Die erschütternde Einvernahme von Stephan L. (20) Ich wurde gedemütigt, erniedrigt und wie ein Hund behandelt

Mit einem Kopfschuss tötete Stephan L. (20) im März 2015 seinen Vater (†67).

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In der Schlusseinvernahme gestand Stephan L.* (20), im März 2015 in Pfäffikon ZH seinen Vater († 67) getötet zu haben. BLICK zitiert die wichtigsten Passagen.

Staatsanwalt Markus Oertle: Sie empfanden, dass Ihr Vater wenig Interesse an Ihnen hatte und es häufig Streit gab. Sie waren der Auffassung, Ihr Vater sei für die Alkoholprobleme Ihrer Mutter und deren Tod verantwortlich.

Stephan L.: Ja.

Staatsanwalt: Am Tattag meldeten Sie sich um 7.30 Uhr wegen eines Unwohlseins per SMS von der Arbeit ab und informierten das Opfer mit einer Notiz. Um 9 Uhr rüttelte Sie der Geschädigte wach und schlug Sie (...) ins Gesicht, beschimpfte Sie und schickte Sie zum Arzt. (Notiz: Dieser kam zum Schluss, dass die Magenprobleme psychosomatisch seien. Er wies Stephan an, seine Prüfungsangst mit dem Vater zu besprechen).

Darauf lachte Sie der Geschädigte aus, nannte Sie ein Weichei und erklärte, Sie gingen ganz nach Ihrer Mutter. Sie weinten und waren infolge der Reaktion des Opfers ängstlich, enttäuscht, wütend. Sie entschlossen sich, Ihren Vater zu erschiessen. (Notiz: Stephan L. holt die Pistole des Vaters.) Darauf luden Sie die Pistole und wickelten eine Decke um den Arm mit der Pistole, um damit die Waffe zu verbergen?

Stephan L.: Ja, leider.

Staatsanwalt: In der Folge gingen Sie ins Wohnzimmer, wo der Geschädigte auf seinem Fernsehsessel lag, traten hinter ihn, wobei Sie vorgaben, Sie würden etwas suchen. Dann hoben Sie die Waffe und schossen ihm in den Hinterkopf?

Stephan L.: Ja, leider.

Staatsanwalt: Danach verliessen Sie die Wohnung in der Absicht, sich zu erschiessen. Um 20.30 Uhr gingen Sie zum Polizeiposten Pfäffikon, um sich zu stellen. (Notiz: Posten war unbesetzt.) Dann telefonierten Sie mit der Kapo und teilten mit, dass Sie Ihren Vater getötet haben.

Stephan L.: Ja.

Staatsanwalt: Sie haben (...)heimtückisch gehandelt. So haben Sie sich nach einem Streit, wie er (...) zwischen einem Vater und seinem heranwachsenden Sohn vorkommt (...) entschlossen, Ihren Vater zu töten und dieses (...) im Sinne einer eigentlichen Hinrichtung umgesetzt?

Stephan L.: Ich weiss nicht, was mich an diesem Tag geritten hat. Aber absolut nichts auf dieser Welt kann eine derartige Tat rechtfertigen. Ich werde mit diesem Gewissen leben müssen.

Staatsanwalt: Sie haben (...) dem Opfer keine Chance gelassen.

Stephan L.: Ich musste jahrelang alles mitmachen, wurde gedemütigt, beleidigt, erniedrigt, behandelt, als ob ich ein Hund wäre (...). In jenem Moment war ich nahe am Wahnsinn.

Staatsanwalt: (...) wobei Ihnen (...) andere Möglichkeiten zur Lösung der Probleme offen gestanden wären.

Stephan L.: So wie ich meinen Vater kannte, wäre er nicht (...) darauf eingegangen und hätte mich, wie sonst auch immer, abgeschoben.

Staatsanwalt: Sie haben sich des Mordes schuldig gemacht.

Stephan L.: (...) das habe ich meinem Vater nie antun wollen. Trotz allem, wie er mich und meine Mutter behandelt hat, vermisse ich ihn sogar.

* Name der Redaktion bekannt

Lesen Sie auch den Artikel von Gestern zum Fall: «Es war kein Mord, es war Verzweiflung»

Publiziert am 30.03.2016 | Aktualisiert am 30.03.2016
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17 Kommentare
  • Fritz  Ruh 30.03.2016
    Ich frage mich ernsthaft, wer von uns noch normal ist! Haben die vielen "Verständnisvollen" einmal darüber nachgedacht, wer und wo sie wären ohne den Vater, oder die Mutter? Vater- oder Muttermord ist eines der schlimmste Verbrechen seit es Familien gibt! Wenn der junge Mann so clever ist, kaltblütig einen Kopfschuss anzubringen, hätte er vielleicht schon früher Verantwortung für sein eigenes Leben übernehmen können und sich selbständig "durchschlagen".
    • Sonja  Zwicker 31.03.2016
      "Wer und wo sie wären ohne Vater und Mutter?" Die Kinder können schliesslich nicht entscheiden, ob sie hier sein wollen oder nicht! Bestimmt würden Einige darauf verzichten...
      Eltern sind verpflichtet, für ihre Kinder zu sorgen, und ihnen die nötige Liebe zu schenken. Eine gute Erziehung kommt meistens (leider nicht immer) auf die Eltern zurück. Morde aus unberechtigtem Hass oder aus Habgier sind unverzeihlich, aber diese Tötung ist für mich verständlich!
  • Bernhard  Zueger , via Facebook 30.03.2016
    Wird es Mördern nicht zu einfach gemacht?
    Entweder der Mörder hat Gründe, wie dieser junge Mann, seinen Vater umzubringen. Man glaubt ihm, hat Mitleid und ebnet ihm den Weg für ein gutes, weiteres Leben.
    Oder es handelt sich um herzlose, brutale Mörder. Die haben keine Entschuldigung und werden deshalb als psychisch gestört eingestuft. Was ja auch wieder einer Entschuldigung gleichkommt.
    Unsere Gesellschaft hat offenbar den Verstand verloren.
  • Paul  Moser , via Facebook 30.03.2016
    Ich kann den jungen Mann gut verstehen,denn ich habe das gleiche mit meiner Mutter durch gemacht.Nichts als schläge,gedemütigt und hat sich sogar in meine Familie gemischt.Wenn ich dazumal eine Waffe gehabt hätte-ich hätte genau so gehandelt!!!
  • Michael  Tomov aus Koror
    30.03.2016
    Er hatte die Möglichkeit, aufzustehen, eine Tasche zu packen und das Haus zu verlassen, für immer. Auch ohne Tasche. Solange man gehen kann, hat man kein Recht, so zu reagieren, weder juristisch, noch moralisch bzw. ethisch. Alles andere ist Gefasel.
    • Peter  Nüesch aus Balgach
      30.03.2016
      ganz meiner Meinung. zumal die Darstellung nun ja sehr einseitig ist, weil der Vater ja nichts mehr sagen kann. ganz schön feige. aber wenn man sieht, wieviel Verständnis dem Mörder entgegengebracht wird, muss man sagen: symptomatisch für eine Gesellschaft, wo jeder dem andern Schuld gibt für seine Fehler, Defekte oder Versagen, aber wenn einem das Glück lacht, dann hat das natürlich nur mit der eigenen tollen Qualität und Leistung zu tun.
  • Lucio Silva  Safnanno aus San Vito Lo Capo
    30.03.2016
    Wenn sich zwei verbal krabbeln und der eine anfängt zu weinen heisst das, dass er in der Rhetorik unterlegen ist. Dann heissts, die wunden Punkte beim anderen suchen und zurück schlagen.