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Teil 1: So lästern die Schweizer «Ich kann kaum noch mit jemandem CH-Deutsch reden»

von ralph donghi, Paola Pitton, KatiA Murmann, Georg Nopper | Aktualisiert um 13:20 | 15.10.2007

ZÜRICH – Die Deutschen sind da! Und sie sind überall: in Chefetagen, beim Bund, in Krankenhäusern, Universitäten, auf Baustellen. Letztes Jahr kamen 24700 Deutsche in die Schweiz – 21 Prozent mehr als 2005. Heute leben mehr als 170´000 Deutsche hier. Und Experten sind sicher: Es kommen noch mehr Deutsche zu uns. Deshalb fragt BLICK: Wie viele Deutsche verträgt die Schweiz? Müssen wir uns gegen sie wehren? Oder tun sie der Schweiz gut? Im ersten Teil der BLICK-Serie kommen Schweizer zu Wort. Und sagen frisch von der Leber weg, was sie von den Einwanderern aus dem Norden halten



Severine Saladin (24), Visagistin aus Olten SO.
Severine Saladin (24), Visagistin aus Olten SO.
«Ich habe bisher vorwiegend schlechte Erfahrungen gemacht mit Deutschen. Sie kamen mir meistens unfreundlich vor und zeigten sich auch nicht gerade hilfsbereit. Ich will nicht verallgemeinern: Aber die meisten kommen doch nur in die Schweiz, um grosses Geld zu verdienen! Und dann gehen sie irgendwann zurück nach Deutschland und leben dort wie die Fürsten.»
Bruno Schurtenberger (40), Geschäftsführer aus Staufen AG.
Bruno Schurtenberger (40), Geschäftsführer aus Staufen AG.
«Ich verstehe die Angst vieler Schweizer um ihren Job, weil Deutsche viel billiger arbeiten. Allein im Pflegebereich gibt es ja teilweise nur noch Deutsche. Privat sind die Deutschen eigentlich schon sympathisch – solange man mit ihnen alleine ist. Wie ich es erlebe, werden sie zum Teil unangenehm, sobald sie in der Gruppe auftauchen. Ich selber habe natürlich auch schon über Deutsche gelästert. Sie sollten einfach etwas lockerer werden und etwas mehr eine südländische Einstellung zum Leben haben. Dies gilt allerdings auch für uns Schweizer!»
Regula Sutter (20), Malerin aus Benglen ZH.
Regula Sutter (20), Malerin aus Benglen ZH.
«In meinem beruflichen Umfeld gibt es immer mehr Deutsche. Ich kann mich kaum noch mit jemandem auf Schweizerdeutsch unterhalten. Und wenn ich mich dann weigere, Hochdeutsch zu sprechen, heisst es gleich, wir Schweizer seien Rassisten. Einem meiner Kollegen sagte man beim Bewerbungsgespräch in einem Temporärbüro, ein Deutscher würde den Job für 20 Franken pro Stunde machen. Mein Kollege müsse diesen Lohn akzeptieren, wenn er den Job wolle. Die Deutschen kommen also als Billigarbeitskräfte in die Schweiz und ruinieren unseren Arbeitsmarkt.»
Artikel aus der Zeitung

Linda Hofer (44), Geschäftsführerin aus Zürich.

«Ich bin Deutschland-Fan und habe während der Fussball-WM in Zürich ein Deutschland-Trikot getragen. Die Schweizer haben mich behandelt, als hätte ich die Pest. Sie haben mich gemieden, überall, wo ich hinkam, wurde es ganz ruhig. Und hinten herum haben sie geläster, wie es halt Schweizer Art ist. Wenn ich dann auf Schwiizertüütsch gefragt habe, ob sie ein Problem haben, haben sie doof geschaut. Das hat mich sehr nachdenklich gemacht. Es muss ja furchtbar sein, in unserem Land als Deutscher zu leben. Ich finde es schade, dass manche Schweizer so gegen die Deutschen sind. Dabei sind wir doch gar nicht so verschieden.»

