SVP-Präsident Toni Brunner «Der Rückzug aus der Regierung ist eine Option»

  • Publiziert: 18.30 Uhr, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Joël Widmer und Marcel Odermatt
play Toni Brunner, Appenzeller Bless Luna und Kalb Franca (v.l.). (Karl-Heinz Hug)

Toni Brunner (34) rechnet mit einem Sieg der CVP im Rennen um die Couchepin-Nachfolge, denkt über den Auszug der SVP aus dem Bundesrat nach und spricht über Familienplanung sowie Erziehung.

Wer macht das Bundesratsrennen – FDP oder CVP?
Toni Brunner:Das ist ein abgekartetes Spiel. Spannend wird es nicht. Die CVP ist sich mit den linken Parteien einig. Sie macht wohl das Rennen. Und es ist schon klar, wer es sein soll: nämlich Ständerat Urs Schwaller.

Wie kommt die CVP zu einer Mehrheit im Parlament?
Mit derselben Koalition, die schon Christoph Blocher abgewählt hat. Die möchte eine Koalitionsregierung links der Mitte installieren, offenbar am liebsten ohne die SVP.

Wer gehört Ihrer Meinung nach zu dieser Koalition
Die CVP zusammen mit der SP führen sie an. Dazu kommen die Grünen und die BDP.

Was geschieht, wenn die CVP einen zweiten Sitz im Bundesrat erobert?
Wenn die CVP ihren Anspruch mit Versprechungen an die Linken durchdrückt, gibt es einen Wechsel weg von der Konkordanz, hin zu einer Koalitionsregierung. Dann wird es eine total neue Ausgangslage geben.

Was wäre die Konsequenz für die SVP?
Wir müssten uns fragen, ob wir noch Feigenblatt spielen wollen. Wenn sich eine Mitte-links-Regierung installiert und wir nur mit einem einzigen Bundesratssitz abgespeist werden, muss die Partei über die Bücher gehen.

Was wären mögliche Szenarien?
Eine Option wäre der Rückzug der SVP aus der Regierung.

Sie sind mit 34 Jahren Präsident der grössten Partei und seit 14 Jahren Nationalrat. Welche Ziele streben Sie noch an?
Ich war nie jemand, der die Zukunft geplant hat. Sonst wäre ich nicht mit 21 Jahren in den Nationalrat gewählt worden. Jetzt bin ich noch voll in der Politik. Für die Zeit danach habe ich aber schon noch Ziele.

Wir sind gespannt.
Es sind Ziele im beruflichen und privaten Umfeld.

Wie lange bleiben Sie Politiker?
Solange mir die politische Arbeit Freude bereitet und ich die Energie aufbringe. Es ist eine schöne Arbeit: Ich bin Präsident der spannendsten Partei der Schweiz, lerne viele interessante Leute kennen!

Wie lange kann man ein so kräftezehrendes Amt ausüben?
Es braucht eine gute Kondition, die habe ich noch. Es gibt aber auch andere Faktoren: Als Parteipräsident ist man wegen der vielen Termine eingeschränkt. Darunter leidet die Spontaneität. Ich bin eigentlich jemand, der gern seine Freiheiten hat. So kann ich mir jederzeit vorstellen, wieder andere Prioritäten zu setzen. Nur: Das geht nicht von einem Tag auf den anderen. Darum denke ich legislaturweise. Jetzt liegt der Fokus auf den nationalen Wahlen 2011. Dem ordne ich alles unter.

Was machen Sie am 1. August?
Neben Ansprachen im Aargau sowie im Emmental und einem Höhenfeuer mit meinen Nachbarn wird zum Nationalfeiertag ein Aufruf von mir in Zeitungsinseraten und im Internet erscheinen. Ich rate den Schweizerinnen und Schweizern: Wehrt euch gegen höhere Steuern und Abgaben und gegen zu viel Einmischung des Staats. Zudem starten wir ab August mit einem neuen Internet-Auftritt.

Was wird neu?
Ich werde twittern. Über diese Internetplattform will ich Interessierte aus erster Hand informieren. So könnte ich etwa direkt aus Parteisitzungen wichtige Entscheide mitteilen. Eine Idee ist auch, dass ich bei den Bundesratswahlen via Twitter direkt aus dem Ratssaal meine Eindrücke wiedergebe.

Das ganze Interview finden Sie im SonntagsBlick.

Toni Brunners kleine Freunde

Als die SonntagsBlick-Redaktoren am Freitagmorgen bei Toni Brunner (34) auf dem Hof eintreffen, sagt der SVP-Präsident als Erstes: «Wartet hier draussen, ich hol schnell meine kleinen Freunde.» Kurz darauf kommt
er mit Kalb Franca und dem Appenzeller Bless Luna aus dem Stall. Das Kalb Franca kam zwei Monate zu früh zur Welt und wurde von Brunner aufgepäppelt. Als er mit den beiden posiert, schleicht sich noch der
11-jährige Kater Rosso ins Bild.  Der heimliche Chef auf dem Hof zankt sich am liebsten mit Luna.
play Gespräch: Toni Brunner mit den Redaktoren Marcel Odermatt (links) und Joël Widmer ob seinem Bauernhof. (Karl-Heinz Hug)

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