Christa Markwalder ist für die Hanfinitiative, Toni Bortoluzzi dagegen Der Kampf ums Kiffen: Chat-Duell und Video

  • Aktualisiert am 19.01.2012

Am Sonntag gehts um die Wurst – und den Joint: Die Hanfinitiative will straffreies Kiffen, ihre Gegner wittern Gefahr. Zwei Vertreter beider Lager beantworten Leserfragen: Christa Markwalder (FDP) und Toni Bortoluzzi (SVP). Daneben ging Blick.ch mit der Kamera auf Stimmenfang.

Heinz, Zürich: Frau Markwalder, warum setzen Sie sich als FDP-Frau derart für die Hanfinitiative ein? Das entspricht ja nicht gerade der Parteilinine.
Christa Markwalder: Doch, die FDP Schweiz und verschiedene Kantonalparteien haben die Ja-Parole zur Hanf-Initiative gefasst. Eigenverantwortung im Umgang mit Substanzen wie Cannabis entspricht einer liberalen Haltung, die unsere Partei vertritt. Zudem habe ich mich vor vier Jahren sehr geärgert über den Nicht-Eintretens-Entscheid des Nationalrats zur BetmG-Revision. Das war der Anlass zur Volksinitiative. Wenn ich mich für etwas einsetze, dann ziehe ich dieses Engagement auch durch.

Philipp, Bern: Liebe Frau Markwalder, kennen Sie die Risiken des Cannabis-Konsums?
Christa Markwalder: Selbstverständlich. Mir ist es ein Anliegen, dass der Cannabis-Konsum nicht verharmlost wird. Schon Paracelsus wusste: Es ist die Dosis, die das Gift ausmacht – das gilt auch für Cannabis. Mit der Initiative kann der Handel kontrolliert und damit ein effektiver Jugendschutz durchgesetzt werden.

Heiri Sigriest, Oberneuforn: Frau Markwalder: Nehmen wir an, dass die Hanfinitiative durchkommt und die Vorlage so umgesetzt wird, wie die Befürworter argumentieren. Besteht Ihrerseits die Vision, dass die Einnahmen der Erträge dann der AHV zugute kommen?
Christa Markwalder: Wenn der Handel kontrolliert und gesetzlich geregelt ist, heisst dies nicht, dass «Erträge» für die AHV erwirtschaftet werden können. Sicher unterliegt das Produkt der Mehrwertsteuer und generiert dadurch direkte Einnahmen für den Bund, die heute in der Tasche von Drogendealern verschwinden.

Stefan, Zürich: Frau Markwalder, die meist gehörte Ausrede der Befürworter aus dem Volk ist, dass sowieso alle kiffen, man es daher legalisieren kann. Müsste man daher nicht auch z.B. Tempolimits oder Alkohol-Altersbeschränkungen aufheben?
Christa Markwalder: Der Vergleich mit den Tempolimiten hinkt stark: Wer rast gefährdet nicht nur sich selber, sondern auch die anderen Verkehrsteilnehmer. Wer Cannabis konsumiert gefährdet sich selber – v.a. wenn er oder sie dies im Übermass macht. Da besteht der grosse Unterschied zum zu schnell Fahren. Was Alterslimiten betrifft: Auch wir vom Initiativkomitee sprechen uns für eine Alterslimite analog zum Alkoholkonsum aus, damit junge Menschen nicht zu früh mit solchen Substanzen in Kontakt kommen. Das heutige Verbotsregime versagt hier komplett: Das Alter des Erstkonsums ist auf unter 16 Jahre gesunken!

Michel, Basel: Liebe Frau Markwalder: Danke, dass Sie hier eine gute Sache unterstützen! Aber denken Sie nicht, dass der Schwarzmarkt weiterhin attraktiv bleibt? Sicher werden viele Konsumenten von MwSt und (erdenklichen) anderen Abgaben abgerschreckt werden.
Christa Markwalder: Mit einer Entkriminalisierung kann der Schwarzmarkt trocken gelegt werden – der beste Beweis sind die USA nach der Aufhebung der Alkohol-Prohibition. Kennt die USA einen Schwarzhandel (und -Produktion) für alkoholische Getränke? Nein, der Markt kann kontrolliert und legal organisiert werden.

