FDP: Bundesrat soll bei der OECD neue schwarze Liste bestellen Der Gegenschlag

  • Publiziert: 17.03.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Henry Habegger

Bundespräsident Hans-Rudolf Merz soll bei der OECD eine schwarze Liste über Steuerparadiese bestellen. Das verlangen Ständeräte um Rolf Büttiker (FDP) heute vom Bundesrat.

War sie ernsthaft geplant oder nur ein Drohvehikel? Die schwarze Liste von Steuerparadiesen, die von der OECD vorbereitet wurde. Im Auftrag der G-20, der führenden Industrie- und Schwellenländer, die die Liste am Weltfinanzgipfel vom 2. April verabschieden wollten. Zweck der Liste: Länder wie die Schweiz an den internationalen Pranger stellen und ächten.

Wie auch immer. Jetzt soll es wirklich eine echte schwarze Liste geben. Besteller ist ausgerechnet die Schweiz. Genauer der Bundesrat, der letzte Woche unter internationalem Druck und aus Angst vor der schwarzen Liste angekündigt hat, das Bankgeheimnis für Ausländer aufzuheben.

«Die Schweiz muss jetzt den Spiess umdrehen und zum Gegenangriff übergehen», sagt FDP-Ständerat Rolf Büttiker (SO). «Wenn die G-20 das Recht hat, von der OECD eine schwarze Liste zu verlangen, können wir das als OECD-Mitglied auch.» Er will die Kraftmeier aus EU und USA mit ihrer eigenen Waffe schlagen.

In der heutigen Ständeratsdebatte will Büttiker in Absprache mit der FDP-Deputation von Finanzminister und Bundespräsident Hans-Rudolf Merz (FDP) verlangen, dass er bei der OECD vorstellig wird: «Im Auftrag der Schweiz soll die OECD eine weltweite, umfassende Liste erstellen», sagt Büttiker.

Die Liste soll Länder enthalten, die etwa folgende unsauberen Steuerpraktiken betreiben: Besteuerungen, die auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Steuersubjekte keine Rücksicht nehmen. Besteuerungen, die gar nicht stattfinden (Steuerbefreiungen). Sowie andere Steuerpraktiken, die unkorrekt sind und den Wettbewerb verzerren.

Der Hintergrund ist klar. Mit Erfolg drohten uns die USA, Grossbritannien, Deutschland, Frankreich und Co. mit der Ächtung als steuerpolitischem Schurkenstaat. Nur: Was ist etwa mit den Steueroasen, die sich just im Hoheitsgebiet der selbsternannten Saubermänner befinden? Wie der US-Bundesstaat Delaware oder die britischen Kanal- und Karibikinseln? Dürfen diese Steuerfluchthelfer weiterhin unbehelligt ihre lukrativen Tarife und Konstrukte anbieten und mit Steuerflüchtlingen gewaltig Kasse machen?

Das will Büttiker verhindern.Support erhält er von FDP-Präsident Fulvio Pelli: «Die Schweiz muss in die Gegenoffensive.» Laut Büttiker muss die neue schwarze Liste schnell her. «Am 2. April muss sie vorliegen», fordert er. Rechtzeitig auf den Weltfinanzgipfel der G-20 also, wo die Schweiz ursprünglich angeblich auf die schwarze Liste gesetzt werden sollte.

Die Jäger könnten plötzlich zu Gejagten werden.





Botschafter zitiert

Aussenministerin Micheline Calmy-Rey (63) zitiert wieder einmal den deutschen Botschafter zu sich.

Axel Berg muss in Kürze vortraben. Die neusten Beleidigungen der Schweiz aus dem Munde des deutschen Finanzministers Peer Steinbrück haben auch Calmy-Rey in Rage versetzt: «Es hat nie eine schwarze Liste gegeben, es ist nur ein Instrument gewesen, um die Indianer in Angst und Schrecken zu versetzen», hatte Steinbrück im Schweizer Fernsehen verkündet. So nicht!, sagt die Aussenministerin: «Wir werden Herrn Berg mitteilen, wie wir über die Sache denken», kündigte sie gestern in der Fragestunde des Nationalrates an.

Top 3

1 Drei Tote im Kandertal Heli touchierte Drahtseilbullet
2 BLICK zitiert den Luzerner Staatsanwalt «Die kaltblütigste IV-Betrügerin!»bullet
3 Die niedergeschossene Spar-Filialleiterin «Es ist ein Wunder, dass...bullet

Schweiz