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Haltung stimmt: Arme über dem Kopf, Rollpinsel, Ali P. arbeitet wie ein Profi. (ZVG)
Lange haben die Mieter einer alten Liegenschaft in Schönenwerd SO zugeschaut. Jetzt reicht es ihnen. Sie wittern Betrug.
Ihr Vermieter Ali P. (56) saniert zwar die Wohnungen. Aber er lässt nicht etwa Handwerker kommen für die anfallenden Arbeiten. Nein, nein. Der IV-Rentner packt gleich selber an!
Ali P. malt für neue Mieter die Wände, trägt schwere Säcke rum oder rollt behände den Gartenschlauch zusammen. Erstaunlich für einen Mann, der offiziell arbeitsunfähig ist.
Ein Mieter wettert: «Er hat hier im Ladenlokal, das er vermietet, sogar den Parkett-Boden verlegt.»
BLICK erreicht Ali P. telefonisch. Der Türke – seit 36 Jahren in der Schweiz – gibt zu, seit 1990 Invaliden-Rentner zu sein. «Ich bekomme inklusive Pensionskasse 3700 Franken im Monat.»
Woher hat er denn das Geld, um das mehrstöckige Mietshaus vor rund drei Jahren zu kaufen Antwort: «Meine Frau erbte, als ihr Vater starb.»
Und sein fideler Arbeitseinsatz im und ums Haus herum? «Nein, das geht nicht. Das kann ich körperlich nicht», wehrt sich der vierfache Familienvater vehement. Er habe eine schlimme Krankheit gehabt. Und einen «Unfall am Hals».
Ali P. erzählt von drei schweren Operationen. «Ich kann ein Arztzeugnis vorweisen.» Noch heute habe er Schmerzen am Hals, weil man ihm einen Wirbel weggeschnitten habe. Er habe Platten im Körper und sieben Schrauben im Fuss – weil er nicht mehr richtig gehen könne.
Ali P. jammert weiter. Nachts könne er kaum schlafen. Trotz Schmerz- und Schlaftabletten. Einzig dass er einmal «aus Kostengründen» seine eigene Wohnung gestrichen und einen Kehrichtsack weggetragen habe, gibt er zu. «Weil die Mieter sie immer stehen lassen.»
Was ist denn mit den Fotos, die ihn beim Malen und Aufräumen zeigen?
Da wird Ali P. plötzlich stumm. Er legt auf.
Ein IV-Rentner, der vom Staat Geld kassiert, aber trotz seiner angeblichen Behinderung munter arbeitet? Bei der kantonalen IV-Stelle Solothurn darf man aus Datenschutzgründen weder Auskunft darüber geben, ob eine Person angemeldet ist, noch welche Leistungen sie bezieht.
Der stellvertretende Geschäftsleiter Martin Gabl (42) sagt aber generell: «Hinweise zu möglichen ungerechtfertigten Leistungsbezügen nehmen wir ernst und prüfen im Einzelfall, welche Schritte wir unternehmen.»
Seit Januar darf die IV-Stelle laut der 5. IVG-Revision sogar Detektive auf mutmassliche Betrüger ansetzen. Im Fall von IV-Bezüger Ali P. dürften diese Bilder wohl Beweis genug sein.
* Name von der Redaktion geändert