Reinhard, Zürich: Frau Markwalder, wären Sie persönlich froh, wenn Ihr Sohn oder Ihre Tochter kiffen würde? Dass Kiffer eine grössere Tendenz haben, mit harten Drogen zu beginnen, ist ja bewiesen.
Christa Markwalder: Es kommt doch immer auf den Blickwinkel an: Die allermeisten Konsumenten harter Drogen haben schon Cannabis konsumiert, hingegen haben die allerwenigsten Cannabis-Konsumenten auch schon harte Drogen ausprobiert. Mit kiffenden Jugendlichen würde ich das Gespräch suchen, Gefahren aufzeigen und allenfalls externe Hilfe in Anspruch nehmen. Das nützt sicher mehr, als ein strafrechtliches Verfahren wie es heute im Gesetz vorgesehen ist.

Berufsschullehrer: Frau Markwalder, bekiffte Lernende fallen im Unterricht negativ auf. Gemäss OR kann das Lehrverhältnis unter diesen Umständen aufgelöst werden. Mit der Legalisierung würde das dahinfallen. Für Bauberufe wäre dies ein nicht eingehbares Risiko. Wie soll denn das geregelt sein in Zukunft, wenn wir den Hanf legalisieren würden. Wer trägt die Unfallkosten, wenn was passiert?
Christa Markwalder: Auch wenn der Cannabis-Konsum straffrei wird heisst das nicht, dass Kiffen am Arbeitsplatz oder in der Schule erlaubt sei. Cannabis hat genau so wenig in der Schule oder am Arbeitsplatz zu suchen wie Alkohol. Ich nehme auch nicht an, dass sie tolerieren dass Ihre Schüler über den Mittag Bier trinken und dann beschwipst in den Unterricht kommen, obwohl der Bierkonsum für über 16-Jährige legal ist.

Philipp: Frau Markwalder, wird es je kiffende Politiker bzw. Bundesräte geben?
Christa Markwalder: Bei Umfragen haben viele Politiker angegeben, auch schon gekifft zu haben. Meines Wissens gibt es aber keine regelmässigen Kiffer im Parlament, geschweige denn im Bundesrat. Ich gehe auch davon aus, dass dies in Zukunft so bleibt.

Reinhard, Zürich: Frau Markwalder, Sie setzen auf Eigenverantwortung. Wenn ein (unerfahrener) Jugendlicher nur einmal das Kiffen ausprobiert, glauben Sie, dass seine Eigenverantwortung dann steigt?
Christa Markwalder: Wir sprechen den Jugendlichen die Eigenverantwortung ja auch in anderen Bereichen nicht ab. Sie müssen in jungen Jahren Entscheide zur Ausbildung und Berufswahl treffen, die ihnen niemand abnehmen kann. Je mehr Verantwortung die Jungen bereit sind zu übernehmen desto risikoärmer ist der Umgang mit Substanzen wie Cannabis.

Manfred Pauli, Zürich: Liebe Frau Markwalder, die Cannabispflanze wurde viele Jahrzehnte ideologisch bekämpft und verteufelt. Halten Sie das Schweizer Stimmvolk heute bereits für kundig genug, der Initiative zuzustimmen und sich von diesem Ballast zu befreien?
Christa Markwalder: Das sehen wir am 30. November. Ich persönlich habe grosses Vertrauen in die Bevölkerung. Aber sie haben recht, Hanf wurde so lange verteufelt dass es nicht einfach wird eine Mehrheit für die Initiative zu finden. Viele Menschen wissen nicht, dass der Cannabis-Konsum in der Schweiz bis Mitte des letzten Jahrhunderts legal war...

Reinhard, Zürich: Glauben Sie wirklich, Frau Markwalder, dass die «Kontrollierbarkeit» (falls diese überhaupt machbar ist) des Handels wirklich zu weniger Kiffen (inkl. allen Risiken) führen kann?
Christa Markwalder: Ja, davon bin ich überzeugt. Denn wer hat heute das grösste Interesse am Hanf-Verbot? Die Drogenmafia die damit Milliarden verdient und sich einen Dreck um die Jugendlichen schert. Im Gegenteil, Dealer haben ein Interesse daran dass Junge möglichst früh und viel kiffen... Und genau das liegt nicht im Interesse unserer Gesellschaft!

Matias Calvo, St. Gallen: Wie will man der Jugend erklären wieso Alkohol legal ist (und sehr viele Familien zerstört) und Cannabis nicht? Oder besser gefragt, was ist den am Alkohol so gut das es legal erwerbbar ist?
Christa Markwalder: Ähnlich wirkende Substanzen wie Alkohol und Cannabis sollte man auch ähnlich behandeln. Mit einer Entkriminalisierung des Konsums kann erreicht werden, dass ohne Angst vor Sanktionen eine Diskussion über den Umgang mit diesen Substanzen geführt wird.

