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Teil 2: Jetzt reden die Deutschen «Natürlich haben Schweizer Vorurteile...»

Aktualisiert um 17:26 | 20.02.2007

ZÜRICH – Die Deutschen sind da! Und jetzt haben sie das Wort. Im zweiten Teil der BLICK-Serie erzählen Deutsche, was ihnen gefällt in der Schweiz – und was sie stört.



Ulrike Ahrendt (43), Unternehmerin aus Berlin, lebt seit drei Wochen in Dübendorf ZH. (Toini Lindroos)
Ulrike Ahrendt (43), Unternehmerin aus Berlin, lebt seit drei Wochen in Dübendorf ZH. (Toini Lindroos)
«Die Schweiz hat es mir angetan. Als ich vor einem Jahr in Zürich war, wusste ich: Hier gehöre ich hin. Ich mag die Schweizer Mentalität. Die Leute strahlen so viel Ruhe und Gelassenheit aus. Und sie sind offen. Das kennt man in Deutschland gar nicht mehr. Im Moment suche ich Arbeit in der Schweiz und entdecke das Land. Überall werde ich mit offenen Armen empfangen. In zwei Wochen habe ich vier Mal Käsefondue gegessen. Immer anders. Nur mit dem Schwiizertüütsch habe ich noch Probleme. Aber ich möchte es unbedingt lernen.»
Thomas Riedel (39), Chef de Service aus Dresden, lebt seit 17 Jahren in Andermatt UR. (Toini Lindroos)
Thomas Riedel (39), Chef de Service aus Dresden, lebt seit 17 Jahren in Andermatt UR. (Toini Lindroos)
«Ich bin hier oben sehr gut aufgenommen worden. Aber was in der letzten Zeit passiert, macht mir Sorgen. In den Medien wird viel Negatives über die Deutschen in der Schweiz berichtet. Im Alltag merke ich noch nicht, dass ich angefeindet werde. Aber es besteht die Gefahr, dass irgendwann negative Reaktionen kommen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man hier nicht den Deutschen rauskehren sollte. Die Schweizer sind gemütlicher als wir. Und als Gäste in ihrem Land müssen wir uns anpassen. Allerdings nicht bei der Sprache: Obwohl ich schon lange hier lebe, spreche ich kein Schwiizertüütsch. Bei mir klingt es einfach zu komisch.»
Thorsten Dolata (36), Informatiker aus Waldshut-Tiengen, arbeitet seit fünf Jahren in Zürich. (Paolo Foschini)
Thorsten Dolata (36), Informatiker aus Waldshut-Tiengen, arbeitet seit fünf Jahren in Zürich. (Paolo Foschini)
«In der Schweiz gibt es immer wieder Personen, die sich sehr über uns Deutsche ärgern. Ich merke das beim Autofahren oder Einkaufen. Die Leute lassen mich warten oder wenden sich offen von mir ab. Ausserdem höre ich oft Ausdrücke wie ‹Nazikopf›. Diesen Leuten fehlt das offene Denken. Ausserdem arbeiten doch auch in Deutschland viele Schweizer. Meist dicke Bosse mit einem Wahnsinns-Gehalt. Darauf sind wir auch nicht neidisch! Meine persönliche Meinung zu den Schweizern ist trotz allem sehr positiv. Ich habe mehr wirkliche Freunde in der Schweiz als in Deutschland. Und auch politisch gesehen empfinde ich mehr Solidarität für die Schweiz: weil ich hier aufgenommen wurde und hier arbeiten darf.»

Umfrage: Katia Murmann
Artikel aus der Zeitung

Karin Moor-Kästner (59), Angestellte aus Dresden , lebt seit sechs Jahren in Gstaad BE.

(Karl-Heinz Hug)
(Karl-Heinz Hug)

«Als ich das erste Mal in die Schweiz gekommen bin, wusste ich sofort: Hier möchte ich bleiben. Schnell habe ich Arbeit gefunden, erst in einem Bergrestaurant, dann in einem Café. Und trotzdem war es schwer für mich, im Saanenland Fuss zu fassen. Nicht weil ich Deutsche bin, sondern weil man als Fremde nur schwer Kontakt zu den Einheimischen bekommt. Wenn man sich aber gut anpasst und sich sehr einsetzt, kann man sich integrieren. Ich bin froh, dass ich heute in der Schweiz leben darf – es ist hier um Welten besser als in Deutschland. Allen Schweizern kann ich nur sagen, dass sie stolz und glücklich sein können, Schweizer zu sein.»

Ricardo Kern (35), Gipser aus Berlin, lebt seit 21/2 Jahren in Safnern BE.