Samuel Rafique (22), Elektromonteur aus Hinwil ZH.

«Auf der Baustelle habe ich täglich mit Deutschen zu tun. Ihre Zahl hat massiv zugenommen, seit ich 2001 angefangen habe zu arbeiten. Von den rund 40 Arbeitern auf meiner jetzigen Baustelle sind etwa ein Dutzend Deutsche. Das beunruhigt mich und meine Kollegen. Die Deutschen, die in die Schweiz kommen, sind gut ausgebildet und arbeiten gut – wenn sie dann noch bereit sind, für weniger Geld zu arbeiten, dann sieht es schlecht für uns aus. Ausserdem nervt mich, dass viele Deutsche kaum mit einem reden – selbst wenn ich auf sie zugehe, gibt es kaum Kontakte.»

Reto Hugentobler (27), Gipser aus Rapperswil SG.

«Ich arbeite auf Baustellen viel mit Deutschen zusammen. Ich finde, wir sind uns ziemlich ähnlich. Mit den Deutschen kann man gut reden und es lustig haben. Ich empfinde sie nicht als arrogant. Es ist schon richtig, dass es immer mehr Deutsche gibt. Aber die Deutschen wissen, warum sie hierher kommen: um zu arbeiten und um Geld zu verdienen, nicht um unsere Sozialsysteme auszubeuten. Vor fünf Jahren kündigte mir meine Firma und stellte billigere Deutsche an. Aber ich bin nicht auf die Deutschen sauer, sondern auf unsere Politiker und unsere Wirtschaft, die so etwas erlauben.»

Kommentar: Reizthema Deutsche offen angehen

Die Aufregung ist gross, bevor die BLICK-Serie überhaupt begonnen hat. Aufgeschreckt durch den Werbespot «Wie viele Deutsche verträgt die Schweiz?» meldeten sich Deutsche auf der Redaktion, die bange fragten, was wir denn schreiben würden.

Keine Angst, liebe Deutsche, unsere Serie wird keine Kampagne gegen euch. Aber die Deutschen in der Schweiz sind ein Reizthema. Es muss auf den Tisch. Wir stellen die Fragen: Nehmen Deutsche den Schweizern die Jobs weg? Drücken sie die Löhne? Welche Vorurteile haben wir gegenüber den Deutschen? Wie deutsch fühlen sich die Deutschschweizer selber?

Viele Schweizer lästern nur hintenrum über die Deutschen (siehe Umfrage-Resultate). Darum haben als Erste jene Eidgenossen das Wort, die hinstehen und sagen, was sie denken.

Die Deutschen dürfen morgen zurückgeben. Und bekanntlich wissen die sich ja verbal zu wehren.

Rolf Cavalli, Stellvertreter des Chefredaktors

Lesen Sie heute im Blick:
Die grosse Umfrage – wie finden die Schweizer die Deutschen?

Lesen Sie morgen im Blick: Jetzt reden die Deutschen!

