ZÜRICH – Soll einer sagen, die Schweizer seien fantasielos: Wenn sie sich vor der Parkbusse drücken wollen, kennt ihre Fabulierkunst keine Grenzen.
Der Verkehrsminister als Lieferant: Bundesrat Moritz Leuenberger kauft ein Buch und ein paar Bilder – und vergisst, die Parkgebühr zu bezahlen. Seine Ausrede: Das sei doch «Güterumschlag» gewesen.
Der fehlbare Minister hatte Glück: Ein grossmütiger Polizist beliess es bei einem freundlichen Verweis – und warf das «Füfzgerli» gleich selber ein.
Immerhin: Mit seiner Ausrede ist Leuenberger in guter Gesellschaft: Müssen sich Schweizer Parksünder rechtfertigen, sind sie kreativ. Das zeigt eine Umfrage bei den Stadtpolizisten:
Oft gehört: das «Bisi»-Problem. «Ich musste ganz dringend! Hätte ich noch Geld einwerfen müssen, hätte ich in die Hosen gemacht.» Die Ausrede gibts auch in der Variante Durchfall – und mit dem Hinweis: «Schliesslich war das Polster im Auto ziemlich teuer».
Wer nicht selber muss, lässt die Kleinen herhalten: «Mein Kind konnte es nicht mehr ‹verheben›. Für die Parkuhr blieb keine Zeit mehr.»
Zeigt der Polizist kein Verständnis, heisst es: «Sie haben wohl keine Kinder, oder?» Sowieso sind immer die anderen schuld: «Ich wollte eigentlich schon lange zahlen, aber die Serviertochter kam einfach nicht.»
Die Serviertochter ist beliebig austauschbar mit anderem Fachpersonal: der Arzt, bei dem man warten musste, der Chef, der die Sitzung überzog.
Bundesrat Leuenberger definiert «Warenumschlag» mit einem Buch und ein paar Bildern. Es gibt Leute, die sehen es noch etwas grosszügiger: «Ein Brief-couvert ist ja auch eine Ware!»
Einige Verkehrsteilnehmer können einen Parkplatz nicht von einem Parkhaus unterscheiden. Die Polizisten kriegen dann zu hören: «Ich dachte, die erste Stunde sei gratis.»
Eine Mutter parkiert auf dem Fussgängerstreifen vor dem Kindergarten. Als unsere Gesetzeshüter sie auf ihren Fehler hinweisen, heisst es: «Wenn ich weiter weg parkiere, findet mein Kind das Auto nicht.»
Bei Einkaufszentren locken die Behindertenparkplätze. Sie sind schön nah beim Eingang und ersparen die lästige Parkplatzsuche.
Ertappte Falschparker entwickeln oft eine kurzfristige Sehbehinderung: «Ich konnte die Bodenzeichnung des Behindertenparkplatzes nicht sehen, sie war mit Laub (wahlweise: Schnee) zugedeckt. Die Tafel? Ist nicht gerade gut sichtbar angebracht, oder?»
Manche Parksünder halten sich aber gar nicht erst mit fantasievollen Erklärungen auf. Sie haben ganz grundsätzliche Probleme mit dem Bezahlen von Parkgebühren: «Ich zahle doch in dieser Stadt schon Steuern, da muss ich doch keine Parkgebühren bezahlen!»
Eins haben alle Ausreden gemeinsam: Zum Erfolg führen sie kaum (siehe Box). Es bleibt: richtig parken oder Busse akzeptieren. Nicht empfohlen – aber trotzdem beliebt – ist der Spruch: «Händ Sie nüt Wichtigers z’tue?»
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Spätestens wenn Sie diesen roten Hinweis sehen, wirds Zeit für eine Ausrede. (Keystone)