Atom-Akte Der Bombenbauer hatte viele Schweizer Freunde

  • Publiziert: 30.05.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Henry Habegger

Abdul Qadeer Khans Schatten ist lang: 1976 sprangen Führungskräfte der EMS Abdul Qadeer Khans Schatten ist lang: 1976 sprangen Führungskräfte der EMS Inventa ab und gründeten eine eigene Ingenieurfirma. Und erhielten sogleich einen Grossauftrag aus Pakistan: Mitbauen an einer Anlage zur Urananreicherung.

Jahr 1976. Pakistan hat beschlossen, die Atombombe zu bauen. Dazu braucht es waffenfähiges Uran und eine Anreicherungsanlage. Der Mann, der die Pläne vorantreibt, heisst Abdul Qadeer Khan.

Bei uns macht Khan Schlagzeilen, weil Mitglieder der Ingenieursfamilie Tinner in sein Atomnetzwerk verwickelt sein sollen. Und weil der Bundesrat Beweise aus dem Tinner-Verfahren schreddern liess. Wie Radio DRS gestern berichtete, wollte Eveline Widmer-Schlumpf nach ihrem Amtsantritt den Schredder noch stoppen. Statt einer umfassenden Vernichtung versuchte sie, ihren Regierungs-Kollegen eine «differenziertere Lösung» schmackhaft zu machen. Damit das Ermittlungs-verfahren gegen die Tinners weitergeführt werden könne. Vergebens.

Zurück ins Jahr 1976. Da also beginnt Pakistans Regierung, in europäischen Industrieländern Bestandteile für die erste Urananreicherungsanlage zu bestellen. Eine der Firmen, die 1976 einen Grossauftrag erhält, ist die Cora Engineering in Chur.

Die Cora erhielt verblüffend rasch diesen Auftrag. Im Handelsregister eingetragen wurde sie erst am 16. Dezember 1976.

Pikant: Gegründet wurde die Cora von einigen Führungskräften der Ems Inventa. Laut Angaben der Frau eines der Cora-Ingenieure sind die Leute bei Inventa abgesprungen, «weil sie mit dem Chef, Blocher, nicht klarkamen». Christoph Blocher war seit 1972 CEO der Ems Chemie, zu der damals die mittlerweile verkaufte Inventa gehörte.

Es kam zum Streit zwischen Ems Inventa und Cora. Am 10. März 1977 schrieb die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ), die Bundesanwaltschaft habe ein Verfahren «gegen zwei bisherige Direktionsmitglieder der Inventa und gegen den Cora-Treuhänder» eröffnet. Es sei zu Verhören und Hausdurchsuchungen gekommen.

Die FAZ weiter: «Die Leitung der Chemie Holding Ems AG bezichtigte die drei Wirtschaftler des wirtschaftlichen Nachrichtendienstes, der Verletzung von Fabrikations- und Geschäftsgeheimnissen sowie der ungetreuen Geschäftsführung.» Die Cora-Gründer hätten versucht, «an die Kaderkräfte und über diese an das gesamte technische und geschäftliche Wissen der Inventa heranzukommen.»

Ironie der Geschichte: Die Pläne für die Urananreicherungsanlage, die die Ex-Inventa-Leute mitbauten, wurden später von Abdul Qadeer Khan illegal an andere Staaten verkauft. Solche Pläne dürften es auch gewesen sein, die der Bundesrat auf Antrag Christoph Blochers vernichten liess.

Wie US-Autor Douglas Frantz in seinem Buch «The Nuclear Jihadist» schreibt, flog Khan 1976 selbst in die Schweiz. Um sicherzugehen, dass der Job richtig verstanden wurde. Das war der Fall, und im Sommer 1978 wurden von Cora gebaute Anlagenteile mit drei Transportflugzeugen nach Pakistan geflogen. Das war damals alles legal. Erst 1981 unterband die Schweiz die Nuklearexporte der Cora.

Top 3

1 Drei Tote im Kandertal Heli touchierte Drahtseilbullet
2 BLICK zitiert den Luzerner Staatsanwalt «Die kaltblütigste IV-Betrügerin!»bullet
3 Die niedergeschossene Spar-Filialleiterin «Es ist ein Wunder, dass...bullet

Schweiz