Heute letzter Teil: Machen Deutsche aus der Schweiz ein 2. Mallorca?
von Sibylle Berg | Aktualisiert um 06:04 | 23.02.2007
«Wir erleben die Invasion der Deutschen in die Schweiz. Die Schweizer sind verunsichert, haben Angst vor einer feindlichen Übernahme.»
«Angst davor, dass die Schweiz ein zweites Mallorca wird und die Eingeborenen mehr und mehr zu Gastarbeitern im eigenen Land werden. Dabei kann verunsichert nur werden, wer sich seiner Sache nicht sicher ist.
Ich weiss nicht, ob die Schweizer ähnliche Ängste vor dem Verlust von – was eigentlich – hatten? – Etwa bei der Einwanderungswelle aus Italien, bei den Kollegen aus dem Balkan, den freundlichen Herrschaften aus Sri Lanka.
Ich könnte mir denken dass, nein, dass es keinem eingefallen wäre, dass die Zugezogenen aus jenen Ländern dem Schweizer Sprache, Kultur und Wohnraum rauben.
Warum fürchten wir uns dann vor den Deutschen? Haben Sie gemerkt, wie ich wir gesagt habe? Dummer Fehler, denn ich lebe auch erst seit über 10 Jahren hier, und selbst wenn es irgendwann 20 sein werden, eine Schweizerin wird darum nicht aus mir.
Ich muss gestehen, dass auch ich immer öfter zusammenzucke, wenn ich nur mehr gestochene deutsche Sätze höre, von Deutschen bedient werde, Deutsche in den Restaurants treffe, im Tram, überall, und ich erinnere mich, dass ich, als ich hierher kam, jahrelang keine Deutschen traf, und offen gestanden war ich froh darum, denn Deutschland war ja das Land, das ich mit grossem Gerne verlassen hatte.
Nicht wegen der netten Berge, der freundlichen Kühe und der überbordenden Mietpreise war ich gekommen, sondern weil ich mich mit dem, was für mich als Ausländer das Land auszeichnete, so zu Hause fühlte. Mit der Schweizer Zurückhaltung, der Sorgfalt, dem etwas Schrulligen der Bergbewohner, dem trockenen Humor der Schweizer.
Jahrelang hörte ich mir deutsche Vorurteile zu meiner neuen Heimat an – wie spiessig, wie öde, wie stur, wie reich – da willst du wohnen. Wollte ich, und das Einzige, was mir jetzt ein wenig Sorge macht, ist, dass die vielen neuen Zuwanderer nicht kommen, weil sie die Menschen und die Traditionen so mögen, sondern weil sie hier Geld machen können und das Wetter besser ist und die Berge so schön zum Skifahren.
Dass sie die Schweiz eben als neues Mallorca betrachten, gehn wir doch hin und okkupieren den Laden, die werden sich schon anpassen, die Schweizer, denn wir sind schneller, lauter, gewitzter. Verunsichern lässt sich, wer unsicher ist, und das macht mir Sorge.
Sind die Schweizer stur genug, um sich nicht im Stillen zu fragen, ob ihre Sprache wirklich deutsch genug, ihre Sorgfalt nicht zu langsam und ihre Eigenwilligkeit nicht zu störend ist im grossen Wettbewerb um das Überleben der Fittesten?
Doch optimistisch vertraue ich auf die Sturheit der Schweizer. Die Neuzuwanderer werden in der Migrosschule Schweizerdeutsch-Kurse belegen, sie werden von ihren Arbeitgebern zur Sorgfalt und Höflichkeit angehalten, sie werden sich integrieren und leise zu reden lernen, und freundlich zu sein vielleicht auch, denn letztlich sind auch Deutsche Menschen, irgendwie, und auch aus ihnen können Schweizer werden, und dann können wir alle wieder ruhig schlafen und auf die nächste Invasion Zuwanderer aus irgendeinem interessanten Land warten, denn so geht das jetzt, in unserer globalisierten Welt – alle wandern irgendwohin, wo es ihnen besser scheint, nur wir bleiben hier, denn wir wissen: Besser als die Schweiz geht kaum.
www.sibylleberg.ch
Ich weiss nicht, ob die Schweizer ähnliche Ängste vor dem Verlust von – was eigentlich – hatten? – Etwa bei der Einwanderungswelle aus Italien, bei den Kollegen aus dem Balkan, den freundlichen Herrschaften aus Sri Lanka.
Ich könnte mir denken dass, nein, dass es keinem eingefallen wäre, dass die Zugezogenen aus jenen Ländern dem Schweizer Sprache, Kultur und Wohnraum rauben.
Warum fürchten wir uns dann vor den Deutschen? Haben Sie gemerkt, wie ich wir gesagt habe? Dummer Fehler, denn ich lebe auch erst seit über 10 Jahren hier, und selbst wenn es irgendwann 20 sein werden, eine Schweizerin wird darum nicht aus mir.
Ich muss gestehen, dass auch ich immer öfter zusammenzucke, wenn ich nur mehr gestochene deutsche Sätze höre, von Deutschen bedient werde, Deutsche in den Restaurants treffe, im Tram, überall, und ich erinnere mich, dass ich, als ich hierher kam, jahrelang keine Deutschen traf, und offen gestanden war ich froh darum, denn Deutschland war ja das Land, das ich mit grossem Gerne verlassen hatte.
Nicht wegen der netten Berge, der freundlichen Kühe und der überbordenden Mietpreise war ich gekommen, sondern weil ich mich mit dem, was für mich als Ausländer das Land auszeichnete, so zu Hause fühlte. Mit der Schweizer Zurückhaltung, der Sorgfalt, dem etwas Schrulligen der Bergbewohner, dem trockenen Humor der Schweizer.
Jahrelang hörte ich mir deutsche Vorurteile zu meiner neuen Heimat an – wie spiessig, wie öde, wie stur, wie reich – da willst du wohnen. Wollte ich, und das Einzige, was mir jetzt ein wenig Sorge macht, ist, dass die vielen neuen Zuwanderer nicht kommen, weil sie die Menschen und die Traditionen so mögen, sondern weil sie hier Geld machen können und das Wetter besser ist und die Berge so schön zum Skifahren.
Dass sie die Schweiz eben als neues Mallorca betrachten, gehn wir doch hin und okkupieren den Laden, die werden sich schon anpassen, die Schweizer, denn wir sind schneller, lauter, gewitzter. Verunsichern lässt sich, wer unsicher ist, und das macht mir Sorge.
Sind die Schweizer stur genug, um sich nicht im Stillen zu fragen, ob ihre Sprache wirklich deutsch genug, ihre Sorgfalt nicht zu langsam und ihre Eigenwilligkeit nicht zu störend ist im grossen Wettbewerb um das Überleben der Fittesten?
Doch optimistisch vertraue ich auf die Sturheit der Schweizer. Die Neuzuwanderer werden in der Migrosschule Schweizerdeutsch-Kurse belegen, sie werden von ihren Arbeitgebern zur Sorgfalt und Höflichkeit angehalten, sie werden sich integrieren und leise zu reden lernen, und freundlich zu sein vielleicht auch, denn letztlich sind auch Deutsche Menschen, irgendwie, und auch aus ihnen können Schweizer werden, und dann können wir alle wieder ruhig schlafen und auf die nächste Invasion Zuwanderer aus irgendeinem interessanten Land warten, denn so geht das jetzt, in unserer globalisierten Welt – alle wandern irgendwohin, wo es ihnen besser scheint, nur wir bleiben hier, denn wir wissen: Besser als die Schweiz geht kaum.
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