwischen meist auf den ersten Blick. Sie sind immer gut gekleidet, tragen teure Anzüge, Schlips oder Krawatte.

Lara: Zudem protzen sie gern und spielen den Macho. Manche sind auch sehr hochnäsig.

Saskia: Ja, zudem reden sie über intelligentere Dinge als andere Freier.

Unterscheiden sich Banker denn von anderen Kunden?
Saskia:
Sehr. Sie tauchen fast immer in Gruppen auf.

Lara: Sie gaben bis vor kurzem viel Geld aus und sind wählerisch.

Saskia: Stimmt. Sie suchen sich nur die schönsten Frauen aus. Viele halten uns auch für etwas blöd.

Lara: Unter den Finanzleuten gibt es auch viele Mitläufer. Die kommen mit ihren Arbeitskollegen zu uns ins Bordell, haben Spass, aber keinen Sex – zunächst. Im Stillen wählen sie eine Frau aus und gehen dann brav heim. Tags darauf kreuzen sie wieder auf, ohne Kollegen.

Saskia: Solche Männer nennen wir respektvolle Ehemänner…

Lara: Übrigens, Banker erzählen ständig irgendwelche Witze.

Saskia: Die meisten finden wir nicht lustig, aber wir müssen trotzdem so tun, als ob wir sie sehr toll fänden.

Wie ist die Finanzkrise denn bei euch angekommen?
Saskia:
Vor allem die Banker geben extrem weniger Geld aus.

Lara: Aber das würden sie nie zugeben. Dafür sind sie viel zu stolz.  

Discount-Sex

• Fantasia Neuhausen SH: Sex ab Fr. 50.–

• Contessa Steinach SG: GV plus französisch, Gratis-Getränke, Fr. 100.–

• Oase Oensingen SO: Sex plus Eishockey-WM-Spiele live, Eintritt, Getränke und Erotik inkl. Fr. 300.–

• Dream Dübendorf ZH: Sex für Fr. 140.– statt Fr. 210.–

Sex: Das 2,4-Milliarden-Business

Rund 20 000 Prostituierte arbeiten in der Schweiz. 2005 waren es noch 13200. Wegen der steigenden Anzahl Sexworkerinnen sinkt deren Bruttoeinkommen auf etwa 120000 Franken.

Der Umsatz bleibt stabil: Das Geschäft mit dem käuflichen Sex bringt jährlich 2,4 Milliarden Franken ein. «Diese Rechnung ist plausibel», sagt Professor Friedrich Schneider, Experte für Schattenwirtschaft.
Sex-Gewerbe leidet unter der Wirtschaftskrise

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