Das sagen Blick.ch-Leser
LADINA, AARGAU - 19:23 | 07.04.2008
» Die Deutschen sind natürlich nicht auf Sozialhilfe angewiesen. Natürlich ist die Zahl gross. Solche Emigration wäre eigentlich schon normal. Wer weiss,wie gross ist Arbeitslosigkeit in Germany. In der Schweiz ist immer noch auch grosse Arbeitslosigkeit. Der Aufbau von neue Arbeitstelle läuft nicht. Stark überfördert sind die Leute, die sind älter als 45-50,kriegen kein Job. Warum so grosse Sorgen über 16-18 J.,die können noch von Eltern Hilfe bekommen. Jetzt Flüchtlinge, die angewiesen auf Sozialhilfe, (hunderte tausenden)nicht einfach 2,3 tausend. Diese fallen auch auf schweizerische Familien. Und keine Ende. Die Deutschen kommen hier arbeiten. Viele Schweizer wollen auch arbeiten. Die flüchtlinge wissen über supersozialhilfe ohne Arbeit. Solche Politik entäuscht. Schweizer schauen sie mehr deutsche Sendungen, wie suchen Glück in andere Länder und überlegen - warum?!
Bora Bader, Gettnau - 10:51 | 18.02.2008
» Mir scheint ihr vergesst einiges. Ich lebe hier und arbeite hier. Um uns hat es CH-Firmen mit komplett Deutscher Führung. Wieso muss ein Chef 60 Bewerbungsgespräche anhören um einen Deutschen einzustellen? Was die Löhne angeht: Man findet nirgends etwas über Bezahlungen. Wie soll ein Ausländer wissen ob sein Verdienst gut ist oder nicht? Die Deutschen können auf Minimum-Prinzip leben, ihr leider nicht. Eure Sprache zu lernen ist schon gut, aber wenn sich keiner mit einem unterhält, für wen soll mans lernen? Nicht einmal in der Kirche!!!! Haben wir vielleicht die Pest oder wie?? Ihr wollt in Europa mitmischen, Weltgerichte führen aber sonst in den Bergen alleine sein. So ganz funktioniert das auch nicht. Ansonsten bin in CH sehr zufrieden. Die wenigen die uns Antworten sind TipTop.
Oli, Chur - 11:39 | 19.10.2007
» Also ich habe eine geteilte Meinung von Deutschen die in der Schweiz. Viele Deutsche die ich kenne sind angenehm, freundlich und fleissig. Ich habe auch keine Angst, dass sie uns die Arbeit wegnehmen könnten. Was mich aber total nervt sind Deutsche, die hier schon viele Jahre leben und trotzdem nur die Hochdeutsche Sprache sprechen. Um es mal in aller Deutlichkeit zu sagen, hier wird Schweizer Dialekt gesprochen und es gibt extra Kurse um den Dialekt zu lernen. Man darf wohl erwarten, dass sich jemand, der in ein anderes Land auswandert sich mit der Zeit sprachlich vollständig integriert.
Thomas, Berlin - 18:17 | 19.02.2007
» Liebe Nachbarn, Ihr habt ja echt noch Probleme... Hier in Berlin-Prenzlauer Berg und -Mitte wimmelt es nur so von Schweizernund kein Mensch regt sich auf. Und der Chef der Deutschen (!) Bank ist hier zwar sehr unbeliebt, aber doch nicht, weil er Schweizer ist, das interessiert ueberhaupt niemanden. Die Globalisierung ist keine Einbahnstraße: Ihr glaubt doch wohl nicht etwa, dass Ihr nach Lust und Laune durch die Weltgeschichte duesen koennt, waehrend Ihr nur auslaendisches Geld bei Euch arbeiten lasst? Trotzdem: Ich mag Euch.
Oliver B, Zürich - 18:15 | 19.02.2007
» Ich lebe seit 9 Jahren in der Schweiz, Schweizer Freundin, Schweizer Freunde, Schweizer Job (in einer amerikanischen Firma) und habe inzwischen auch einen kritischeren Blick auf meine Landsleute aus Deutschland, nicht selten gehen diese auch mir auf den Keks, genauso wie ich mich nie an bestimmte, typische Eigenschaften der Schweizer gewöhnen werde. Eine Kombo ist am besten... viele Schweizer Freunde gehen gerne mit Deutschen aus, die sind dynamischer und offener. Ich arbeite viel lieber mit Schweizern, die sind pragmatischer, und entspannter als die Deutschen. Letzten Endes wird das Problem auch medial und politisch gepusht. In der Realität leben Deutsche und Schweizer friedlich miteinander, und können aus meiner Sicht viel voneinander lernen und profitieren.
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