(Ueli Hiltpold)
(Ueli Hiltpold)

«Ich arbeite auf dem Bau. Da erlebe ich schon, dass Schweizer Angst haben, wir Deutschen würden für weniger Geld arbeiten und ihnen die Jobs wegnehmen. Auf den Toiletten stehen Sprüche wie ‹Deutsche raus›. Aber das nehme ich nicht persönlich. Direkt angefeindet wurde ich noch nie – das entspricht wohl auch nicht der Schweizer Mentalität. Dass ich in die Schweiz gegangen bin, war für mich der beste Schritt meines Lebens. Wer hier arbeiten will, kann arbeiten. Und am Monatsende bleibt – anders als in Deutschland – auch noch etwas vom Gehalt übrig.»

Benjamin Sommer (35), Apotheker aus Hamburg, lebt seit vier Jahren in Solothurn.

(André Albrecht)
(André Albrecht)

«Viele Deutsche denken, dass die Schweiz so eine Art kleines Deutschland ist. Aber das ist sie nicht. Sie ist ein eigenes Land mit einer eigenen Kultur. Dieser Kultur müssen wir uns anpassen, wenn wir hierher kommen. Dann haben wir keine Probleme. Ich selbst hatte noch nie das Gefühl, dass ich nicht willkommen bin. Ich lebe gerne in der Schweiz. Hier lohnt es sich zu arbeiten. Das ist in Deutschland anders. Natürlich haben die Schweizer Vorurteile gegenüber uns Deutschen. Aber die haben wir umgekehrt ja auch. Ich finde, beide Seiten sollten die Dinge einfach ein bisschen entspannter und differenzierter sehen.»

Das sagen Blick.ch-Leser
Roman, Zürich - 17:15 | 20.02.2007
» Arrogante Deutsche? Sicher gibt es die auch. Aber solche Pauschalurteile sind ziehmlich daneben. Und übrigens: Google-Test: "arrogante deutsche" gibt 499 Hits, "arrogante zürcher". 103 Hits. Ins Verhältnis zu den Bevölkerungszahlen gesetzt ein interessantes Ergebnis.
Katrin, Bern - 17:08 | 20.02.2007
» Wenn man diese Diskussion in Deutschland publik machen würde, würde man sich Fragen, ob es nicht wichtigere Dinge in Europa gibt als Öl ins Feuer veralteter Ansichten zu kippen anstatt freundschaftliche und gute Nachbarschaft zweier Industrienationen zu pflegen.
Matthias, Bern - 16:59 | 20.02.2007
» Bravo Marius! Hoffentlich wird sich das (sehr gute) Ansehen der Schweiz in 2008 nicht ändern, denn das Image der Schweiz in Deutschland ist ausgesprochen gut und positiv und bevor ich hierher gekommen bis, war es auch bei mir so. Dies ganze Diskussion ist leider so einseitig und absolut hinterwäldlerisch. Wenn dann in 2008 viele Fans nach CH kommen, fahren Sie alle hoffentlich mit ausschliesslich guten Erinnerungen heim, wie es die Gäste 2006 in Deutschland getan haben. Good luck dabei CH! Mit diesen uralten Klischees "Gut Nacht"!
Jasmin, Basel - 16:58 | 20.02.2007
» Bin jetzt mal alle Beiträge hier durchgegangen. ca. 50% der Schweizer sagen die Deutschen sollen als Zeichen der Anpassung schweizerdeutsch lernen, die anderen 50% sagen wir sollen es doch um Himmels willen lassen, es würde sich furchtbar anhören, sie fühlten sich veräppelt,..... Was ist denn nun eigentlich das Richtige?
Norah, Mettmenstetten - 16:54 | 20.02.2007
» Jetzt habe ich extra wegen diesem Thema mal den Blick gekauft, und nerve mich unsäglich über diverse Leserbriefe. Wo bleibt unser Selbstbewusstsein! Oder haben wir gar keins? Ich habe sieben Jahre im Ausland gelebt, die letzten vier in Deutschland. Mein Mann arbeitet bei einem deutschen Weltkonzern. Als unsere Freunde damals erfuhren, dass wir für vier Jahre zu den Germanen ziehen, waren alle entsetzt. Überall hin, nur nicht zu den Schwaben!! Viele haben uns dann besucht und waren äusserst überrascht – die sind ja gar nicht so wie wir meinten. Deutschland hat wunderschöne Landschaften und Städte. Solche gibt’s bei uns nirgends. Wir haben vier sehr schöne Jahre dort verbracht, als dann der Zeitpunkt der Rückkehr immer näher kam, war ich unglücklich. Ich wäre gerne noch länger geblieben!!!! Einmal im Jahr fahre ich wieder ins Rheinland und besuche meine Freunde. Ich glaube, dass die Schweizer einen Minderwertigkeitskomplex gegenüber Deutschen haben. Wenn es darauf ankommt, sind die Deutschen parat, nicht so zögerlich wie die Schweizer. Bestens zu beobachten beim letzten Fussball-Länderspiel. Und was soll das gejammere, dass sie die besten Arbeitsstellen bekommen? Wenn sie besser ausgebildet sind als wir, stimmt etwas in unserem Land nicht. Also, Schweizer, nicht jammern sondern tätig werden.
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