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Der Armeechef verfolgte seine Ex mit bösen Mails

Von seinen Soldaten fordert Armeechef Roland Nef jeden Tag korrektes Auftreten. Sich selber hat er aber offensichtlich nicht im Griff. Als seine Freundin nichts mehr von ihm wissen wollte, tobte er, bis sie ins Hotel floh.

Von Karin Baltisberger, Gabriela Battaglia und Beat Michel | Aktualisiert um 06:57 | 15.07.2008
Armeechef Roland Nef hatte sein Temperament offenbar nicht im Griff. (Reuters)
Armeechef Roland Nef hatte sein Temperament offenbar nicht im Griff. (Reuters)
Es beginnt mit einer Anzeige. Der heutige Armeechef Roland Nef (49) lernt Lynn S.* (50) Ende 2001 kennen. Eine Partner­agentur in Küsnacht ZH – spezialisiert auf «Lebensberatung, Handel mit Schmuckwaren und Partnervermittlung» – bringt die beiden zusammen. Und es funkt. Die zierliche Querflötistin und der hohe Militär werden ein Paar.

Die Liebe zur klassischen Musik verbindet sie: Nef war jahrelang Organist in der Zürcher Gut-Hirt-Kirche, trägt den Studentenverbindungsnamen «Taste». Lynn S. studierte Musik in den USA, spielt jetzt im Orchester der Oper Zürich.

Dann die ersten Misstöne in der scheinbar perfekten Harmonie. Im Oktober 2004 ziehen Roland Nef und Lynn S. zusammen – in eine Luxuswohnung am Zürichberg. Der Beziehung tut das nicht gut. Das Paar streitet. Oft wegen Kleinigkeiten.

Ausraster wegen Eifersucht

An Weihnachten kommt es zum Eklat. Roland Nef, damals Kommandant der Panzerbrigade 11, rastet völlig aus. Er ist krank vor Eifersucht, vermutet, Lynn habe ein Verhältnis.

Sie erträgt den Ausraster ihres Freundes nicht. Und zieht für zehn Tage in ein Hotel. Doch sie gibt Nef noch eine Chance. Eine Paartherapie soll die Beziehung retten.

Das Gegenteil trifft ein. Dank der Therapie findet Lynn S. die Kraft, sich vom studierten Juristen zu trennen. Im Februar 2005 zieht sie aus der gemeinsamen Wohnung aus.

Nef, den Armeekollegen als «superfleissig», aber auch als «seelenlosen Apparatschik» beschreiben, will die Trennung nicht akzeptieren. Er schreibt ihr böse E-Mails, SMS und ruft sie an – ständig. Er hört nicht mehr damit auf. Verfolgt sie. Wird zum Stalker.

Am 27. September 2006 hat Lynn S. genug vom monatelangen Terror. Sie reicht Anzeige gegen ihren ehemaligen Lebenspartner ein. Wegen Nötigung. Die Behörden reagieren prompt: Laut «SonntagsZeitung» durchsuchen sie die Wohnung und das Büro des Militärs, nehmen seinen Computer mit.

Nef lebt zu diesem Zeitpunkt bereits mit seiner heutigen Frau und deren Tochter in einem Höngger Mehrfamilienhaus. Sehr zurückgezogen, erzählt eine Nachbarin: «Er sagte nicht mal Grüezi.»

Woanders gibt sich Nef gesprächiger. Im März 2007 beginnt der Appenzeller Gespräche mit VBS-Chef Samuel Schmid – Nef soll Armeechef werden. Kurz darauf unterschreibt Lynn S. eine Desinteresse-Erklärung. Sie will nicht, dass der Fall weiterverfolgt wird.

Woher der Sinneswandel? Lynn S. sagt heute: «Kein Kommentar».

Roland Nef kommt der Rückzieher seiner Ex äusserst gelegen. Laut «SonntagsZeitung» setzte Nef Bundesrat Schmid über das hängige Verfahren in Kenntnis. Sicherte ihm aber zu, dass es bis zu seinem Amtsantritt eingestellt sein werde.

Woher wusste er, dass seine Ex-Freundin einen Rückzieher macht?

«Nef machte klar, dass unter Leitung der zuständigen Staatsanwältin erfolgversprechende Bemühungen der Parteien zur Einstellung des Verfahrens angebahnt waren», erklärt VBS-Sprecher Sebastian Hueber BLICK.

Schmid habe es nicht als notwendig erachtet, den Gesamtbundesrat über diese Untersuchung zu informieren. Armeechef Nef selbst will sich nicht äussern. «Privatsache», lässt er ausrichten.

Häusliche Gewalt ist keine Privatsache. Alle Fakten auf den Tisch!»

SP-Nationalrätin Chantal Galladé lässt sich so nicht abspeisen. «Nun müssen alle Fakten auf den Tisch», fordert sie. «Die Persönlichkeit des Armeechefs und häusliche Gewalt sind keine Privatsachen.»

Schockiert ist alt Nationalrätin Ruth-Gaby Vermot-Mangold (SP): «Wir haben jahrelang dafür gekämpft, dass häusliche Gewalt öffentlich wird. Und nun wird alles wieder von der Armeespitze in die Privatsphäre verdrängt».

Die St. Galler Regierungsrätin Karin Keller-Sutter kritisiert vor allem, dass Schmid seine Bundesratskollegen nicht über das Strafverfahren gegen Nef in Kenntnis setzte. «Solche Positionen müssen rein schon aus Eigeninteresse vom ganzen Gremium getragen werden», sagt die FDP-Politikerin.

Samuel Schmid schwieg lieber. Und gerät jetzt selber unter Druck. Immerhin gab er gestern bekannt: Er will den Bundesrat und die zuständigen Kommissionen «bei nächster Gelegenheit» über die Affäre informieren.

* Namen von der Redaktion geändert
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