Martin H., Rebstein: Frau Markwalder, worin besteht der Nutzen für die Schweiz bzw. das Schweizer Volk, wenn Kiffen legal wird? Was bringt uns das ausser einem Imageschaden?
Christa Markwalder: 1. klare Prioritäten für Polizei und Justiz 2. einen glaubwürdigen Rechtsstaat 3. einen funktionierenden Jugendschutz 4. eine Erleichterung für alle Patienten, die Cannabis als Heilmittel einsetzen 5. und zig Millionen Mehrwertsteuer

Timo Würgler, Bolligen: Frau Markwalder, Sie sind eine attraktive junge Frau. Wie oft hilft Ihnen das in der Politik, Ihre graubärtigen, glatzköpfigen Kollegen von Ihren Anliegen zu überzeugen?
Christa Markwalder: Ich versuche mit Argumenten zu überzeugen... Darf ich Sie auch davon überzeugen, am 30.11. nicht nur Ja zur Hanf-Initiative zu sagen sondern auch noch Rudolf Burger als Gemeindepräsident von Bolligen zu wählen?! :-) Merci!

Athos Staub, Zürich: Frau Markwalder: Wie setzen wir die Kontrolle des Markets durch, wenn die Initiative angenommen wird?
Christa Markwalder: Lieber Herr Staub, nehmen Sie sich bspw. den Heilmittelmarkt als Vorbild: Wir schaffen es auch Medikamente mit gewissen Risiken und Nebenwirkungen nicht frei zu handeln, sondern auf bestimmte Verkaufsstellen (Apotheken) zu beschränken und sie unter gewissen Bedingungen abzugeben (z.B. Rezept). Wir können den Markt kontrollieren, aber wir müssen auch wollen!

Benjamin Keller, Winterthur: Frau Markwalder. Wird bei einer Legalisierung der THC-Gehalt kontrolliert?
Christa Markwalder: Sicher braucht es einen Konsumentenschutz. Denkbar ist eine einzuführende Deklarationspflicht, damit ein Konsument weiss was er kauft (beim Alkohol sind die Volumenprozente auch anzugeben).

Stefan, Zürich: Frau Markwalder, ist ein «glaubwürdiger Rechtsstaat» einer, welcher sein Gesetz anpasst, wenn die Bürger diese nicht beachten? Das ist doch der falsche Ansatz!
Christa Markwalder: Nein, ein glaubwürdiger Rechtstaat ist einer, der seine Getze auch anwendet und durchsetzt. Das ist beim heutigen BetmG klar nicht der Fall. Aber ich will auch keinen Polizeistaat!

Daniel Heeb, Au: Hallo Frau Markwalder, vor 20 Jahren lag der THC-Gehalt von handelsüblichem Gras bei 3-4%, heute bei 15-20%. Die gezüchteten Pflanzen werden also immer stärker. Da Hanföl (THC-Gehalt 80%) analog mit harten Drogen wie Heroin/Kokain vom Gesetzt gehandhabt wird, was dann, wenn Gras ebenfalls in den entsprechende THC-Bereich vorstösst?
Christa Markwalder: Hallo Herr Heeb. Der gestiegene THC-Gehalt ist eine der Folgen des Verbots. Hanf wird heimlich hochgezüchtet und niemand hat die Kontrolle wie stark das Gras tatsächlich ist. Mit einer Deklarationspflicht, die wir auch bei allen Lebensmitteln kennen, weiss der Konsument wenigstens wie stark Cannabis ist.

Sandrine, Biel: Danke, Frau Markwalder, dass Sie sich für uns Kiffer stark machen. Es ist Zeit, dass wir endlich legal unser Kraut geniessen können. Dann hört auch der miese Handel auf.
Christa Markwalder: Danke Sandrine. Ich sehe mein Engagement v.a. auch im Kontext einer glaubwürdigen Politik. Wir alle wissen, dass Hunderttausende Menschen in der Schweiz Cannabis konsumieren und zehntausende jährlich angezeigt und verurteilt werden. Wir wissen auch, dass die Mafia die grosse Profiteurin des miesen Geschäfts ist. Und deshalb ist es mir ein Anliegen hinzuschauen und nicht wegzuschauen, einen realistischen Lösungsansatz anzubieten anstatt einfach die Augen vor den Realitäten zu verschliessen.

