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Hunderte von Fussgängerstreifen hat Gianantonio Scaramuzza im Laufe seiner 25 Dienstjahre inspiziert. Doch bei diesem gerät er ins Schwärmen.
Es ist ein sonniger Vormittag auf der Steinbachstrasse in Belp BE, als der Sicherheitsexperte der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) den Superzebrastreifen vorstellt. «So muss ein sicherer Fussgängerstreifen aussehen», sagt Scaramuzza. «Er erfüllt alle wichtigen Sicherheitskriterien.» Sein Urteil: Note 5,9. Eine glatte 6, so glaubt er, existiere nicht.
Wie wichtig ein sicherer Zebrastreifen ist, zeigen die vergangenen Wochen: Mindestens sechs Menschen kamen bei Unfällen im Bereich von Fussgängerstreifen ums Leben. Erst am Freitag wurde in Effretikon ZH ein 91-Jähriger schwer verletzt.
Nur rund die Hälfte aller Schweizer Zebrastreifen entspricht den gültigen Sicherheitsnormen, und nur wenige sind so ideal wie der in Belp. 1998 wurde aus dem Mangelstreifen dank bfu-Beratung ein Superstreifen.
Die fünf wichtigsten Kriterien: In der Strassenmitte bekam er eine Schutzinsel, die Beleuchtung wurde erneuert und liefert jetzt auch nachts taghelles Licht, die Sichtweite ist ausgezeichnet. Schon aus 100 Meter Entfernung können Fussgänger die nahenden Autofahrer erkennen. Aber auch die Autofahrer haben jetzt gute Sicht.
Nicht nur menschliches Leid, auch immense Kosten
Weil der Streifen zwischen dem Bahnhof und einem Wohnquartier liegt, überqueren hier täglich Hunderte Menschen die Strasse. «Und genau das macht ihn sicherer», sagt Scaramuzza. «Wenn man einen Zebrastreifen hat, den täglich nur eine Person kreuzt, sind die Autofahrer unaufmerksamer und übersehen den Fussgänger leichter.» Ein weiterer Pluspunkt des Vorzeigestreifens: Er führt nur über zwei Fahrspuren.
Hört Scaramuzza von Unfällen auf Fussgängerstreifen, ärgert er sich – jedes einzelne Mal. «Wenn alle Streifen die Sicherheitsnormen erfüllten, könnte man einen Grossteil der Unfälle vermeiden», glaubt er.
Tatsächlich bedeuten Tote und Verletzte nicht nur menschliches Leid, sie verursachen auch immense Kosten: Die bfu schätzt den materiellen Schaden pro Jahr auf rund 260 Millionen Franken. Scaramuzza: «Mangelhafte Streifen sanieren zu lassen, würde dagegen einmalig geschätzte 200 Millionen kosten.» Langfristig sei die Sanierung also auch finanziell ein Gewinn.
Dass die Verantwortlichen oft erst handeln, wenn etwas passiert ist, hat Scaramuzza selbst erfahren: Als er in einer Gemeinde Sicherheitsbedenken wegen eines beantragten Zebrastreifens äusserte, wurde er wegen des nötigen Aufwands jäh zurückgewiesen. «Drei Jahre später rief man mich zurück an den Ort und bat mich, ein neues Konzept zu erstellen. Dieses Mal standen Kerzen an jener Stelle, weil ein Kind totgefahren worden war.»
Eine gute Infrastruktur reicht jedoch nicht, um Unfälle zu verhindern. Scaramuzza: «Wenn Autofahrer oder Fussgänger unaufmerksam sind, nutzt auch der sicherste Fussgängerstreifen nichts.»
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Früher: Störende Hecke: Früher gingen Passanten hinter ihr auf den Überweg zu, heute sind sie für Autofahrer sichtbar. (ZVG)