Vreni Etter: Frau Markwalder, profilieren Sie sich bitte mehr in der drogenfreien Jugend! Motivieren Sie die Jugend mit Sport, Kunst, Politik, Bildung, dann vergeht den jetzigen Kiffern das träumen!
Christa Markwalder: Liebe Frau Etter, ich motiviere die Jugend gerne zu sportlicher, künstlerischer und politischer Betätigung. Das sind auch alles Bereiche, in denen ich mich ausserhalb des Parlaments engagiere, z.B. als Präsidentin von Mus-E Schweiz. Neugierig? www.mus-E.ch

Hügli Pascal, St. Gallen: Liebe Frau Markwalder. Ich würde die Liberalisierung alleine daher schon begrüssen, weil jugendliche Kiffer WENIGER in Kontakt mit harten Drogen kommen. Der Erstkontakt geschieht nämlich in vielen Fällen dann, wenn ein Hanfdealer kein Gras mehr anzubieten hat. Automatisch wird er dann den Jugendlichen versuchen, harten Stoff anzudrehen! Daher bin ich für eine kontrollierte Abgabe. Besten Dank, dass Sie soviel Weitblick beweisen, diese Initiative zu unterstützen.
Christa Markwalder: Lieber Herr Hügli, Sie machen eine wichtige Feststellung. An einer Podiumsdiskussion hat eine Ex-Drogensüchtige genau diese Situation geschildert: Man habe gekifft bis es in dieser Lokalität anstatt Gras Heroin gegeben habe. Und so sind die Leute in die Drogensucht abgerutscht... Mit der Initiative findet eben keine Vermischung statt!

Ursula Iseli, Bern: Liebe Christa, einmal mehr finde ich Deine Art zu politisieren und argumentieren sehr beeindruckend. Mein Ja zur Hanf-Initiative ist sowieso sicher! Liebe Grüsse an meine Heimatstadt!
Christa Markwalder: Hallo Ursi! Welch eine Überraschung... Danke vielmals für die Unterstützung!
Athos Staub, Zürich: Grüezi Frau Markwalder, wieso meinen Sie, die Gegner wollen einem mündigen integrierten Bürger den Konsum von kontzrolliertem Schweizer Hanf verbieten?
Christa Markwalder: Lieber Herr Staub, stellen Sie diese Frage am besten gleich an Herrn Bortoluzzi! Nicht alle Hanf-Konsumenten sind abgespacte Kiffer, die den schönen langen Tag rumhängen und psychedelische Musik hören. Die allermeisten sind bestens in Gesellschaft und Arbeitswelt integriert und rauchen halt einen Joint anstatt ein Feierabend-Bier zu trinken.

Athos Staub, Zürich: Frau Markwalder: Sehen Sie keine Gefahr, dass wir mit der kontrollierten Legalisierung den Jugendlichen das Signal geben, dass Kiffen völlig ok und unproblematisch ist?
Christa Markwalder: Nein im Gegenteil. Heute finden viele Jugendliche es reizvoll Verbote zu übertreten... Repressive Länder wie die USA haben einen höheren Anteil junger Kiffer als liberale Länder wie Holland.

Michael; Winterthur: Frau Markwalder, was tun Sie – im Fall einer Annahme der Initiative etc. – zum Schutz vor Passiv-Kiffen (z.B. in Restaurants)?
Christa Markwalder: Überall wo Rauchen nicht erlaubt ist, ist auch Kiffen automatisch verboten. Zudem kann das Kiffen weiterhin eingeschränkt bleiben. Ich glaube kaum, dass die Gastronomie ein Interesse daran hat, dass künftig in ihren Lokalen gekifft wird. In der Umsetzung sehe ich die Initiative so, dass sich beim Konsum wenig ändert (jene die konsumieren tun dies vorwiegend in privaten Räumen), dass aber durch die Kontrolle des Handels und Anbaus der Schwarzmarkt ausgeschaltet wird.

Benjamin Keller, Winterthur: Frau Markwalder. Wird bei einer Legalisierung der THC-Gehalt kontrolliert?
Christa Markwalder: Ja, es soll eine Deklarationspflicht geben.

Tamara Begert, Subingen: Frau Markwalder, was sind Sie nur für ein Vorbild für die Jugend? Kiffen sich die Birne voll und sind auch noch bei der FDP, was für eine Schande für unser Land. Weitere Drogen wie LSD oder Kokain möchten Sie wohl auch gerne legalisieren?
Christa Markwalder: Danke für die freundliche Zuschrift. Aber Sie sind nicht die einzige, die sich in diesem Abstimmungskampf hin und wieder im Ton vergreifen. Korrekt ist, dass ich in der FDP bin, nicht korrekt ist dass ich selber kiffe. Und was die «Legalisierung» weiterer Drogen angeht: Nein, ich will keine anderen Substanzen legalisieren. Cannabis hat nun mal nicht dasselbe Gefährdungspotential wie andere Drogen und gehört deshalb nicht in die Kategorie verbotener Substanzen.

F.F., Wien: Frau Markwalder, jemand hat dazu aufgerufen, bei Annahme der Initiative auf dem Bundesplatz rauchen zu gehen. Wird man Sie dort antreffen?
Christa Markwalder: Sicher nicht!

Erich Fehr, Biel: Frau Markwalder, hier in Biel haben wir bereits jetzt Probleme mit Drogenkurieren, die aus Frankreich kommen, um Hanf und andere Drogen zu schmuggeln. Wie wollen Sie dieses Problem lösen, wenn der Hanf legal wird? Sie zetteln hier eine Sache an, die verheerendste Folgen haben wird!
Christa Markwalder: Herr Fehr, letztes Mal haben sich die Bieler beklagt es gebe zu viele Hanf-Läden. Nach deren Schliessung hat jetzt offenbar die französische Mafia das Geschäft übernommen. Sie sehen also was abgeht...

Michael; Winterthur: Frau Markwalder, ich habe das Gefühl dass Sie und die Befürworter einfach kapitulieren unter dem Motto: Wenn wir es schon nicht verhindern können, dann wenigstens daran verdienen. Und das mit dem Jugendschutz ist ein lahmes Argument: Was hindert den 18-jährigen Bruder oder Freund daran, den Joint weiterzureichen?
Christa Markwalder: Wir haben eine Initiative lanciert weil wir nicht damit einverstanden sind, dass die Mehrheit des Parlaments vor der gesellschaftlichen Realität des Cannabis-Konsums kapituliert hat. Einfach wegzuschauen ist bequemer als einen Lösungsansatz anzubieten. Und der Jugendschutz kann mit der Initiative verbessert werden – wenn nämlich der Handel kontrolliert wird. Zudem sind straffreie Substanzen wesentlich uncooler für Jugendliche!

Cedric Schneider, Schaffhausen: Herr Bortoluzzi, warum sollte Kiffen nicht legal werden, wenn Alkohol legal ist? Alkohol am Steuer ist um einiges schlimmer als Hanf.
Toni Bortoluzzi: Falsch. Cannabisprodukte sind gesundheitlich wesentlich gefährlicher. Sie bleiben über Wochen haften, Alkohol baut sich in kurzer Zeit ab.

Kurt Berger, Jona: Grüezi Herr Bortoluzzi, da das Drogenproblem zurzeit unhaltbar ist, was wird sich bei einem Nein ändern? Wäre es nicht intelligenter, man würde den Konsum kontrolliert abgeben, z.B. über Apotheker und könnte so den Gewinn z.B. in die AHV investieren? Ein Drogenfreies Land ist eine Utopie. Die Augen davor zu verschliessen und auf stur stellen bringt niemandem etwas. MfG
Toni Bortoluzzi: Entscheidend ist, dass bei einem Nein die Botschaft verbunden ist: «Wir wollen nicht mehr Drogen». Alles andere ist Augenwischerei.

Heinz, Zürich: Herr Bortoluzzi, haben Sie selber schon mal gekifft? Wenn nein, wie können Sie sich eine Meinung zu dem Thema bilden?
Toni Bortoluzzi: Nein, ich habe selber nie gekifft. Ich habe aber mit Kiffenden ausgesprochen schlechte Erfahrungen gemacht.

Michael; Winterthur: Frau Markwalder; danke für die Antwort. Warum wird dann das Kiffen nicht auf die Privaträume (nur in der eigenen Wohnung) beschränkt? So kann ich der Initiative nicht zustimmen da ich nicht glaube, dass dann auf uns Nichtraucher Rücksicht genommen wird (analog Rauchen in der Öffentlichkeit)
Christa Markwalder: Wir haben dies lange diskutiert aber nicht in den Verfassungstext aufgenommen. Aber überall wo das Rauchen verboten ist, bleibt auch das Kiffen verboten. Dem Nichtraucher-Schutz dürfte also genügend Rechnung getragen werden.

Mike Bigler, St. Gallen: Muss schon sagen, Sie machen das sehr gut Frau Markwalder. Go on!
Christa Markwalder: Merci vielmal. Das ist ein schönes Kompliment zum Abschluss dieses Chats!! Danke an alle, die mir Fragen gestellt haben und mitgewirkt haben und auf ein erfolgreiches Abstimmungswochenende!

Markus Bieber, Oberbuchsiten: Herr Bortoluzzi, Alkoholwerbung am TV erlauben aber Kiffen verbieten, obwohl man weiss, dass Alk viel mehr Schaden anrichtet als Cannabis, kann das die Lösung sein?
Toni Bortoluzzi: Erstens: Alkoholwerbung ist in der Schweiz am TV verboten. Zweitens: Vergleichen Sie nicht immer eine schlechte Massnahme mit einer noch schlechteren, orientieren Sie sich an Note sechs.

Charles Meisterhans, Zürich: Herr Bortoluzzi, stimmt es, dass Ihr Parteichef und Bundesrat in spe 20 Grasssorten am Geschmack erkennt?
Toni Bortoluzzi: Das müssen Sie ihn selber fragen.

Sturzenegger Felix, Aarau: Herr Bortoluzzi, wieviele Schweizer zerstören sich mit Gras, wie viele mit Alkohol? Ich hätte gerne mal RICHTIGE Argumente...
Toni Bortoluzzi: Alle Kiffer entschuldigen sich mit dieser Frage ...

Erich Fehr, Biel: Herr Bortoluzzi. Danke, dass Sie sich einsetzen. Wir alle (ganze Familie) wünschen Ihnen das beste und ein schönes Wochenende! Danke!
Toni Bortoluzzi: Danke Ihnen ebenfalls!

Christian Rouge, Luzern: Herr Bortoluzzi: Ein Hauptargument ist immer, Kiffen sei eine Einstiegsdroge. Hätten wir dann nicht jetzt schon min. eine halbe Million Junkies in der Schweiz?
Toni Bortoluzzi: Kiffen kann eine Einsteigsdroge sein, muss aber nicht. Wir haben aber gegen 200000 Konsumenten von harten Drogen.

Athos Staub, Zürich: Herr Bortoluzzi: Wie trägt ein Nein dazu bei, dass wir dann weniger Drogen haben? Gesetzlich ändert sich ja nichts...
Toni Bortoluzzi: Ein Nein ist die Botschaft der Bevölkerung: Wir wollen weniger oder keine Drogen.

Alex, Baden: Guten Tag. Da stimmt doch was nicht. Wir verbieten das Rauchen wollen aber das Kiffen legalisieren. Warum das?
Toni Bortoluzzi: Das frage ich mich auch!

Graf Christoph, Thun: Herr Bortoluzzi, Sie sind als Hardliner in Sachen Drogenpolitik schweizweit bekannt, wieso setzen Sie sich nicht dafür ein, dass der Alkohol illegal wird?
Toni Bortoluzzi: Ich gebe mich keinen Illusionen hin. Ich bleibe Realist.

Timo Würgler, Bolligen: Herr Bortoluzzi, liegt Ihnen denn nichts am Jugendschutz? Der Handel kann doch mit der Initiative kontrolliert werden!
Toni Bortoluzzi: Auch das ist eine Illusion: Ein freigegebenes Produkt macht keinen Halt vor Altergrenzen, der heutige Jugendschutz ist besser.

Vukovic Srdjan, Wettingen: Herr Bortoluzzi: Was geht es den Staat und die Allgemeinheit an, wenn ich in meiner Freizeit als erwachsener und mündiger Bürger dieses Staates Cannabis zu mir nehme? Ich mische mich auch nicht darin ein, wie viel Alkohol oder Nikotin ein anderer Bürger zu sich nimmt: es ist deren Sache. Sie schrieben in einem Post zuvor: Alle Kiffer entschuldigen sich mit dieser Frage: Ich muss mich niemandem gegenüber entschuldigen für meinen Cannabis-Konsum.
Toni Bortoluzzi: Es geht um Betäubungsmittel. Der Umgang mit Betäubungsmittel ist staatlich geregelt, auf der ganzen Welt.

Am Sonntag auf Blick.ch

Die Abstimmungs-Resultate aus der ganzen Schweiz, erste Reaktionen und Analysen
Nationalräte für und gegen die Hanfinitiative: Christa Markwalder (FDP/BE) und Toni Bortoluzzi (SVP/ZH).- Keystone

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